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Puzzeln für die Wissenschaft

Freilegung einer Tonscherbe bei einer Ausgrabung.
Verbergen sich unter der Erde spannende Fundstücke aus der Antike? Dieser Frage geht Archäologe Jan Marius Müller auf Sizilien nach.
Foto: Armin Weigel

Archäologe

Puzzeln für die Wissenschaft

Kurz nach Sonnenaufgang, wenn es noch kühl ist im Sommer auf Sizilien, beginnt Jan Marius Müller mit seiner Arbeit. Der Archäologe breitet die Fundstücke vom Vortag auf einem Tisch aus und beginnt, die Keramikfragmente zu sortieren. Er setzt passende Teile zusammen und fotografiert, dokumentiert und katalogisiert sie. Das sind hier in Selinunt die Hauptaufgaben des 34-Jährigen.

In den letzten acht Jahren war Jan Marius Müller jeden Sommer für mehrere Wochen auf Sizilien. Gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland und Italien führt er dort archäologische Ausgrabungen durch. Zurück in Bonn geht die Arbeit weiter: Hier wird die Datenbank mit den knapp 2.500 Jahre alten Fundstücken gepflegt – wozu auch ein intensives Literaturstudium in der Bibliothek gehört. Nicht zuletzt koordiniert der Archäologe die wissenschaftlichen Publikationen rund um die Ergebnisse und schreibt selbst an ihnen mit.

Der 34-Jährige ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Archäologischen Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Bei seinem aktuellen Projekt in Selinunt geht es um die archäologische Erforschung eines antiken griechischen Gewerbegebietes aus der Zeit zwischen dem 6. und 5. Jahrhundert vor Christus. Parallel dazu steht er kurz vor dem Abschluss seiner Promotion, für die er sich mit der Verwendung von Keramikgefäßen in den griechischen Koloniestädten Siziliens beschäftigt.

Früh die Weichen gestellt

Porträt von Jan Marius Müller

Jan Marius Müller

Foto: privat

„Geschichte und Archäologie haben mich schon als Jugendlicher sehr interessiert“, erinnert sich Jan Marius Müller. „Deshalb habe ich bereits in den Anfangsjahren am Gymnasium bewusst die Fächer Latein und Griechisch gewählt.“ Tatsächlich seien diese Sprachkenntnisse für seinen Beruf zwingend notwendig. Für das Selinunt-Projekt habe er sogar noch Italienisch gelernt. „Grundsätzlich ist es wichtig, die für die Region und die Forschungsliteratur wichtigsten modernen Fremdsprachen zumindest passiv zu beherrschen“, betont der Archäologe. „Das heißt, man sollte in der Lage sein, englische, französische, italienische, spanische und gegebenenfalls auch neugriechische, türkische und russische Texte inhaltlich zu erfassen.“

Karriere an der Uni

Nach seinem Abitur hat sich Jan Marius Müller für ein Studium der Klassischen Archäologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn entschieden. Dabei beschäftigte er sich insbesondere mit der klassischen Philologie (Latein), der Alten Geschichte sowie mit der Vor- und Frühgeschichte. Bereits während seines Studiums war er als studentische Hilfskraft tätig: „Ich habe das als sehr positiv empfunden. Man verdient etwas und sammelt gleichzeitig Berufserfahrungen in seinem Themengebiet.“ Nach seinem Magister Artium wurde er zunächst wissenschaftliche Hilfskraft und schließlich wissenschaftlicher Mitarbeiter. Darüber hinaus übernimmt er immer wieder redaktionelle Tätigkeiten für Fachzeitschriften und Ausstellungen.

An seiner Arbeit mag er besonders, dass er zusammen mit den Kollegen wichtige Erkenntnisse und Zusammenhänge über die Alltagsgeschichte des Altertums zusammenträgt. „In Selinunt haben wir keine einzelnen, besonderen Schätze ausgegraben, aber die Summe unserer Arbeit dort ergibt ein gutes Bild davon, wie früher gearbeitet wurde“, sagt der junge Archäologe. „Ich finde es sehr beeindruckend, wie sie damals die Arbeit aufgeteilt und Städte geplant haben. Das begeistert mich immer wieder aufs Neue.“

Keine Scheu vor Dreck

Um in der Archäologie Fuß zu fassen, sollte man laut Jan Marius Müller ein Talent für wissenschaftliche Methoden haben sowie die Fähigkeit, genau zu arbeiten. „Außerdem braucht man eine gute Portion Hartnäckigkeit und sollte keine Scheu haben, sich auch mal dreckig zu machen“, ergänzt er. Bei aller Leidenschaft für seinen Beruf hat er aber auch einen realistischen Blick auf den Arbeitsmarkt: „Man muss schon den unbedingten Wunsch mitbringen, in dem Bereich tätig zu werden – und sich im Klaren sein, dass man lange Zeit für relativ wenig Geld arbeitet und unbefristete Anstellungen die große Ausnahme sind.“

Er persönlich hat seine Studiums- und Berufswahl trotzdem nie bereut. Nach seiner Promotion möchte Jan Marius Müller gerne an der Universität und in der Forschung bleiben und weiter an archäologischen Grabungsprojekten mitarbeiten. Auch eine anschließende Habilitation kann er sich gut vorstellen.

abi>> 07.07.2017