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Mit- und voneinander lernen

Ein Lehrer spielt mit einem Kind Fußball.
Durch den Sport können behinderte und nicht behinderte Mitschüler lernen, aufeinander Acht zu geben und voneinander zu lernen.
Foto: Kipfmüller

Gymnasiallehrer

Mit- und voneinander lernen

In seinem Studium spielte das Thema Inklusion noch keine Rolle, doch heute unterrichtet Gymnasiallehrer Jan-Eric Storck (32) auch Schüler mit Hörschädigung – insbesondere aus eigenem Antrieb heraus.

Das erste Mal kam Jan-Eric Storck über den Sport mit Inklusion in Berührung. Der begeisterte Leichtathlet trainierte eine Jugendmannschaft. „Ein Freund von mir war Trainer in einem Behindertensportverein“, erzählt er. Gemeinsam beschlossen sie, den Sportlern die Möglichkeit zu geben, in der jeweils anderen Mannschaft zu trainieren. „Einen Athleten habe ich so bis zu den Special Olympics begleitet“, der weltweit größten Sportbewegung für Menschen mit geistiger und Mehrfachbehinderung, erzählt der 32-Jährige stolz.

Ein Porträtbild von Jan-Eric Storck

Jan-Eric Storck

Foto: privat

Jan-Eric Storck studierte damals Gymnasiallehramt an der Technischen Universität Kaiserslautern in den Fächern Sport- und Politikwissenschaft sowie Geografie. „Inklusion war noch überhaupt kein Thema in meinem Studium“, erzählt er. Deshalb setzte er sich selbst damit auseinander und schrieb seine Abschlussarbeit darüber, wie Inklusion im Sportunterricht funktionieren kann.

„Inklusion geht nicht von heute auf morgen“

Seit 2014 unterrichtet Jan-Eric Storck nun an der Integrierten Gesamtschule in Mannheim-Herzogenried. Als im vergangenen Jahr interessierte Kollegen für den Arbeitskreis Inklusion gesucht wurden, meldete er sich sofort: „Wir klären die Frage, wie Inklusion in der Schule funktionieren kann: Welche Chancen und Risiken es gibt, welche Sorgen Lehrer, Schüler und Eltern haben, ob wir weiteres Personal brauchen oder baulich etwas ändern müssen.“ Nach und nach öffnet sich die Schule nun für Menschen mit Behinderung. „Inklusion geht nicht von heute auf morgen“, sagt Jan-Eric Storck: „Das ist auch für die Schule und die Lehrer ein ständiger Lernprozess.“

Seit diesem Schuljahr gibt es eine Inklusionsklasse mit vier Schülern, die unter anderem eine Hörschädigung haben. Alle beteiligten Kollegen arbeiten dabei eng zusammen, berichtet der junge Lehrer: „Zu Beginn des Schuljahres setzen wir uns mit den Schülern zusammen und besprechen grundlegende Dinge.“ Etwa, dass die Kinder mit Hörschädigung nicht in der letzten Reihe sitzen, sondern so, dass der Lehrer am besten direkt vor ihnen steht. Und wenn ein gutes Verständnis besonders wichtig ist, etwa bei einem Diktat, dann hilft ein Mikrofon weiter. Dieses hängt sich der Lehrer um, sodass seine Stimme direkt auf die Hörhilfe des Schülers übertragen wird. Mittlerweile falle es ihm kaum noch auf, dass in der Klasse auch Schüler sitzen, die etwas anders sind: „Es ist einfach völlig normal.“ Mobbing und Hänseleien habe er nie mitbekommen: „Das gemeinsame Lernen funktioniert problemlos.“

An der Schule sind drei Schulsozialarbeiter und Sozialpädagogen tätig, die unterstützen können, falls dieses gemeinsame Lernen mal nicht so reibungslos funktioniert. „Aber sie sind natürlich für alle 1.660 Schüler zuständig“, weiß Jan-Eric Storck um die Limitierung. Nur wenige der Schüler mit Seh- und Hörschädigung, die derzeit die Schule besuchen, werden zusätzlich von Sonderpädagogen betreut.

Barrierefreie Sporthallen das Ziel

Der 32-Jährige hat auf Eigeninitiative eine Fortbildung des Regierungspräsidiums Karlsruhe am Landesinstitut für Schulsport in Ludwigsburg besucht. „Es ging vor allem darum, wie man Eltern und Kollegen die Vorbehalte nehmen kann. Denn nur, wenn alle Seiten an einem Strang ziehen, kann Inklusion auch gelingen“, betont er.

Jan-Eric Storck freut sich darauf, die Inklusion an der Schule weiter zu begleiten. Sein größter Wunsch dabei ist es, „dass bald auch unsere Sporthallen gänzlich barrierefrei zugänglich sind“ – damit die integrative Kraft des Sports, von der er überzeugt ist, auch richtig wirken kann. „Die Schüler können so viel voneinander lernen“, sagt er. Genauso wie die Lehrer: „Man muss die Schüler nehmen wie sie sind, unvoreingenommen auf sie zugehen und versuchen, sich in sie hineinzuversetzen“, gibt Jan-Eric Storck angehenden Lehrern mit auf den Weg.

abi>> 05.07.2017