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Leckerbissen in Szene setzen

Gemüse und Obst liegen zur Weiterverarbeitung auf einem weißen Untergrund bereit.
Lebensmittel für Fotoshootings möglichst appetitlich anrichten – das ist der Job von Foodstylisten.
Martin Rehm

Foodstylist

Leckerbissen in Szene setzen

Im Sommer nach Wintergemüse suchen, acht verschiedene Gerichte gleichzeitig kochen und dann noch einen Blick für die Ästhetik haben: Als Foodstylist richtet Philipp Gerdelmann (35) Lebensmittel für Fotoaufnahmen appetitlich an. Seit zwei Jahren ist der gelernte Koch beim Kölner Fotostudio 2TE angestellt, das sich auf die Fotografie von Speisen spezialisiert hat.

Der Arbeitstag von Philipp Gerdelmann beginnt zwischen acht und neun Uhr. „Die erste große Herausforderung ist der morgendliche Einkauf“, erzählt er. „Wir müssen die Werbemittel unserer Kunden circa drei Monate vor Veröffentlichung entwickeln und fotografieren. Das heißt, man braucht schon im September Wintergemüse für Weihnachtsshootings oder bereits im März Spargel.“ Für den Foodstylisten ist das kein Problem, da er über ein gutes Netzwerk an Lieferanten und Händlern verfügt, die ihn mit kleinen Mengen beliefern können.

Ist der Einkauf erledigt, geht es an die Umsetzung. Seine Hauptaufgabe ist das Kochen und perfekte Anrichten der Gerichte und Teller. Die Arrangements stimmt der 35-Jährige stets mit den Grafikern und Fotografen ab. „Da wir für verschiedene Kunden und Branchen arbeiten, ist mein Tagesablauf sehr unterschiedlich. Kein Shooting gleicht dem anderen“, sagt er. Das Fotostudio übernimmt Aufträge von Handelsketten, aus der Lebensmittelindustrie und der Gastronomie.

„Getrickst wird kaum noch“

Ein Porträt-Foto von Philipp Gerdelmann

Philipp Gerdelmann

Foto: privat

Besonders herausfordernd sind Aufträge, in denen größere Mengen zubereitet werden müssen. „Wenn ich bei einem Fotoshooting beispielsweise acht verschiedene Fleischstücke gleichzeitig in einem perfekten Garzustand anrichten muss, komme ich schon ins Schwitzen“, erzählt der gelernte Koch. Getrickst wird in der Küche kaum noch: „In unserem Studio werden keine Illusionen kreiert, sondern Produkte so authentisch und natürlich wie möglich dargestellt.“ Auf Hilfsmittel greift Philipp Gerdelmann nur dann zurück, wenn etwa für Cocktailbilder Eiswürfel aus Glas oder Silikon benötigt werden.

„Ein Foodstylist sollte Organisationstalent, Genauigkeit, Flexibilität und eine Leidenschaft für das Kochen und für Produkte mitbringen“, betont er. „Daneben ist ein geschultes Auge wichtig, um abschätzen zu können, wie das Gericht auf dem Foto wirkt.“ Denn neben dem Wareneinkauf entwickelt er Bildideen und Rezepte, kümmert sich um die Organisation der Kulissen und Requisiten für die Shootings und schreibt Verbrauchertipps für seine Kunden.

Neue Perspektiven als Koch

Dass er einmal den Beruf des Foodstylisten ergreifen würde, stand für Philipp Gerdelmann nicht von Anfang an fest. Nach dem Abitur studierte er zunächst in Bochum Germanistik und Geschichte. In dieser Zeit entdeckte er seine Begeisterung für das Kochen. So entschied er sich, nach dem Studium umzusatteln. Auf Sylt absolvierte er eine zweijährige Kochausbildung, die er als Bester in Deutschland abschloss.

Danach kochte er in verschiedenen Sternerestaurants, bevor er sich für den Beruf des Foodstylisten entschied. „Ich fand es spannend, den Kochberuf aus einer anderen Perspektive kennenzulernen“, erinnert er sich. Den Quereinstieg hat er nicht bereut: „Ich kann kreativ und abwechslungsreich arbeiten und eigene Ideen realisieren.“ Die geregelte Arbeitszeit war ein Argument für die Festanstellung. „Im Moment erfüllt mich die Arbeit in einem festen Studioteam. Ob ich mich irgendwann selbstständig mache oder zurück an den Herd gehe? Wer weiß.“

abi>> 10.08.2017