Fingerspitzengefühl für Mensch und Technik

Detail: Anästhesietechnischer Assistent überprüft den Kontrollmonitor für Vitalfunktionen
Anästhesietechnische Assistenten überwachen die lebenswichtigen Funktionen der narkotisierten Patienten.
Foto: Axel Jusseit

Anästhesietechnische Assistenten

Fingerspitzengefühl für Mensch und Technik

Wer sich sowohl für Menschen als auch Medizintechnik interessiert, für den ist die Ausbildung zum Anästhesietechnischen Assistenten eine Option. Daneben sind stetiges Lernen neuer medizinischer Erkenntnisse, Teamgeist und gute Wahrnehmungsfähigkeiten notwendig.

Fingerspitzengefühl für Menschen mit Angst vor der Operation ist bei Anästhesietechnischen Assistenten genauso gefragt wie Interesse an technischen Geräten. Zudem müssen sie sich ständig mit neuesten medizinischen Studien, Medikamenten, Geräten und Narkoseverfahren vertraut machen. Das Überwachen lebenswichtiger Funktionen bei narkotisierten Patienten setzt Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein voraus. Da es während einer OP zu Komplikationen kommen kann, ist auch eine gewisse psychische Belastbarkeit wichtig.

Die Ausbildung wird durch die Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) geregelt. Derzeit bilden knapp 20 Schulen nach deren Richtlinien aus. Um von Anfang an praktische Erfahrung zu sammeln, gehen Auszubildende frühzeitig an die späteren Einsatzorte. Denn die Ausbildung soll auch praktisch bestmöglich auf die Arbeit rund um die Narkose vorbereiten. Nach den Richtlinien der Deutschen Krankenhausgesellschaft erhalten die Auszubildenden eine angemessene Ausbildungsvergütung. Schulgebühren fallen für die Auszubildenden nicht an.

Anspruchsvoller Beruf

Ein Porträt-Foto von Christiane Spichale

Christiane Spichale

Foto: Privat

„Das ist ein anspruchsvoller Beruf, manche Bewerber unterschätzen das“, sagt Christiane Spichale, Vorsitzende des Deutschen Bundesverbands der Schulen für Anästhesietechnische Assistentinnen und Assistenten (DBVSA e.V.). Der Beruf des Anästhesietechnischen Assistenten ist relativ neu im deutschen Gesundheitswesen. Bisher war eine fachspezifische Tätigkeit in der Anästhesie nur über eine Pflegeausbildung und eine anschließende Weiterbildung möglich.

Ein großer Teil der dreijährigen Ausbildung wird durch Fachärzte für Anästhesiologie übernommen. Inhalte sind unter anderem Medikamentenkunde, Anatomie, Hygiene und Physiologie. Teilweise gibt es Überschneidungen mit der Ausbildung zum Operationstechnischen Assistenten. In einigen Fächern wie Anatomie und Krankheitslehre werden sie daher zusammen unterrichtet.

Eigenständig und verantwortungsbewusst

Die Einsatzbereiche von Anästhesietechnischen Assistenten sind vielfältig. Neben der Anästhesie werden sie auch im Aufwachraum, der zentralen Notaufnahme und in chirurgischen Ambulanzen oder der Zentralsterilisation gebraucht. Weitere Arbeitsorte können Endoskopien (Magen- oder Darmspiegelung), das Herzkatheterlabor, die Schmerzambulanz, die Prämedikationsambulanz (Narkoseaufklärung) und Facharztpraxen sein. Kritisch sieht der DBVSA e.V. den Einsatz im Intensivbereich, da hierfür viele Teile der Krankenpflegeausbildung fehlten.

