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Auf den Punkt gebracht

Auf einem Schreibtsich liegt ein Notizblock vor der Tastatur. Eine Hand mit Kugelschreiber schreibt darauf.
Simultandolmetscher für Leichte Sprache arbeiten häufig auch bei schriftlichen Übersetzungen mit und gestalten beispielsweise Flyer und Broschüren mit leicht verständlichen Texten.
Foto: Alex Becker

Simultandolmetscher/in für Leichte Sprache werden

Auf den Punkt gebracht

Simultandolmetscher für Leichte Sprache machen komplizierte sprachliche Zusammenhänge auch für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder eingeschränkten Deutschkenntnissen verständlich. Eine anspruchsvolle Tätigkeit, die immer mehr nachgefragt wird.

„Sprache ist der Schlüssel zur Welt“, sagte einst der berühmte Wissenschaftler Wilhelm von Humboldt und macht damit deutlich: Nur wer kommunizieren kann, hat die Möglichkeit, an der Gesellschaft teilzuhaben. Dass auch Menschen, die wegen Lernschwierigkeiten, einer Krankheit oder auf Grund ihrer Herkunft komplizierte sprachliche Zusammenhänge schlechter verstehen als die meisten anderen, miteinander in einen Austausch treten können, dafür sorgen Simultandolmetscher für Leichte Sprache.

Simultandolmetscher werden gesucht

Porträt von Anja Teufel

Anja Teufel

Foto: @K Produktion

Bisher ist es eine relativ kleine Berufsgruppe, die jedoch immer gefragter wird. Denn mehr und mehr Verbände, Ministerien und Veranstalter legen Wert darauf, alle Menschen zu erreichen – unabhängig vom Bildungsgrad.

„Die Berufsaussichten sind gut“, weiß Anja Teufel, Sprecherin des Netzwerks Leichte Sprache für die norddeutschen Bundesländer. „Das liegt auch daran, dass es in Deutschland bisher weniger als eine Handvoll Simultandolmetscher für Leichte Sprache gibt und sie sehr viele Auftragsanfragen erhalten. Meist sogar mehr als sie tatsächlich annehmen können.“ Und der Bedarf wird in Zukunft noch steigen, ist sich die Expertin sicher; gerade im Zusammenhang mit der Novellierung des Behindertengleichstellungsgesetzes habe das Thema an Bedeutung gewonnen. Ziel des Gesetzes ist die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und eine stetige Verbesserung der Barrierefreiheit der öffentlichen Verwaltung des Bundes.

Quereinsteiger sind typisch

Bisher gibt es keine geregelte Ausbildung, die in den Beruf führt. Simultandolmetscher für Leichte Sprache sind deshalb in der Regel Quereinsteiger. Sie haben häufig eine Ausbildung oder ein Studium im sozialpädagogischen Bereich, in der Medienbranche oder im Bereich Germanistik und Sprachwissenschaft absolviert und anschließend eine mehrtägige Fortbildung im Bereich Übersetzung für Leichte Sprache durchlaufen. Ein bundesweit einzigartiges Ausbildungsprojekt startet die Caritas Augsburg. In den kommenden vier Jahren sollen Fachkräfte für Leichte Sprache ausgebildet werden, die selbst eine (geistige) Behinderung haben.

„Die meisten Simultandolmetscher arbeiten auch im Bereich der schriftlichen Übersetzung, das heißt, sie bearbeiten beispielsweise Broschüren oder Homepages und machen diese leichter lesbar“, erklärt Anja Teufel. Sie hält diese Kombination für ideal: „Es ist eine sehr gute Ausgangslage, wenn man bereits in der schriftlichen Übersetzung Erfahrung gesammelt hat, denn so kennt man die Regeln der Leichten Sprache nach einiger Zeit in- und auswendig, was elementar für das Simultandolmetschen ist.“ Diese Regeln besagen zum Beispiel, dass man grammatikalische Konstruktionen wie Genitiv oder Passiv vermeiden und auf Nebensätze verzichten soll. „Ein elementarer Grundsatz ist: Nur eine Aussage pro Satz“, erklärt Anja Teufel.

Konzentrationsfähigkeit und Stressresistenz

Was die Bezahlung für Freiberufler angeht, rät Anja Teufel dazu, sich an den Honoraren der Gebärdensprachdolmetscher zu orientieren. 75 Euro netto pro Stunde seien realistisch. „Die beiden Tätigkeiten ähneln sich im Anspruch: Eine ausgeprägte Konzentrationsfähigkeit und hohe Stressresistenz sollten angehende Simultandolmetscher für Leichte Sprache in jedem Fall mitbringen. Und sie müssen das Interesse und die Bereitschaft haben, sich intensiv in bisher unbekannte Themen einzuarbeiten“, sagt die Expertin.

Wichtig seien darüber hinaus auch Kompetenzen wie Einfühlungsvermögen, Sensibilität und Geduld – schließlich stehe man im ständigen Austausch mit der Zielgruppe. Wenn das Sprechtempo in Ordnung war und sie alles verstanden hat, ist die Zielgruppe zufrieden – und dann sind es auch die Simultandolmetscher.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Dolmetscher/in / Übersetzer/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de


JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
www.jobboerse.arbeitsagentur.de


studienwahl.de
Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de


KURSNET
Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. (Suchwort: z.B. Gebärdensprache)
www.kursnet-finden.arbeitsagentur.de


Netzwerk Leichte Sprache
Homepage mit Informationen zu aktuellen Terminen, Regeln sowie Büchertipps.
www.leichte-sprache.org


Ratgeber mit Regeln für „Leichte Sprache“
Den Ratgeber hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Zusammenarbeit mit dem „Netzwerk für Leichte Sprache“ erstellt.
www.gemeinsam-einfach-machen.de

abi>> 24.01.2018

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