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Von der Pflanze bis zur Salbe

Eine medizinische Produktionsanlage.
Für die Herstellung von Tabletten, Salben und Sprays sind Produktionsanlagen nötig. Julia Horst plant und betreut diese.
Foto: Friedemann Vetter

Ingenieurin - Pharmatechnik

Von der Pflanze bis zur Salbe

Als Ingenieurin für Pharmatechnik plant und betreut Julia Horst (35) bei der Firma Heel in Baden-Baden Produktionsverfahren, mit denen natürliche Arzneimittel hergestellt werden.

Extrakte aus Arnika, Sonnenhut, Zaubernuss, Schafgarbe, Beinwell und neun weiteren Heilpflanzen sollen Blutergüsse und Schwellungen eindämmen, Entzündungen und Schmerzen lindern. Die Ingenieurin für Pharmatechnik Julia Horst betreut unter anderem die Produktion einer Sportsalbe, die alle 14 Wirkstoffe enthält.

Gearbeitet wird hier ausschließlich mit natürlichen Rohstoffen: „Die Pflanzen werden sorgfältig ausgewählt, bevor sie als Ausgangsstoffe in den Produktionsprozess gelangen“, erzählt Julia Horst. In einem eigenen Produktionsbereich werden zunächst in einem aufwendigen Prozess aus den geernteten Pflanzen sogenannte Urtinkturen hergestellt, die anschließend verdünnt und zu Arzneimitteln in diversen Darreichungsformen weiterverarbeitet werden: Tabletten, Tropfen, Salben, Gele, Zäpfchen, Sprays oder Injektionslösungen.

Natur und Hightech

Julia Horst im Labor.

Julia Horst

Foto: Privat

Die Produktion ist eine Mischung aus Natur und Hightech. Es ist ein langer Weg von den Pflanzen bis zur Urtinktur, wobei hier noch viele Prozesse von Hand ablaufen. In der Weiterverarbeitung hingegen herrscht ein hoher Grad an Automatisierung, wobei die große Zahl der Inhaltsstoffe komplexe Anforderungen an die Technik stellt: „Herkömmliche Schmerzsalben haben einen Wirkstoff plus die Trägerstoffe, auch klassische Mittel der Homöopathie verwenden nur eine Substanz. Unsere Präparate hingegen sind Kombinationsmittel, die mehrere Wirkstoffe in einem Präparat kombinieren. Bei der Sportsalbe sind es allein 14 Wirkstoffe, die weiterverarbeitet werden müssen“, erklärt Julia Horst. Und die Salbe ist nur eines von 300 Produkten.
In der Produktion arbeitet sie im Team mit zehn anderen Pharmatechnikern zusammen, wobei Julia Horsts Aufgabengebiet durchaus umfassend ist: „Die Sportsalbe betreue ich zum Beispiel von der Herstellung bis zur automatischen Endverpackung.“

Russische Beipackzettel

Die 35-Jährige ist von der ersten Idee einer Produktionsanlage über die Projektplanung, den Einkauf von Maschinenteilen bis zur Umsetzung und den Testläufen mit dabei: Wie soll die Anlage aussehen, welche Maschinen und Bauteile müssen eingekauft werden? „Ich stelle sicher, dass die Anlage den strengen Qualitätsansprüchen genügt und erstelle Wartungs- und Instandhaltungspläne für den gesamten Lebenszyklus einer Anlage“, umreißt sie ihre Aufgaben.

Da das Unternehmen ins Ausland exportiert, bedeutet das nicht nur, dass Verpackungen und Beipackzettel den länderspezifischen Vorgaben angepasst werden müssen. Auch der Betrieb in Baden-Baden, wo die Hauptproduktion stattfindet, wird regelmäßig von ausländischen Behörden auditiert: „Für die ingenieurwissenschaftlichen Themen sind wir die Ansprechpartner“, erzählt Julia Horst. Meistens laufen die Gespräche auf Englisch, russische Behörden haben gerne Dolmetscher dabei.

Spannende Mischung im Studium

Anders als klassische Maschinenbauingenieure muss die 35-Jährige Fachwissen zu einschlägigen Normen und Vorgaben besitzen, etwa zum EU-Pharmarecht. Zudem muss sie spezielle Materialien wie Pharmaedelstahl kennen: „Dieses hat bestimmte Oberflächeneigenschaften, die kaum angreifbar sind.“ Eigenschaften, die etwa im Umgang mit hochaktiven Substanzen wichtig sind.

Studiert hat sie Pharmatechnik an der Fachhochschule Ostwestfalen-Lippe. „Der Studiengang kombiniert pharmazeutische Technologie, Arzneimittelrecht, Anlagen- und Betriebsplanung, Anlagentechnik sowie Qualitätsmanagement.“

abi>> 04.05.2018