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Spuren der Vergangenheit

Ein Mann legt an einer Fundstelle eine Tonscherbe frei.
In fremde Kulturen einzutauchen und Schätze aus längst vergangenen Zeiten zu entdecken klingt für viele Abiturienten nach einem Traumberuf. Doch die Anforderungen an Archäologen sind hoch.
Foto: Armin Weigel

Archäologie – Hintergrund

Spuren der Vergangenheit

Beim Stichwort „Archäologie“ denken viele zuerst an Menschen in staubiger Kleidung mit Hacke und Schaufel, gebeugt über ein steiniges Feld. Und tatsächlich sind Ausgrabungen an historischen Stätten ein wichtiger Teil der Arbeit. Aber das Berufsfeld der Archäologen ist weit vielfältiger und setzt ein anspruchsvolles Studium sowie zahlreiche Fähigkeiten und Kenntnisse voraus.

Spannend und abwechslungsreich – so beschreibt Dr. Kornelia Kressirer ihre Tätigkeit. Die Archäologin ist seit Anfang 2017 Kustodin des Akademischen Kunstmuseums in Bonn. In dieser Funktion betreut sie die Antikensammlung der Universität Bonn, die sowohl der Öffentlichkeit als auch den Studierenden zugänglich ist.

Ihre Arbeit reicht von der Pflege und Inventarisierung der bestehenden Sammlungen über die Vorbereitung und Durchführung von Sonderausstellungen und medienpädagogischen Angeboten bis hin zur Erstellung von Publikationen und Forschungsarbeiten. Außerdem betreut sie die Baumaßnahmen im Museum, übernimmt Verwaltungsaufgaben und erledigt Öffentlichkeitsarbeiten. Unterstützt wird sie bei all dem von einem Restaurator und einer Fotografin.

Vielseitige Erfahrungen

Porträt von Kornelia Kressirer

Dr. Kornelia Kressirer

Foto: Jutta Schubert

Kornelia Kressirer hat Klassische Archäologie, Geschichte und Kunstgeschichte in Würzburg und Neapel studiert. Schon während ihres Studiums hat sie Praktika in Museen gemacht, später kamen Lehraufträge dazu. Nach ihrer Promotion hat sie zunächst bei einer Grabungsfirma gearbeitet, ehe sie ein wissenschaftliches Volontariat bei den Staatlichen Museen und Sammlungen in Bayern absolviert hat. „Dabei habe ich alles Wichtige über die Arbeit im Museum gelernt. Das war sicher mit ausschlaggebend dafür, dass ich meinen jetzigen Job bekommen habe“, erzählt die Archäologin und fügt hinzu: „Das ist sogar eine unbefristete Stelle und solche sind bei uns in der Archäologie sehr rar gesät.“

Ihrer Meinung nach ist es für Archäologen wichtig, sich breit aufzustellen, also unterschiedliche Erfahrungen zu sammeln – sei es bei Ausgrabungen, an der Universität oder in Museen. Das helfe bei der Jobsuche. Wichtig sei zudem eine große Begeisterung für das Gebiet sowie sehr gute fachliche Grundlagen durch ein fundiertes Studium.

Offen für fremde Kulturen

Neugierde, eine gute Beobachtungsgabe, die Fähigkeit, komplex zu denken, Hartnäckigkeit und Sprachbegabung: Diese Eigenschaften sollten Archäologen laut Dr. Jon Albers mitbringen. Der Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Archäologenverband (DArV) berät junge Menschen, die im Berufsfeld Archäologie arbeiten möchten: „Man sollte keine Angst vor fremden Sprachen haben und auch nicht vor fremden, modernen Kulturen, denn man reist viel. Das bedeutet auch, dass man flexibel sein muss bezüglich seines Wohnorts. Längere Auslandsaufenthalte sind keine Seltenheit.“ Auch gute Geschichtskenntnisse sowie ein Verständnis für vergangene Kulturen und eine hohe Lesebereitschaft sind unabdingbar.

