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Das Wesentliche festhalten

Ansicht eines Schildes vor einem Gericht
Im Gericht sind Foto- und Videoaufnahmen verboten. Gerichtszeichner erstellen daher handgezeichnete Skizzen.
Foto: Martin Magunia

Gerichtszeichner: Hintergrund

Das Wesentliche festhalten

Im Gerichtssaal Angeklagte, Richter und Zeugen mit wenigen Strichen aufs Papier bannen und sein Werk später in den Nachrichten sehen: Diese Erfahrung kennen deutschlandweit nur wenige Personen. Gerichtszeichner arbeiten schnell und gewissenhaft – und meistens nebenberuflich.

Mit Pinsel, Bleistift und Farbe Menschen zu skizzieren: Das kennt man eher von den mobilen Künstlern, denen Passanten in der Fußgängerzone Modell sitzen. Betrachtet man die Ergebnisse, sehen die Porträtierten darauf nicht selten schöner aus als in natura – der Künstler will ja weitere Kundschaft anziehen. Gerichtszeichner dagegen geben Anwälte, Angeklagte, Zeugen und Richter realistisch wieder und versuchen, das Unverwechselbare in jeder Person zu betonen. Sonst haben sie jedoch manches gemeinsam mit dem Zeichner in der Fußgängerzone: Sie reisen mit wenig Material, müssen schnell und präzise arbeiten – und die Auftragslage ist wenig vorhersehbar.

Von Hand zeichnen

In deutschen Gerichten sind Ton- und Bildaufnahmen zum Schutz des Persönlichkeitsrechts verboten. Während Gäste im Gerichtssaal unmittelbar verfolgen, was dort passiert, können Fernsehzuschauer und Zeitungsleser also nicht einmal auf Fotos zurückgreifen. Während eines Gerichtsprozesses ist es jedoch erlaubt, per Hand Skizzen und Zeichnungen zu erstellen. Bei Prozessen, die auf großes öffentliches Interesse stoßen, beauftragen beispielsweise Fernsehsender oder Tageszeitungen daher Gerichtszeichner.
Bundesweit gibt es nur wenige Vertreter dieses Berufs und sie werden nur unregelmäßig für Verfahren beauftragt. Daher existiert auch keine Berufsorganisation. Eine genaue Zahl, wie viele Gerichtszeichner in Deutschland arbeiten, gibt es nicht. Meist ist von „einer Handvoll“ die Rede.

Gerichtszeichner, die schon länger im Geschäft sind, berichten davon, dass bis Mitte der neunziger Jahre jede große Sendeanstalt ihren eigenen Zeichner hatte. Auch heute noch sind es meist öffentlich-rechtliche Sender, die Zeichner beauftragen und mit ihnen Verträge abschließen. Diese Verträge gelten fast immer nur für einen konkreten Prozess. Deshalb arbeiten die meisten Gerichtszeichner nebenberuflich, das Honorar verhandeln sie mit dem jeweiligen Auftraggeber. „Da dieser Beruf nur noch dort relevant ist, wo Fotografieren und Filmen nicht möglich sind, ist der Arbeitsmarkt für Gerichtszeichner sehr klein“, kommentiert Doris Reif-Woelki von der Agentur für Arbeit Stuttgart.

Schnell und präzise zeichnen

Eine klassische Ausbildung oder ein Studium „Gerichtszeichnen“ gibt es nicht. Einige Gerichtszeichner haben eine Berufsausbildung im Bereich Grafik oder Medien absolviert. Andere haben ein Studium abgeschlossen, das Kenntnisse und Fertigkeiten in Bildender Kunst, Gestaltung oder Design vermittelt – zum Beispiel Kommunikationsdesign. Dort lernt man unter anderem, wie man von Hand zeichnet. „Wichtig ist vor allem, dass man schnell und mit wenigen Strichen das Wesentliche von Personen und Situationen abbildet“, sagt Doris Reif-Woelki. „Ähnliche Fertigkeiten sind bei der Tätigkeit als Phantombildzeichner gefragt.“

Darüber hinaus brauchen Gerichtszeichner ein gutes Gedächtnis, denn bei einigen Prozessen wird die Öffentlichkeit – also auch die Presse – ausgeschlossen. In solchen Fällen haben sie nur wenige Minuten zu Beginn, um grobe Skizzen anzufertigen und sich Personen sowie Gerichtssaal einzuprägen. Mehr über den Berufsalltag eines Gerichtszeichners erfährst du in der Reportage „Mit Pinsel, Bleistift und Aquarellfarbe“.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchworte zum Beispiel: Gerichtszeichner/in, Schnellzeichner/in / Porträtzeichner/in).
berufenet.arbeitsagentur.de


JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de


studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

abi>> 16.12.2016