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Spurensuche zwischen Bits und Bytes

Ein Polizist blickt am Computer auf ein Schaubild zu Cyberkriminalität.
Kriminelle jeglicher Couleur machen sich das Internet zunutze - um diese digitalen Spuren für deren Überführung zu nutzen, sind Fachleute für digitale Forensik gefragt.
Foto: Martin Rehm

Digitale Forensik – Hintergrund

Spurensuche zwischen Bits und Bytes

Deutschlands Ermittlungsbehörden suchen händeringend Computerfachleute. Denn nicht nur Cyberkriminelle hinterlassen digitale Spuren, auch Steuerbetrüger, Sexualstraftäter oder Mörder können mithilfe von Informationstechnologie überführt werden – ein Fall für die Digitale Forensik.

Das Wichtigste zuerst: Digitale Forensiker sind keine IT-Kriminalisten. Die beiden Bereiche sind strikt voneinander getrennt“, betont Martin Rojak von der Bayerischen Polizei. IT-Kriminalisten sind sogenannte Polizeivollzugskräfte, also spezialisierte Ermittler, die zum Beispiel Hackerangriffe, illegale Aktivitäten im Darknet, Erpressungsversuche durch Trojaner, Betrug durch Phishing-Mails und so weiter aufdecken.
„Digitale Forensiker dagegen sind neutrale Sachverständige, keine Ermittler. Im Auftrag der Ermittler oder der Staatsanwaltschaft, stellen wir digitale Spuren sicher und erstellen wissenschaftlich-methodische Gutachten, die vor Gericht belastbar sind“, erklärt der Experte. (Mehr dazu liest du in der Berufsreportage „Mit digitalen Spuren Täter überführen“)

Digitale Spuren im Alltag

Was das konkret heißt, zeigt ein Fall aus Trier: Ein junger Mann hat nach Vergiftungssymptomen gegoogelt, während seine Freundin an einer Partydroge starb. Er rief nicht den Notarzt. Dieses Indiz, bestätigt durch ein Gutachten, belastete ihn stark. Das Urteil: sieben Jahre Haft wegen Totschlags. Es ist ein Beispiel von vielen, in denen die Arbeit von Digitalen Forensikern auf der Suche nach der Wahrheit weiterhilft.

Denn längst sind es nicht nur Fingerabdrücke und Blutspuren, die einen Täter überführen. Mit der Digitalisierung unseres Alltags gewinnen auch digitale Spuren an Bedeutung. Neben PCs und Handys sammeln auch die Elektronik eines Autos oder das komplett vernetzte Haus entscheidende Daten. Fachleute, die diese auslesen und als Hinweis entschlüsseln können, sind deshalb zunehmend gefragt.

Spezialisierung im Masterstudium

Ein Porträtbild von Katja Praegla

Katja Praegla

Foto: Hochschule Albstadt-Sigmaringen

Doch wie wird man IT-Forensiker? „Es handelt sich dabei um keinen geschützten Beruf“, erklärt Katja Praegla, Studienmanagerin an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. „Trotzdem müssen Digitale Forensiker über hochkomplexes Fachwissen an der Schnittstelle von Recht und Informationstechnik verfügen. Nur wenige Studiengänge in Deutschland vermitteln dieses Wissen. Unser berufsbegleitender Fernstudiengang ‚Master Digitale Forensik‘ ist einer davon.“ Die Hochschule Wismar bietet einen ähnlichen Master unter dem Titel „IT-Sicherheit und Forensik“ an, aber auch Masterstudiengänge wie „Security Management“ an der Technischen Hochschule Brandenburg vermitteln forensische IT-Kenntnisse. Die Kriminalpolizei bildet zudem ihre eigenen Fachleute intern aus, seit einigen Jahren auch in Zusammenarbeit mit Hochschulen.

Bei all diesen Studiengängen muss ein abgeschlossenes Bachelorstudium und mindestens ein Jahr Berufspraxis vorgewiesen werden. Viele der Studierenden arbeiten bereits bei der Polizei, bei Gericht oder kümmern sich in einem Unternehmen um die IT-Sicherheit. Für IT-Sicherheitsexperten gibt es auch die Möglichkeit, sich ohne Studium weiter zu qualifizieren. Die IHKs in Coburg und Augsburg etwa bieten Kurse mit IT-Forensik-Zertifikat an, genauso wie diverse internationale Institute. „In Abgrenzung zur IT-Security, die danach fragt: ‚Was könnte geschehen?‘, beschäftigt sich die Digitale Forensik aber mit der Frage: ‚Was ist geschehen?‘“, erklärt Katja Praegla.