In Deutschland ist „Archäologe“ kein rechtlich festgelegtes und geschütztes Berufsbild. Meist wird die Bezeichnung jedoch für Personen benutzt, die sich durch einen entsprechenden Studienabschluss qualifiziert haben. An Hochschulen kann man Archäologie mit verschiedenen Spezialisierungen studieren oder einen ähnlichen Studiengang wählen, etwa Ur- und Frühgeschichte oder Ägyptologie. Oft werden diese Fächer in Kombination mit Geschichte oder Kunstgeschichte angeboten. Wer in der Branche arbeiten will, kann sich aber auch für eine Ausbildung entscheiden, zum Beispiel Grabungstechniker werden.

Promotion fast unverzichtbar

Porträt von Jon Albers

Jon Albers

Foto: privat

„Um in der Archäologie wissenschaftlich weiterzukommen und wahrgenommen zu werden, ist eine Promotion annährend unverzichtbar“, betont Jon Albers. In vielen leitenden Positionen sei sogar eine Habilitation erwünscht. Arbeitgeber für Archäologen sind hauptsächlich Landesdenkmalämter, Museen, Hochschulen oder große Forschungsinstitute. Bei Verlagen oder privaten Grabungsfirmen finden Archäologen ebenfalls Anstellungen.

Der Referent beobachtet zudem, dass viele Absolventen in der Beratungs- oder IT-Branche landen, im Verwaltungsdienst oder im Wissenschaftsmanagement: „Ihre Fähigkeiten zur Recherche, ihre Sprachkenntnisse und das komplexe Denken machen sie auch für andere Arbeitgeber attraktiv.“ Dadurch fänden junge Menschen, die ihr Studium erfolgreich abgeschlossen haben, in der Regel auch einen Job.

Branche im Wandel

In der Archäologie selbst ist es Jon Albers Einschätzung nach extrem schwierig, Karriere zu machen. Der Großteil der Anstellungen ist befristet und kaum einer schafft es vor dem 40. Lebensjahr auf eine unbefristete Stelle. Die Verdienstmöglichkeiten orientieren sich an den Tarifen der öffentlichen Hand: „In den ersten zehn Jahren nach der Promotion ist ein Nettogehalt von 2.200 bis 3.500 Euro realistisch.“

Wie so viele Branchen, ist auch die Archäologie im Wandel. Jon Albers ist sich sicher, dass die Technologisierung auch in seinem Fachgebiet weiter fortschreiten wird: „Methoden wie Laserscanning werden an Bedeutung gewinnen.“ Das bedeutet auch, dass an die künftigen Archäologen zusätzliche Anforderungen gestellt werden: „Die Studierenden müssen zunehmend technische Fertigkeiten mitbringen, um zum Beispiel mit komplexen Softwareprogrammen arbeiten zu können.“ Damit wird das ohnehin vielseitige Berufsfeld noch abwechslungsreicher.

 

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit bietet über 3.000 aktuelle Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Archäologie)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Im Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. (Suchwort: Archäologie)
www.kursnet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Im Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit findest du Studiengänge in ganz Deutschland.
www.studienwahl.de

Deutscher Archäologen-Verband e.V.

Der DArV ist der Berufsverband der deutschen Archäologen und vertritt vor allem die beruflichen und sozialen Interessen seiner Mitglieder aus allen archäologischen Disziplinen.
www.darv.de

Deutscher Verband für Archäologie e.V.

Der DVA fördert die Entwicklung der Archäologie in all ihren Zweigen und Tätigkeitsfeldern und unterstützt den wissenschaftlichen Nachwuchs.

www.dvarch.de

Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V.

Die DGUF trägt zur Verbreitung gesicherter und fundierter Erkenntnisse über die Archäologie bei und fördert die Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen von moderner Archäologie.
www.dguf.de

abi>> 07.07.2017