Weiterbilden können sich Anästhesietechnische Assistenten zu Geräte-, Hygiene- und Qualitätsmanagement-Beauftragten. Ziele können auch Leitungspositionen im Anästhesiebereich oder im OP-Management sein. „Ausgebildete Anästhesietechnische Assistenten werden in jedem Fall dringend gesucht“, sagt Christiane Spichale. Sie freut sich darüber, dass sich immer mehr junge Leute für diese Ausbildung interessieren. Insbesondere für Menschen, die weniger ans Krankenbett, aber nah am ärztlichen Bereich verantwortungsbewusst eigenständige Tätigkeiten übernehmen wollen, sei dieser Beruf geeignet.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Beschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Anästhesietechnische/r Assistent/in)
https://berufenet.arbeitsagentur.de

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 300 Filmen über Ausbildungs- und Studienberufe. (Suchwort: Anästhesietechnische/r Assistent/in)
www.berufe.tv

KURSNET

Das Portal für die berufliche Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit (Suchwort: Anästhesietechnische/r Assistent/in)
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

ATA

Infoportal des Deutschen Bundesverbands der Schulen für Anästhesietechnische Assistenten (DBVSA) e.V.
www.ata-info.de/

Deutsche Krankenhaus Gesellschaft

www.dkgev.de

 

Anästhesietechnische Assistentin

Medizin und Menschlichkeit

In ihrer Ausbildung muss sich Anna Jasmina Aouam immer wieder auf neue Menschen einstellen und dabei viel Feingefühl und Einfühlungsvermögen beweisen. Als angehende Anästhesietechnische Assistentin begleitet die 22-Jährige Patienten vor, während und nach einer Operation.

Dass sie einen medizinischen Beruf ergreifen möchte, stand für Anna Jasmina Aouam bereits vor dem Abitur fest. Nach einem Praktikum wusste sie dann auch, dass sie nicht als Gesundheits- und Krankenpflegerin auf einer Station, sondern lieber im OP arbeiten will. Mit ihrer dreijährigen Ausbildung zur Anästhesietechnischen Assistentin wird sie sich genau dafür qualifizieren.

Die angehende Anästhesietechnische Assistentin befindet sich mittlerweile im zweiten Ausbildungsjahr. Am Asklepios Bildungszentrum in Wiesbaden wird sie nach den Richtlinien der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) ausgebildet. Den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolviert sie in einem Krankenhaus in Darmstadt. Um die Anästhesie in allen Fachbereichen kennenlernen zu können und einen intensiven Einblick in den Krankenhausalltag zu erhalten, durchläuft sie verschiedene Stationen. So hat sie beispielsweise schon in der Gynäkologie oder in verschiedenen chirurgischen Abteilungen gearbeitet.

Vor jeder Operation muss die 22-jährige Auszubildende die Geräte überprüfen, kontrollieren, ob die notwendigen Medikamente bereit liegen, und die Patienten richtig lagern. „Die optimale Positionierung auf dem OP-Tisch spielt eine entscheidende Rolle. Wird beispielsweise ein Patient auf der linken Seite operiert, muss ich darauf achten, den rechten Arm zur Einleitung der Narkose vorzubereiten“, erklärt die junge Frau. Anschließend assistiert sie dem Anästhesisten beim Narkotisieren des Patienten und reicht ihm während der Operation Medikamente und Utensilien.

Reibungsloser Ablauf im OP-Saal

Ein Porträt-Foto von Anna Jasmina Aouam

Anna Jasmina Aouam

Foto: Privat

Anna Jasmina Aouam gefällt auch der theoretische Teil ihrer Ausbildung. Am Asklepios Bildungszentrum erhält sie blockweise jeweils etwa zwei bis drei Wochen lang Unterricht. Nur am Anfang und noch einmal am Ende der Ausbildung findet die Berufsschule sechs Wochen am Stück statt. Auf dem Stundenplan stehen Biologie und Chemie, außerdem lernt sie viel über Anästhesie und Krankenpflege. Hilfreich findet sie auch den Austausch mit den anderen Auszubildenden aus umliegenden Kliniken.

