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Mehr als gedruckte Buchstaben

Cover von geplanten und veröffentlichten Titeln
Als Literaturagent versucht Markus Michalek vielversprechende Manuskripte an Verlage zu vermitteln.
Foto: Christof Stache

Literaturagent

Mehr als gedruckte Buchstaben

Bekannten und unbekannten Autoren dabei helfen, ihr Buch auf die Bestsellerlisten zu bringen: Markus Michalek (35) arbeitet als Literaturagent bei einer Münchner Literaturagentur. Wichtigste Voraussetzung für seinen Beruf: lesen, lesen, lesen.

„I ch erinnere mich noch gut an eine Lesung. Ein Autor stellte gerade seine Kurzgeschichte vor: Ich kannte ihn nicht, war aber sofort begeistert von seiner Schreibweise. Also ging ich hin und er erzählte mir, dass er gerade an seinem ersten Roman sitzt. Kurz darauf schickte ich sein Manuskript einigen Verlagen, die es mir sofort aus der Hand rissen. Letztendlich war der Roman wochenlang auf der Bestsellerliste“, berichtet Markus Michalek. Erfolgsgeschichten wie diese zeigen dem Literaturagenten, der bei der Agentur AVA international arbeitet, dass seine Berufswahl die richtige war.

Ein Porträt-Foto von Markus Michalek

Markus Michalek

Foto: Raimond Verspohl

Der heute 35-Jährige studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München Neuere deutsche Literatur und Politikwissenschaft sowie Deutsch als Fremdsprache auf Magister. „Ich habe früher schon wahnsinnig gern gelesen und dachte, ein Studium, in dem ich meine Leidenschaft auch ausleben kann, ist genau das Passende für mich“, begründet Markus Michalek seine Studienentscheidung. Bei der Literaturagentur AVA international arbeitete er bereits zu Studienzeiten als Werkstudent und erhielt nach seinem Abschluss auch direkt ein Jobangebot. „Es ist nicht so, dass ich mit 25 Jahren aufgewacht bin und wusste, in zehn Jahren bist du Literaturagent. Erst nach verschiedenen Jobs und Praktika in anderen Branchen habe ich gemerkt, dass mir die Verlagsbranche am besten gefällt“, erklärt er.

Von Belletristik bis Sachbuch

Die Literaturagentur AVA international vertritt ausschließlich deutschsprachige Autoren aus den Bereichen Literatur, Unterhaltungsroman, Jugendbuch und Sachbuch. „Das Tolle an einer Literaturagentur ist, dass man viel Programmfreiheit hat. Anders als im Lektorat, wo man meistens für ein ganz bestimmtes Genre zuständig ist, komme ich mit ganz unterschiedlichen Büchern in Kontakt – von Unterhaltungslektüre bis Sachbuch“, erzählt Markus Michalek. Und nicht nur die Sparten des Literaturagenten unterscheiden sich, sondern auch die Autoren, die der 35-Jährige betreut. „Ich begleite meine Autoren oft von den ersten Buchseiten bis hin zur Veröffentlichung. Ich sitze sozusagen mit ihnen im selben Boot“, sagt Markus Michalek. Letzten Endes freut sich, bangt, leidet und hofft der Agent mit seinen Autoren.

„Man braucht für den Job neben dem nötigen Fachwissen auf jeden Fall viel Biss, Geduld und immer wieder auch eine dicke Haut“, lautet seine Meinung. Außerdem sollte man flexibel, emphatisch, ausdauernd, neugierig und vor allem leidenschaftlich sein. „Wenn man Leidenschaft und Professionalität kombinieren kann, kann der Beruf auch zur Berufung werden“, schwärmt der 35-Jährige.

Ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit

Seine Arbeitstage laufen dabei ganz unterschiedlich ab. Immer wieder ist er auf der Suche nach neuen Autoren und besucht dafür auch am Wochenende Lesungen und Buchmessen. Zudem steht er in ständigem Kontakt zu Ansprechpartnern der Verlage – nicht nur mit dem Lektorat, sondern auch mit anderen Abteilungen, wie Presse, Marketing oder Vertrieb. Da kann es schon einmal vorkommen, dass er mehrere Stunden am Telefon hängt. Auch die Arbeit an den Manuskripten selbst stellt einen großen Teil seines Arbeitstages dar. Sein Ziel ist es, die Projekte seiner Autoren bestmöglich an passende Verlage zu vermitteln. Gelingt dies, handelt er entsprechende Verträge aus. „Außerdem gilt es natürlich immer, die Kontakte mit Autoren, Buchhändlern und Verlagen zu pflegen und neue Kontakte aufzubauen“, erzählt der Literaturagent.

Dem aktuellen Wandel in der Buchbranche sieht Markus Michalek eher gelassen entgegen: „Ich finde es natürlich einerseits etwas schade, dass das gedruckte Buch als einzigartiges Medium immer mehr mit digitalen Geräten wie Smartphones oder anderen Medienformaten konkurrieren muss. Andererseits geht es im Kern aber letzten Endes um gute Geschichten. Und wer die Welt des Lesens kennt, weiß, dass dahinter mehr als nur gedruckte Buchstaben stecken.“

abi>> 23.08.2016