Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Zur Seite stehen in Not und Leid

Reportage
Wenn im Ausland ein größerer Unfall passiert - zum Beispiel auf einem Kreuzfahrtschiff -, dann sind Tobias Hahn und sein Team gefragt. Sie gehören zu den ersten Anlaufstellen für Betroffene und deren Angehörige.
Foto: Archiv Möller Medien

Krisenmanager

Zur Seite stehen in Not und Leid

Zusammen mit seinem Team ist er da, wenn für einige Menschen die Welt aus den Fugen gerät: Tobias Hahn (31) ist im öffentlichen Dienst für psychosoziales Krisenmanagement zuständig.

Ihn betreffen der Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich genauso wie die Havarie des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia in Italien oder der Terroranschlag in Istanbul. „Wir werden bei größeren Schadensereignissen aktiv, die im Ausland stattfinden, sobald deutsche Staatsbürger davon betroffen sind“, fasst Tobias Hahn seinen Aufgabenbereich zusammen. Im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) arbeitet er im Referat psychosoziales Krisenmanagement bei der Koordinierungsstelle Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe (NOAH).

Von seinem Schreibtisch aus koordiniert Tobias Hahn zusammen mit Kollegen die Unterstützung und Versorgung für die betroffenen Personen, wenn diese wieder nach Deutschland kommen. Zudem ist er von Anfang an Ansprechpartner für die Angehörigen. „Über eine Hotline sind wir rund um die Uhr erreichbar, um Informationen zu geben und bei jeglichen Fragen zu unterstützen“, erklärt er. „Das umfasst die Notfallseelsorge ebenso wie formelle Fragestellungen, zum Beispiel zur Todesurkunde oder zu finanziellen Hilfen.“

Telefonische Betreuung und direkter Kontakt

Ein Porträt-Foto von Tobias Hahn.

Tobias Hahn

Foto: BBK/Richwin

Tobias Hahn gehört somit zu den ersten Anlaufstellen in den Stunden und Tagen unmittelbar nach dem Ereignis. „In Telefonaten mit den betroffenen Personen werden wir mit dem individuellen Schicksal konfrontiert. Wir führen dann auch schon Entlastungsgespräche, für die wir psychologisch geschult wurden.“ Ist eine weitergehende Unterstützung notwendig, übernimmt eine der Psychologinnen, die zum Team gehören. Für eine längerfristige Betreuung vermittelt der 31-Jährige Betroffene an einen Therapeuten.

Bei organisierten Treffen hat der Krisenmanager auch persönlichen Kontakt mit Angehörigen, Hinterbliebenen oder unmittelbar betroffenen Personen. „Einfühlungsvermögen, Neutralität und Vertraulichkeit gehören zu den Eigenschaften, die man auf jeden Fall mitbringen sollte“, erklärt er. „Weil man mit vielen verschiedenen Akteuren zusammenarbeitet und jedes Ereignis ganz neue Fragen aufwirft, ist es außerdem notwendig, komplexe Sachverhalte zu durchdringen und daraus praktische Lösungen entwickeln und umsetzen zu können.“

Und noch etwas ist relevant für seinen Job: gute Kontakte. Tobias Hahn korrespondiert im Krisenfall unter anderem mit den zuständigen Behörden wie dem Auswärtigem Amt oder dem Bundesamt für Justiz, aber auch mit Fluggesellschaften und Flughäfen, Reiseveranstaltern sowie der Notfallseelsorge, Kriseninterventionsdiensten und Therapeuten. „Es ist wichtig, die Leute zu kennen, mit denen man bei einem Notfall zusammenarbeitet, wenn es etwa um die Einreise der betroffenen Personen geht.“ Ein Grundsatz seiner Arbeit lautet deswegen: „In Krisen Köpfe kennen“.

Master in Katastrophenmanagement

Sein fachliches Wissen erwarb Tobias Hahn zunächst im Bachelorstudium Rettungsingenieurwesen an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg. Wegweisend waren auch Praktika bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Äthiopien sowie im Krisenmanagement bei einer deutschen Fluggesellschaft. Anschließend konnte er beim BBK in seiner heutigen Position einsteigen. Zugleich begann er mit dem berufsbegleitenden Masterstudium Katastrophenvorsorge und -management an der Universität Bonn.

Gerade schreibt der 31-Jährige an seiner Masterarbeit. Darin geht es um das Erleben von und den Umgang mit Belastungen bei Mitarbeitern von Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern, die nach Schadensereignissen selbst im Einsatz im Ausland waren. „Das Studium möchte ich erst einmal zu Ende bringen und gerne auch beruflich im Bereich Krisenmanagement bleiben“, erklärt Tobias Hahn.

Trotz aller schweren Momente empfindet er seine Aufgaben auch als Bereicherung. „Man kann den betroffenen Personen Leid und Trauer nicht abnehmen, aber ihnen für einen gewissen Zeitraum zur Seite stehen. Oft kommt auch, wenn etwas Zeit vergangen ist, eine Rückmeldung, dass es den Menschen wieder besser geht. Es ist dann schön zu wissen, dass auch unsere Arbeit dazu beigetragen hat.“

abi>> 14.03.2017