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Verlage haben die Qual der Wahl

Ein Mann sitzt vor einem Bücherregal.
Ganz viel lesen! Wer darauf Lust hat, könnte einen guten Lektor abgeben. Allerdings gehört zu dem Beruf weit mehr, als eine Leseratte zu sein.
Foto: Jörg Moritz

Lektor – Hintergrund

Verlage haben die Qual der Wahl

Stellen im Lektorat sind nach wie vor sehr begehrt. Wer frühzeitig Kontakte knüpft, hat in der Regel bessere Chancen. Verlage suchen vorzugsweise Projektmanager, denn Lektoren leisten weit mehr als Autoren zu betreuen und Texte zu bearbeiten. Wichtige Voraussetzungen sind ein abgeschlossenes Studium sowie ein Volontariat – und viel Eigeninitiative.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Einen vorgezeichneten Weg zum Beruf des Lektors gibt es nicht. Nahezu alle Studiengänge kommen in Frage, denn entscheidend ist vor allem die Ausrichtung der Verlage. „Geisteswissenschaftler punkten in Literaturverlagen, für Fachbuchverlage mit medizinischem oder juristischem Schwerpunkt sind eher Absolventen aus diesen Bereichen attraktiv“, sagt Kristina Hvasti-Schnepper, Referentin für Berufsbildung beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Spezifische Studiengänge wie Buchwissenschaft kommen ebenso infrage: „Praxisorientierung wird hier in der Regel groß geschrieben, sodass die Studierenden später einige Branchenkontakte mitbringen“, meint die Referentin.

Früh die Weichen stellen

Porträt von Kristina Hvasti-Schnepper

Kristina Hvasti-Schnepper

Foto: privat

Romane, Krimis, Hörbücher, Reiseführer, Kochbücher, Ratgeber, Kinderbücher, Bildbände, Studienliteratur –Lektoren, die in Publikums-, Kunstbuch- oder Wissenschaftsverlagen arbeiten, sind Spezialisten in einem bestimmten Themenbereich. Deshalb empfiehlt Kristina Hvasti-Schnepper, bereits während des Studiums Praxiserfahrungen in relevanten Verlagen zu sammeln.

„Durch Praktika werden erste Weichen gestellt. Wer später zum Beispiel in einem Literaturverlag arbeiten möchte, sollte sich von Anfang an um Praktika in diesem Bereich bemühen“, empfiehlt die Referentin. Schließlich können sich die Verlage ihre Lektoren aus einer Masse von Bewerbungen nach wie vor aussuchen und achten daher insbesondere auf passende Vorkenntnisse.

Nach dem Studium direkt im Lektorat zu arbeiten, ist eher unüblich. Meist erfolgt der Einstieg über ein Volontariat, also eine ein- bis zweijährige Zusatzausbildung in einem Verlag. Die Anforderungen hierbei sind unterschiedlich: Renommierte Literaturverlage setzen in der Regel einen Masterabschluss voraus, bei einigen Verlagen kann man sich jedoch auch mit einem Bachelorabschluss erfolgreich bewerben.

Verantwortlich für Themen und Trends

Porträt von Anke Naefe

Anke Naefe

Foto: Marc Dirkmann

Insbesondere durch den digitalen Wandel haben sich die Aufgaben von Lektoren verändert. „Man spricht mittlerweile weniger von Büchern, sondern viel mehr von Inhalten und wie diese vermarktet werden können“, sagt Anke Naefe, die beim mediacampus frankfurt unter anderem Weiterbildungsseminare für Lektoren konzipiert. „Sie müssen ganzheitlich denken und sich überlegen, was aus einem Text gemacht werden kann“, erklärt sie und erläutert: „Lektoren wählen nicht nur Manuskripte aus und bearbeiten diese, sondern sie planen beispielsweise auch, ob ein Krimi als E-Book-Serie erscheint oder zu einem Kinderbuch eine begleitende App entwickelt wird.“

Deshalb sind Lektoren eine wichtige Schnittstelle zu anderen Abteilungen wie Vertrieb, Presse oder Marketing, weil sie die Texte und Autoren am besten kennen. „Wenn zum Beispiel von der Marketingabteilung eine Veranstaltung mit neuen Autoren geplant ist, dann wissen die Lektoren ganz genau, wer infrage kommt und wer die Öffentlichkeit eher scheut“, sagt die Weiterbildungsexpertin. Im Lektorat zu arbeiten, erfordere daher nicht nur ein gutes Sprachgefühl, sondern auch diplomatisches Geschick und Einfühlungsvermögen für die Zusammenarbeit mit den Autoren.

Kontakte, Kontakte und nochmals Kontakte

Anke Naefe und Kristina Hvasti-Schnepper kennen die Situation auf dem Arbeitsmarkt – viele Lektoratsstellen werden gar nicht erst ausgeschrieben, sondern innerhalb der Netzwerke vergeben. Umso wichtiger ist es deshalb, bereits während des Studiums Kontakte zu knüpfen. Praktika sind dabei nur eine Möglichkeit, denn auch die großen Buchmessen in Leipzig und Frankfurt bieten eine gute Gelegenheit, die Verlagslandschaft kennenzulernen und mit Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Nicht zuletzt organisiert der Börsenverein auf den Messen Infoveranstaltungen speziell für Nachwuchskräfte.

Sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und Branchenkenntnisse zu sammeln – dabei können Netzwerke wie die Jungen Verlagsmenschen helfen. „Wer in einem Verlag Fuß gefasst hat, kann unter Umständen später ins Cheflektorat oder in die Verlagsleitung aufsteigen. Üblich ist es auch, die Häuser zu wechseln, also von einem kleineren in einen großen Verlag zu gehen“, gibt Kristina Hvasti-Schnepper zu bedenken.

 

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Lektor/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit

Wer sich über Jobausschreibungen von Verlagen und Unternehmen informieren möchte, gibt in der Suche „Lektor/in“ ein.
www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Der Börsenverein ist der Berufsverband der Buchhandelsbranche und für Verlage, Buchhandlungen, den Zwischenbuchhandel, Antiquariate und Verlagsvertreter zuständig.
www.boersenverein.de

ausbildung-verlag.de

Nachwuchsportal des Börsenvereins rund um Themen zur Aus- und Weiterbildung in der Buch- und Verlagsbranche
www.ausbildung-verlag.de

mediacampus frankfurt

Zentrale Aus- und Weiterbildungseinrichtung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels
www.mediacampus-frankfurt.de

Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL)

Als Berufsverband vertritt der VFLL die Interessen der freiberuflichen Lektoren. Mit Hilfe der Expertenprofile im Lektorenverzeichnis bekommt man einen guten Eindruck von Werdegängen und Spezialisierungen.
www.vfll.de

Junge Verlagsmenschen

Nachwuchsverein der Buch- und Medienbranche, der mittlerweile zwölf Städtegruppen zum Austauschen und Netzwerken ins Leben gerufen hat.
www.jungeverlagsmenschen.de

abi>> 16.11.2017