Bachelorabschluss als Basis

Ein Porträtbild von Martin Rojak

Martin Rojak

Foto: Bayerische Polizei

Diese Frage stellen sich auch die Studierenden im Bachelorstudiengang „Allgemeine und Digitale Forensik“ an der Hochschule Mittweida – der einzige grundständige Vollzeitstudiengang, der in Deutschland direkt in den Tätigkeitsbereich führt. (Mehr dazu erfährst du in der Studienreportage „CSI Mittweida: Den Tätern auf der Spur“.) Berufsbegleitend ist dagegen der Bachelorstudiengang „IT-Forensik/Cybercrime“ in Mittweida und „IT-Forensik“ in Wismar. Auch Studiengänge wie „Informatik/IT-Sicherheit“ an der Uni Erlangen-Nürnberg enthalten forensische Module. Allerdings gilt zu berücksichtigen: Wer sich schon im Bachelor auf Digitale Forensik spezialisiert, hat später möglicherweise nicht die Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten, im Vergleich zu einem Studium der Angewandten Informatik.

Wer einen Bachelor in Informatik, Nachrichtentechnik, Elektrotechnik, Wirtschaftsinformatik, Verwaltungsinformatik, Mathematik oder Physik in der Tasche hat, kann sich im Vollzeitmaster „Cybercrime/Cybersecurity in Mittweida noch spezialisieren – oder sich gleich bei der Polizei als Digitaler Forensiker bewerben. „Letztendlich sind wir ja Kriminaltechniker. Ein technischer Hintergrund ist deshalb ideal. Für die juristischen und kriminalistischen Fragestellungen gibt es interne Fortbildungsmaßnahmen“, sagt Martin Rojak von der Bayerischen Polizei. „Man darf nicht zart besaitet sein, denn man bekommt viele schreckliche Sachen zu sehen. Man sollte motiviert sein, etwas für die Allgemeinheit zu tun und sollte sich in andere Leute hineinversetzen können“, gibt er als notwendige Eigenschaften an.

Einsatzgebiete auch in der Wirtschaft

„Analytisches, kreatives Denken, Neugierde und Durchhaltevermögen sind auch wichtig“, ergänzt Katja Praegle und betont, dass Strafverfolgungsbehörden nicht die einzigen potenziellen Arbeitgeber seien: „Unsere Absolventen kommen auch bei IT-Sicherheitsunternehmen unter, arbeiten bei der Bundeswehr, bei den Ermittlungsbehörden als selbständige Gutachter oder in der Industrie.“ Martin Rojak betont: „Große Unternehmen haben eigene Compliance-Abteilungen, die bei internen Ermittlungen aktiv werden. Sie untersuchen, ob sich Mitarbeiter an Gesetze oder auch interne Richtlinien halten. Nicht immer werden dazu die Behörden eingeschaltet.“ Beide Experten sind sich sicher, dass der Bedarf an Fachpersonal im Bereich Digitale Forensik noch steigen wird.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung und der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

Studiengänge:

- Hochschule Mittweida (Vollzeitbachelor, berufsbegleitender Bachelor, Vollzeitmaster) www.forensik-studieren.de

- Hochschule Albstadt-Sigmaringen (berufsbegleitender Master) www.master-digitale-forensik.de

- Hochschule Wismar (Berufsbegleitender Bachelor und Master) www.wings.hs-wismar.de/de/fernstudium_bachelor/it_forensik und www.wings.hs-wismar.de/de/fernstudium_master/it_sicherheit_und_forensik

- Technische Hochschule Brandenburg (Master)
www.security-management.de

- Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (berufsbegleitender Bachelor) www.itsec.techfak.fau.de

Recruiting-Kampagne der Bayerischen Polizei

www.mit-sicherheit-anders.de/IT

Karriere beim Bundeskriminalamt

www.bka.de/DE/KarriereBeruf/karriere_und_beruf_node.html

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

www.bsi.bund.de

abi>> 03.01.2018