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Lehramt oder Wissenschaft

Außenansicht der Hagia Sophia in Istanbil
Pflicht für Studierende der Islamischen Theologie, wenn sie in Istanbul sind: ein Besuch der Hagia Sophia, der wohl berühmtesten Moschee der Welt.
Foto: Martin Rehm

Islamische Theologie

Lehramt oder Wissenschaft

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat 2011 den Startschuss für eine junge, dynamische Wissenschaft gegeben, die Absolventen vielfältige und spannende Tätigkeitsfelder eröffnet. Islamische Theologie ist eine Disziplin für Menschen islamischen Glaubens, die sich Wissen über die islamische Religion aneignen und/oder vertiefen und weitergeben wollen.

„Wer islamische Theologie studieren möchte, muss kein Muslim sein“, sagt Jan Felix Engelhardt, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Frankfurt und ehemaliger Leiter des Graduiertenkollegs Islamische Theologie der Stiftung Mercator. Dennoch richtet sich das Studium vor allem an Menschen muslimischen Glaubens: „Wer Lehrer werden will, muss vor Beginn seiner Tätigkeit in der Regel erklären, dass er sich als Muslim verortet und sich in einer muslimischen Gemeinde engagiert“, weiß der Experte. In Forschung und Lehre spielen glaubensgebundene Interessen eine besondere Rolle: „Islamische Theologie wird aus muslimischer Perspektive gelehrt“, erklärt Jan Felix Engelhardt. „Wer sich dem Islam wissenschaftlich, aber nicht konfessionell nähern möchte, sollte sich eher für die Islamwissenschaft entscheiden.“

Stiftung Mercator

Die Stiftung Mercator ist eine private, unabhängige Stiftung, die sich neben ihrem Einsatz für den Klimaschutz auch für die chancengleiche Bildung für Menschen mit Migrationshintergrund sowie die Verankerung kultureller Bildung in der schulischen Bildung engagiert.

Aufgabengebiete: Pädagogik, Wissenschaft, Seelsorge, Verwaltung

Porträt von Jan Felix Engelhardt

Jan Felix Engelhardt

Foto: Simon Bierwald

Etwa 1.800 Studierende, darunter zwei Drittel Frauen, waren laut Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Wintersemester 2015/16 bundesweit für ein Studium der Islamischen Theologie eingeschrieben. Beinahe drei Viertel aller Studierenden haben sich dabei für Religionspädagogik entschieden, um später Religion an einer Schule unterrichten zu können. In Deutschland sind derzeit laut einer Veröffentlichung zum „Islamunterreicht in Deutschland“ von der Konrad Adenauer Stiftung etwa 700.000 muslimische Kinder schulpflichtig, Tendenz steigend. Schätzungen zufolge müssten 2.000 Stellen geschaffen werden, damit der Bedarf an konfessionsgebundenem Unterricht abgedeckt werden kann. Allerdings wird islamische Religion nicht bundesweit als Schulfach angeboten, da der Schulunterricht von den einzelnen Bundesländern geregelt wird.

Studierende, die sich für Islamische Theologie im Vollstudium entschieden haben, können später eine Universitätslaufbahn anstreben oder in der Seelsorge arbeiten. „Die Seelsorge ist ein Bereich, der in Zukunft weiter institutionalisiert werden wird“, glaubt Jan Felix Engelhardt, „beispielsweise in Krankenhäusern, Gefängnissen oder in unterschiedlichen Initiativen. Da braucht es gut ausgebildete muslimische Ansprechpartner.“

Eine dritte Gruppe hat verwaltende Aufgaben im Blick, in der Politik, bei Stiftungen, in Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und muslimischen Organisationen.

Zehn neue Standorte in sechs Jahren

Der Wissenschaftsrat, der die Bundesregierung in Angelegenheiten der Wissenschaft berät, hatte 2010 dafür plädiert, theologisch orientierte islamische Studien an deutschen Hochschulen zu etablieren. Das BMBF folgte diesem Rat und gab eine Ausschreibung heraus, im Rahmen derer sich Universitäten für die Einrichtung von Lehrstühlen für Islamische Theologie bewerben konnten. Fünf Zentren – in Münster, Osnabrück, Frankfurt/Gießen, Tübingen und Erlangen-Nürnberg – wurden bewilligt. Die Finanzierung wurde auf fünf Jahre festgesetzt und im Dezember 2015 um fünf Jahre verlängert.

Fünf weitere Universitäten haben Institute für Islamische Theologie gegründet: die Pädagogischen Hochschulen in Freiburg, Karlsruhe, Ludwigsburg und Weingarten sowie die Universität Hamburg. Sie müssen für die Finanzierung jedoch alleine aufkommen.

Die Lehrinhalte an den Hochschulen unterscheiden sich nicht wesentlich. „Alle Institute versuchen, die Bandbreite an islamischen Fachgebieten abzudecken – wie Koranwissenschaften, islamische Glaubenslehre, islamisches Recht, islamische Geschichte und Philosophie und natürlich islamische Religionspädagogik und die arabische Sprache“, weiß Jan Felix Engelhardt.

Weitere Informationen

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Islamische Theologie)
www.studienwahl.de


Interdisziplinäres Zentrum für Islamische Religionslehre Erlangen
www.irp.dirs.phil.fau.de/


Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam Frankfurt
www.uni-frankfurt.de


Zentrum für Islamische Theologie Münster
www.uni-muenster.de/ZIT


Zentrum für Islamische Theologie Osnabrück
www.islamische-theologie.uni-osnabrueck.de


Zentrum für Islamische Theologie Tübingen
www.uni-tuebingen.de/fakultaeten/zentrum-fuer-islamische-theologie/zentrum.html


Bundesminsterium für Bildung und Forschung
www.bmbf.de


Wissenschaftsrat
Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen (PDF)
www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/9678-10.pdf

abi>> 02.12.2016