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Verkehrssündern auf den Zahn fühlen

Fahrlehrerin unterweist Fahrschülerin während der Fahrt.
In der Verkehrspsychologie arbeitet man mit Menschen aus allen möglichen Bevölkerungsschichten zusammen.
Foto: Martin Rehm

Verkehrspsychologin

Verkehrssündern auf den Zahn fühlen

Dr. Katrin Müller (32) ist Verkehrspsychologin beim TÜV NORD. Von ihrem Urteil hängt es maßgeblich ab, ob Menschen, denen der Führerschein entzogen wurde, wieder hinters Steuer dürfen.

Wer mit Alkohol oder Drogen am Steuer erwischt wurde, zu fleißig Punkte in Flensburg gesammelt hat oder regelmäßig deutlich zu schnell unterwegs war, der könnte Bekanntschaft mit Katrin Müller machen. Sie ist Verkehrspsychologin beim TÜV NORD in Düsseldorf und hat mit Verkehrsteilnehmern zu tun, denen der Führerschein entzogen wurde und für die eine Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU) angeordnet wurde. Das psychologische Gespräch ist neben einem medizinischen Test und einem Reaktionstest eines von insgesamt drei Bestandteilen der MPU.

Eine abwechslungsreiche Tätigkeit

Ein Porträt-Foto von Dr. Katrin Müller

Dr. Katrin Müller

Foto: Nadine Effert

Ein interessanter Beruf, was auch an der „Kundschaft“ liegt: „Vom Handwerker bis zum Vorstand – allen, egal aus welcher gesellschaftlichen Schicht kommend, kann der Führerschein entzogen werden“, betont Katrin Müller. Sie hat in Maastricht Psychologie studiert und an der Uniklinik Köln auf dem Gebiet der Neuropsychologie promoviert. In dieser Zeit stellte sie fest, dass ihr die Forschung zu konkurrenzorientiert und zu weit weg vom Menschen ist. „Ich habe mich nach dem Abi für Psychologie entschieden, weil ich Menschen helfen und mit ihnen zusammenarbeiten wollte. Daher habe ich parallel die Ausbildung zur Psychotherapeutin gemacht und 2016 die Approbation erhalten.“

Da ihr wiederum die Selbstständigkeit nicht genügend Sicherheit versprach, suchte sie einen festen Job. Dieser fiel ihr zufällig in Form einer Stellenanzeige vom TÜV NORD vor die Füße. Gesucht: Verkehrspsychologe/in zur Begutachtung – mit Aussicht auf Führungsposition. Vor drei Jahren hat sie ihre Unterschrift unter den Arbeitsvertrag gesetzt. „Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereue“, sagt die 32-Jährige.

Der psychologische Teil der MPU

Doch was genau macht ein Verkehrspsychologe? Entweder arbeitet man in der verkehrspsychologischen Therapie. Oder, wie Katrin Müller, in der Begutachtung. „Dazu werfe ich einen Blick in die Akten des Kunden: Welche Delikte liegen vor? Waren Drogen oder Alkohol im Spiel? Gut vorbereitet geht es dann in das etwa einstündige Gespräch, indem ich beurteile, ob der Führerschein zurückgegeben werden sollte.“

Hier wird der Person mit diagnostischen Methoden auf den Zahn gefühlt: Hat sie sich kritisch mit sich selbst und der Vorgeschichte auseinandergesetzt? Hat sie erkannt, warum sie gegen Regeln verstoßen hat? Welche Strategien wurden entwickelt, um langfristig das Verhalten zu ändern? Ob der Kunde die psychologischen Voraussetzungen erfüllt oder nicht, schreibt die Psychologin in ein Gutachten gemäß Fahrerlaubnisverordnung – und gibt dem Kunden gegebenenfalls Empfehlungen, wenn es noch an manchen Stellen hapert.

Studium und Berufserfahrung sind Voraussetzung

Wer diesen Beruf spannend findet, kommt um einen Diplom- oder Masterabschluss in Psychologie nicht herum. Als Gutachter darf man zudem erst nach zweijähriger psychologischer Berufserfahrung arbeiten. Beim TÜV NORD gibt es zudem eine einjährige Ausbildung, in der die spezifischen Kompetenzen erlernt und ein erfahrener Begutachter den „Neulingen“ zur Seite steht.

An ihrem Beruf schätzt die Verkehrspsychologin insbesondere die Möglichkeit, Leuten eine Chance zu geben, die nicht nur auf reiner Aktenlage basiert: „Manchen ist die Reue förmlich ins Gesicht geschrieben oder sie sind zu Tränen gerührt, wenn man ihnen eine positive Einschätzung mit auf den Weg geben kann. Schließlich hängt vom Führerschein für viele auch die Existenz ab.“

abi>> 24.06.2019