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Alltägliches mit anderen Augen sehen

Ein junger Mann bei einem Außendreh
Eigene Ideen vor die Kamera bringen: Regisseure kümmern sich um die Planung und schließliche Umsetzung von Filmprojekten. Dabei bleiben sie zumeist hinter der Kamera und sorgen für die detailgetreue Koordination der Abläufe.
Foto: Christof Stache

Regisseur

Alltägliches mit anderen Augen sehen

Der Regisseur Benjamin Teske (35) hat ein Faible für Menschen und Orte, die ungewöhnlich sind. Dabei geht es in seinen Filmen um ganz alltägliche Situationen und Bedürfnisse. Die Geschichten entwickelt er behutsam; bis zur fertigen Produktion dauert es mindestens zwei bis drei Jahre.

Die Mühsal des Erwachsenwerdens mal anders erzählt: Die 17-jährige Lucy entdeckt durch Zufall auf einem alten Video-Cover ihre Mutter, die als Darstellerin in erotischen Filmen sehr erfolgreich war. So erfährt sie nicht nur von der Vergangenheit der vermeintlich prüden Mutter, sondern auch, dass der unbekannte Vater wahrscheinlich ein ehemaliger Kollege ist. Und von denen gibt es einige. Lucy macht sich auf die Suche nach ihrem Vater.

Das ist zumindest die Kurzfassung von Benjamin Teskes Debütfilm „Strawberry Bubblegums“, der 2016 im NDR gezeigt wurde. „Schon vier Jahre davor, zum Ende der Studienzeit, hatte ich gemeinsam mit meiner Kommilitonin Cherokee Agnew die Idee, die Geschichte eines alten Pornodarstellers zu erzählen. Wir haben ausgiebig über die Branche recherchiert und in vielen Gesprächen die Story entwickelt. Die Protagonistin kam später erst als Kontrast dazu“, erinnert sich der Regisseur.

„Ideen sind die Summe aus Erlebnissen und Erfahrungen“

Ein Porträt-Foto von Benjamin Teske

Benjamin Teske

Foto: Sabin Tambrea

Auch in „Fliehkraft“ – dem Abschlussfilm seines Regiestudiums an der halb-staatlichen Hamburg Media School, die kostenpflichtige Masterstudiengänge anbietet – geht es um die Suche nach der eigenen Identität. So beschließt die transsexuelle Leonie, sich als Mann auszugeben und in die Welt des Rummels zu ihren Eltern zurückzukehren. Eine Vergangenheit, die sie eigentlich hinter sich lassen wollte.

Doch wie entstehen solche Geschichten? „Das weiß ich manchmal selbst nicht so genau. Ideen sind ja auch immer die Summe aus Erlebnissen und Erfahrungen. Mich interessieren alltägliche Situationen und Momente, aber eben aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet“, berichtet der 35-Jährige, der ursprünglich aus Aschaffenburg stammt. Grundsätzlich fange er erst nach einigen Wochen an, seine Einfälle aufzuschreiben. Dann sammle er Links, Artikel und Inspirationen, bis sich das Thema nach und nach verändere oder immer runder werde.

Kompromisse machen, Änderungen in Kauf nehmen

Bis zum fertigen Film ist es jedoch ein langer Weg. Als freiberuflicher Regisseur muss Benjamin Teske in der Regel eine passende Produktionsfirma finden, die die Finanzierung zusammenstellt. Denn meistens wird ein Film von der Filmförderung und einem Fernsehsender getragen. Manchmal läuft es aber auch umgekehrt: „Als ‚Fliehkraft‘ im Kino gezeigt wurde, kam danach eine Redakteurin des NDR auf mich zu und war an weiteren Geschichten von mir interessiert. So konnte ich ‚Strawberry Bubblegums‘ gemeinsam mit dem Sender und Wüste Film umsetzen, einer Produktionsfirma, zu der ich schon während der Studienzeit Kontakt aufgebaut hatte.“

Sobald die Partner im Boot sind, heißt es aber auch, Kompromisse schließen und Änderungen in Kauf nehmen: „Wenn du 21 Drehtage und x Euro zur Verfügung hast, dann sind die kreativen Grenzen schnell klar. Häufig wird das Drehbuch nochmal überarbeitet, weil Szenen gestrichen oder Drehorte ausgetauscht werden“, weiß Benjamin Teske.

Zurzeit arbeitet er an mehreren neuen Projekten und unterrichtet außerdem die Filmklasse an der Schule für Schauspiel in Hamburg. Man müsse sich nach jedem Film immer wieder neu beweisen, sagt Benjamin Teske. Manchmal komme schnell die nächste Anfrage, und manchmal dauere es eben länger. Sich nicht verrückt zu machen oder ständig mit anderen zu vergleichen, findet er für den Regieberuf sehr wichtig. „Ich will Filme machen, dabei denke ich nicht mehr in Wochen oder Monaten, sondern in Jahren. Man muss einfach wissen, dass es lange dauern kann“, sagt er.

abi>> 03.07.2018