Damit eine Operation reibungslos verläuft, muss sich das Team, das in der Regel aus Chirurgen, Operationstechnischen Assistenten, Fachkrankenschwestern- und pflegern besteht, einig sein und den Anweisungen des verantwortlichen Arztes strikt folgen. Kommunikationsfähigkeit spielt daher eine entscheidende Rolle – ebenso wie Einfühlungsvermögen: „Auf den Patienten vor der OP einzugehen ist deshalb so wichtig, weil Studien beweisen, dass eine OP bei einem beruhigten Patienten besser verläuft und er somit weniger Medikamente benötigt“, erklärt Anna Jasmina Aouam. Während ihrer Ausbildung musste die junge Frau auch schon mit schwierigen Situationen zurechtkommen. Ihre Praxisanleiterin hat ihr dabei geholfen, den ersten Sterbefall zu verarbeiten. Sie begleitet die 22-Jährige durch die dreijährige Ausbildung am Krankenhaus.

Kaiserschnittgeburten miterleben

„Total schön“ findet Anna Jasmina Aouam es, wenn sie bei Kaiserschnitten Geburten miterleben darf. In der Gynäkologie hat es ihr daher besonders gut gefallen. Schon zu Beginn der Ausbildung hat sie einen festen Plan mit ihren Stationen und den jeweiligen Stundenzahlen bekommen. Unter anderem wird sie noch in Gefäßchirurgie und in der Traumatologie Erfahrungen sammeln.

Anna Jasmina Aouam findet ihre Ausbildung durchaus anspruchsvoll, deshalb möchte sie diese erst einmal gut abschließen. Am Ende ihrer Ausbildung wird sie nach den Richtlinien der deutschen Krankenhausgesellschaft eine Prüfung ablegen, die aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil besteht. Ob sie sich danach in Richtung Medizin oder lieber Medizinpädagogik fortbilden wird, weiß sie noch nicht genau. Aber dass sie sich weiterbilden möchte, steht für sie fest. Denn für sie gibt es nichts Schöneres, als Menschen helfen zu können.

Hier geht's zum typischen Tagesablauf

 

Anästhesietechnischer Assistent

Auf alle Situationen vorbereitet

Er reicht Instrumente für den Beatmungsschlauch, überwacht Atmung und Kreislauf der Patienten und dokumentiert den Verlauf der Narkose – als rechte Hand der Narkoseärzte begleitet der Anästhesietechnische Assistent Florian Espenhahn (25) Operationen am Universitätsklinikum in Halle an der Saale.

„Man muss absolut teamfähig und genau sein“, sagt Florian Espenhahn. Denn im Operationssaal kümmert sich ein Team aus Chirurgen, Operationstechnischen Assistenten, Fachkrankenschwestern und -pflegern gemeinsam um die Patienten. Vor jeder Operation schaut sich der 25-Jährige den geplanten Ablauf an, legt die für die anstehende Narkose notwendigen Geräte und Materialien bereit und überprüft sie.

Mit den Kollegen holt er den betreffenden Patienten aus dem Vorbereitungsraum und fährt ihn in den Einleitungsraum der Narkoseabteilung. Dort legt er dem Patienten den Zugang zur Vene. Zentralvenöse Zugänge legt ausschließlich der Anästhesist also der Facharzt für Anästhesiologie, dafür reicht ihm Florian Espenhahn die Materialien steril an. Ebenso medizinische Geräte, mit denen der Arzt die Atmung des Patienten sicherstellt. „Bei alldem muss ich mich immer mit dem Anästhesisten abstimmen“, betont er.

Über zehn Stunden im OP

Ein Porträt-Foto von Florian Espenhahn

Florian Espenhahn

Foto: Privat

Von der ambulanten Augen-OP bis hin zum Eingriff an Herz und Lunge – an manchen Tagen wirkt der Anästhesietechnische Assistent an acht Operationen mit. Eine ambulante Augen-OP kann dabei nur 20 Minuten dauern, eine Operationen an Herz oder Lunge etwa vier bis fünf Stunden. Seine längste Operation war eine Herzoperation mit über zehn Stunden.

