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Mit digitalen Spuren Täter überführen

Auf einem Computer werden Daten analysiert.
Beim Bundeskriminalamt begeben sich Sachverständige auf digitale Spurensuche. Sie werten beispielsweise beschlagnahmte Festplatten oder Speichermedien aus, um Beweismaterial sicherzustellen.
Foto: BKA

Sachverständige für forensische Informations- und Kommunikationstechnik

Mit digitalen Spuren Täter überführen

Nach dem Informatik-Studium wollte Claudia Pragst* (33) mehr als nur programmieren. Deshalb ging sie zur Polizei. Heute ist sie Sachverständige für forensische Informations- und Kommunikationstechnik beim Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden.

Einen Betrüger, einen Mörder oder einen Kinderpornografie-Ring dingfest zu machen, finde ich viel erfüllender, als eine Software zu optimieren“, sagt Claudia Pragst. Die Sachverständige für forensische Informations- und Kommunikationstechnik wird bei Cyberkriminalität zu Rate gezogen und auch, wenn digitale Geräte Hinweise auf einen Tathergang geben könnten. „Dann ist es mein Auftrag, be- oder entlastende Spuren zu finden.“

Die BKA-Beamtin sitzt dafür nicht nur am Rechner, sondern ist auch vor Ort und unterstützt die Ermittler bei der Beschlagnahme und Sicherstellung von digitalen Geräten. „Heutzutage gibt es ja nicht nur PCs. Digitale Spuren finden sich auch auf Handys, Servern und jedem anderen internetfähigen Elektrogerät. Fotos, Nachrichten, besuchte Webseiten, Online-Bestellungen – all das kann für die Ermittlung wichtig sein.“

Ermittlung als Puzzleteilsuche

Der erste Arbeitsschritt ist für sie pure Routine: „In den meisten Fällen wird uns eine Festplatte, ein USB-Stick oder ein Handy übergeben. Zunächst installiere ich einen Schreibblocker, damit meine Arbeit den Datenträger nicht verändert. Dann erstelle ich ein Image, also eine exakte Kopie des Datenträgers. Darin begebe ich mich auf Spurensuche“, berichtet die 33-Jährige. Hilfsmittel ist eine forensische Software, die jedes einzelne Bit ausliest und verdächtige Daten anhand von vorher definierten Kriterien herausfiltert. Die Interpretation der gefundenen Daten überlässt Claudia Pragst dem Ermittlerteam.

Wird auf diesem Weg nichts gefunden, muss sie kreativ werden. „Nicht immer ist klar, was gesucht wird. Deshalb sitzen wir mit den Ermittlern zusammen und überlegen gemeinsam, welche Informationen notwendig sind, um die Lücken im Tatpuzzle zu schließen. Meine Aufgabe ist es, mir zu überlegen, wie wir technisch an die entsprechenden Daten rankommen können – natürlich immer auf legalem Weg“, betont sie. „Denn sich einfach irgendwo einzuhacken, geht nicht. Das wird in Filmen und Serien oft sehr überzeichnet.“

Einen kühlen Kopf bewahren

Daten entschlüsseln, Gelöschtes wiederherstellen, Programmcodes nachvollziehen – bei jeder Ermittlung sind mindestens zwei digitale Forensiker beteiligt, denn nicht jeder kann für jedes Betriebssystem Spezialist sein. „Mein Spezialgebiet sind Server“, erklärt die BKA-Beamtin.
Bei ihrer Arbeit bekommt Claudia Pragst auch Schlimmes zu sehen. „Auf Fotos von missbrauchten Kindern könnte ich gut und gerne verzichten“, sagt sie. „Aber die gute Sache wiegt das auf, weil ich helfen kann, die Kriminellen hinter solchen Fotos hinter Schloss und Riegel zu bringen.“ Auch ist sie immer darauf gefasst, bei einem brenzligen Fall, zum Beispiel bei einem Anschlag, unter Zeitdruck zu arbeiten und trotzdem einen kühlen Kopf zu bewahren. „Man weiß nie, was einen erwartet“, merkt die digitale Forensikerin an. Dazu gehört auch, dass sie für das BKA bundesweit unterwegs ist.

Gutachten als letzter Schritt

Die 33-Jährige bereut es nicht, dass sie nach ihrem Studium der Technischen Informatik zur Baden-Württembergischen Polizei gegangen ist. Dort hat sie noch ein zweites, duales Studium zur Kriminalkommissarin absolviert und sich im Anschluss auf IT-Forensik spezialisiert. „Um Sachverständige zu werden, muss man eine interne Ausbildung durchlaufen. Dank meines Studiums habe ich aber lediglich einige Module belegen müssen“, erinnert sie sich. Dabei hat sie beispielsweise gelernt, dass die digitale Spurensuche akribisch genau dokumentiert werden muss: „Meine Ergebnisse müssen nachvollziehbar sein, auch für mich selbst. Deshalb schreibe ich als Letztes immer ein Gutachten. Es kann zum Beispiel sein, dass ich nach zwei Jahren vor Gericht aussagen muss und dann ist es wichtig, jedes Detail schnell parat zu haben.“

Claudia Pragst arbeitet erst seit Kurzem beim BKA. Als Beamtin hat sie einen Job auf Lebenszeit. Doch mit der Digitalisierung der Gesellschaft verändert sich ihr Berufsbild laufend. „Ich muss immer bereit sein, Neues aufzunehmen“, sagt sie. Eine mögliche Führungskarriere beim BKA kommt für sie nicht infrage. „Die IT, das ist meine Leidenschaft. Vom Konfirmationsgeld habe ich mir zum Entsetzen meiner Oma meinen ersten Computer gekauft. Dabei hätte es die Aussteuer werden sollen“, lacht sie – bezahlt gemacht hat sich diese Investition auf jeden Fall.

* Name von der Redaktion geändert.

abi>> 03.01.2018