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Ein Haus für Kinder

Viktoria Lange (17) wird Kinderpflegerin. Hier unterstützt sie die Kinder in der Malstunde.
Die Arbeit mit Kindern ist einer der größten Teilbereiche der Sozialpädagogik.
Foto: Mathias Lange

Sozialpädagoge

Ein Haus für Kinder

Andreas Baraniak (35) leitet in Stellvertretung eine Einrichtung für die Betreuung von Kindern im Alter zwischen drei und zehn Jahren. An der Schnittstelle zwischen Kindern, Eltern, Mitarbeitern und Arbeitgeber muss er vielen Anforderungen gerecht werden.

Heute läuft im Haus der Kinder in der Waldschulstraße in München einiges anders als sonst. Es ist Girls'Day und Boys'Day, das heißt Schülerinnen und Schüler erhalten Einblick in für sie eher geschlechtsuntypische Berufsfelder. Zwei junge Männer schauen sich dabei den Beruf des Erziehers an: „Das ist natürlich auch für unsere Kinder abwechslungsreich“, sagt Andreas Baraniak. Der 35-Jährige ist Sozialpädagoge und arbeitet im Leitungsteam der Einrichtung. Da in Kürze eine Sanierung ansteht, werden aktuell „nur“ 70 Kinder betreut. Geöffnet hat das Haus von acht Uhr morgens bis 17 Uhr, wobei der Name „Haus der Kinder“ Programm ist. Wo es geht, wird nicht zwischen Kindergarten- und Hortkindern unterschieden. Brettspiele, Basteln und das Toben im Garten stehen allen gemeinsam offen.

Ein ganzes Bündel an Aufgaben

Ein Porträt-Foto von Andreas Baraniak

Andreas Baraniak

Foto: privat

Als stellvertretender Leiter sorgt Andreas Baraniak zusammen mit seiner Vorgesetzten dafür, dass alles reibungslos läuft – vom Personaleinsatz, der Versorgung mit gesundem Essen über Elternabende bis hin zu Elterngesprächen. Um sich die teure Stadt München leisten zu können, müssen oft beide Eltern Vollzeit arbeiten. Entsprechend viel Zeit verbringen manche Kinder in der Einrichtung. „Wir versuchen natürlich, möglichst viel von der Entwicklung des Kindes zu kommunizieren“, erklärt der Sozialpädagoge. Dazu gehört auch, dass er für eine gute Vernetzung etwa mit Beratungsstellen und Schulen sorgt.

An erster Stelle steht dabei das Wohl der Kinder. Um dies im Blick zu haben, ist er trotz Leitungsfunktion auch ganz normal in den täglichen Erzieherdienst eingebunden. Es gibt zwar einen fixen Tagesablauf – Zeiten für Hausaufgaben und Mittagessen sind festgelegt –, aber die Arbeit mit Menschen, gerade mit sehr jungen, ist trotzdem nicht vorhersehbar: „Wir sind immer einer gewissen Dynamik ausgesetzt, sowohl von Seiten der Kinder als auch von Seiten der Eltern. Darauf muss man sich einlassen können.“

Schließlich sollen die Kinder durch eigene Einsicht handeln. Und diese Einsicht bedingt oft ein Aushandeln: „Man hat als Erwachsener vielleicht nicht immer Recht und muss auch mal Kompromisse eingehen“, erklärt Andreas Baraniak. Dieses Austarieren bestimmt auch schon mal den Tagesablauf. „Was möglich ist, wird umgesetzt. Unsere Angebote wie Sport, Theater oder Musik sind stets freiwillig.“

Diese Dynamik ist genau das, was die Arbeit für Andreas Baraniak so spannend macht und ihm gut gefällt. Gleichzeitig ist es auch das, was seinen Job so anstrengend macht: „Es werden stets Erwartungen an mich gestellt, von Seiten der Eltern, der Mitarbeiter und des Arbeitgebers. Und natürlich auch von Seiten der Kinder. Es ist nicht immer einfach, für jeden eine individuell passende Lösung zu finden“, so der 35-Jährige.

Erst Ausbildung, dann Studium

Andreas Baraniak arbeitete einige Jahre als Erzieher, bevor er sich entschloss, Sozialpädagogik zu studieren: „Ich hatte viele Fragen, die zum Teil im Studium beantwortet wurden. Durch das Studium habe ich zudem viel über Teamarbeit und konzeptionelles Arbeiten gelernt“, erinnert sich der 35-Jährige. „Im Berufsalltag ist es wirklich wichtig, professionell zu beobachten und auch in Worte fassen zu können, wie sich zum Beispiel ein Kind entwickelt. Hilfreich war das Studium auch mit Blick auf das Ausarbeiten unserer pädagogischen Konzeption oder für das Verständnis von Teamprozessen.“

Erzieher ist er zunächst geworden, weil er gerne mit Menschen arbeiten und sein eigenes Geld verdienen wollte. „Studiert habe ich, weil ich mich verändern und auch weiterkommen wollte.“ Dass er zuerst die Ausbildung absolviert hat, sieht er heute als Vorteil: „So konnte ich viel gezielter studieren.“

abi>> 13.06.2017