Während der OP hält Florian Espenhahn gemeinsam mit den Anästhesisten die Narkose aufrecht und reicht ihnen nach Anweisung die entsprechenden Medikamente. Er kümmert sich auch um das Notfallmanagement und bereitet nebenbei die nächste Narkose vor. Außerdem dokumentiert er, wie der Kreislauf sichergestellt wird. Nach erfolgter Operation fährt Florian Espenhahn den Patienten zusammen mit Anästhesist und Chirurg in den Aufwachraum und übergibt ihn an das dortige Personal. Er säubert die verwendeten Instrumente, räumt auf und kontrolliert alles für die nächste Narkose.

Als Anästhesietechnischer Assistent arbeitet Florian Espenhahn im Mehrschichtsystem. „Das ist kein normaler Drei-Schicht-Betrieb wie auf Station, sondern es gibt Früh- und Spätschichten, Rufbereitschaften oder 24-stündige Wochenenddienste“, erklärt er.

In Notfällen richtig reagieren

„Die Arbeit im Bereich des Zentral-OP an der Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin ist sehr abwechslungsreich. Ich kann immer wieder neueste technische Geräte und Narkoseverfahren anwenden“, sagt Florian Espenhan. Daneben muss er die Medikamente kennen und wissen, wie sie dosiert werden müssen und wie sie wirken. Er muss in Notfällen richtig reagieren und mit allen Situationen der Narkose auch alleine klarkommen können. Dabei helfen ihm gutes Selbstvertrauen und Respekt vor den Menschen.

Schon seine dreijährige Ausbildung zum Anästhesietechnischen Assistenten absolvierte Florian Espenhahn am Uniklinikum in Halle. Nach seinem Abschluss im Jahr 2013 wurde er übernommen. Auf den Beruf wurde er während seines Zivildienstes an einem anderen Krankenhaus aufmerksam.

Für die Zukunft plant Florian Espenhahn entweder eine interne Weiterbildung am Uniklinikum oder aber ein duales Studium im Bereich Pflegemanagement, um noch mehr über organisatorische Abläufe zu lernen und eventuell einmal ein Team leiten zu können.

 

Anästhesietechnische Assistentin

Typischer Tagesablauf

Wie ein typischer Arbeitstag von Anna Jasmina Aouam während ihrer Ausbildung zur Anästhesietechnischen Assistentin aussieht, zeigt der folgende Tagesablauf.

7.30 Uhr

Im Krankenhaus angekommen, zieht sich Anna Jasmina Aouam um, desinfiziert sich die Hände und informiert sich über die erste anstehende Operation. Im Operationssaal kontrolliert sie Beatmungsgerät und Medikamente. Im Einleitungsraum bereitet sie die Narkosestelle am Patienten vor und assistiert dem Facharzt für Anästhesiologie beim Narkotisieren.

8 Uhr

Den schlafenden Patienten fährt die 22-Jährige mit dem Anästhesisten in den OP-Saal. Während der OP reicht sie ihm Medikamente oder Utensilien.

10 Uhr

Die Operation ist vorbei. Wird der Patient extubiert (der Beatmungsschlauch aus dem Hals genommen), muss die angehende Anästhesietechnische Assistentin dem Anästhesisten wieder assistieren. Gemeinsam bringen sie den Patienten in den Aufwachraum.

10.10 Uhr

Im Aufwachraum übergeben sie den Patienten an das dortige Personal. Treten Komplikationen auf, bleibt Anna Jasmina Aouam beim Patienten und kümmert sich um ihn. Im Einleitungsraum wartet der nächste Patient.

12 Uhr

Mittagspause

12.30 Uhr

Wieder pendelt die Auszubildende zwischen Einleitungsraum, OP-Saal und Aufwachraum. Während des Tages füllt sie zum Beispiel Utensilien für die Einleitung auf, damit für den nächsten Tag oder für Notfälle in der Nacht alles für die Anästhesie vorhanden ist.

15.42 Uhr

Anna Jasmina Aouam übergibt den Patienten an die nächste Schicht, zieht sich um und macht Feierabend.

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Stand: 18.01.2018