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„Franzosen ticken anders“

Avenue des Champs-Élysées am Tag mit dem Triumphbogen im Hintergrund
Wer am Champs-Élysées wohnt, ist immer am Puls der Zeit, muss dafür aber mit hohen Mieten rechnen.
Foto: Annika Voßen

Arbeiten in Frankreich

„Franzosen ticken anders“

Tatjana Pape (37) lebte und arbeitete drei Jahre lang in Paris. Von Kollegen und Chefs wurde sie herzlich aufgenommen – auch dank ihrer guten Sprachkenntnisse.

Plötzlich ging alles ganz schnell. Als ihr Mann das Angebot bekam, für seinen deutschen Arbeitgeber für drei Jahre nach Paris zu gehen, musste Tatjana Pape nicht lange überlegen: Zu groß war neben der beruflichen Herausforderung die Verlockung, einige Zeit in der französischen Hauptstadt leben zu können. Und so hieß es für die Kölner bereits wenige Wochen später „Tausche Rhein gegen Seine“. Ihre Stelle bei einer PR-Agentur gab die studierte Kommunikationswissenschaftlerin für diese Chance auf.

Wohnen an der Champs-Élysées

Ein Porträtfoto von Tatjana Pape

Tatjana Pape

Foto: privat

Zunächst hieß es, eine Wohnung zu finden – in einer Stadt wie Paris keine einfache Angelegenheit, zumal man mit sehr hohen Mieten rechnen muss. (Mehr über die Miet- und Lebenshaltungskosten in Frankreich erfährst du im Beitrag „Arbeiten wie Gott in Frankreich“.) „Wir haben uns entschieden, mit Hilfe einer Agentur und mit finanzieller Unterstützung des Arbeitgebers meines Mannes nach einem Apartment zu suchen“, sagt die 37-Jährige. Innerhalb eines Tages besichtigen die Papes zehn Wohnungen. Am Ende entschieden sie sich für eine Unterkunft mitten im Zentrum, unweit des Champs-Élysées. „Wer ein bisschen günstiger wohnen möchte, sollte sich nach einer Wohnung in einem der gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebundenen Pariser Vororte umsehen“, rät Tatjana Pape.

Generell müsse man wissen, dass das Leben in Frankreich – speziell in Paris – teuer sei. „Deutsche Freunde, die uns besuchten, staunten beispielsweise immer wieder über die hohen Restaurant-Preise. Für Franzosen wiederum ist es selbstverständlich, sich in der Mittagspause ein mehrgängiges Menü zu gönnen. Sie lassen es sich gerne gut gehen – das berühmte Savoir-vivre eben“, sagt Tatjana Pape.

Kollegen aus aller Welt

An die Jobsuche vor Ort hat die Kommunikationswissenschaftlerin gute Erinnerungen: Ihre ehemalige deutsche PR-Agentur hatte ihr eine Liste mit potenziellen Arbeitgebern zusammengestellt und Tipps gegeben, wo sie sich vorstellen könnte. Am Ende erhielt sie eine Stelle in der Kommunikationsabteilung des Versicherungskonzerns, in dem auch ihr Mann arbeitet – ein Glückstreffer. „Ich kam in ein internationales Umfeld mit Kollegen aus aller Welt und einer Chefin, die einige Jahre in Berlin studiert hatte.“ Dass man von ihr dennoch fließendes Französisch verlangte, überraschte Tatjana Pape nicht: „Ich hatte von dieser Vorliebe französischer Arbeitgeber schon gehört und mich vorsorglich mit einem Sprachkurs auf diese Herausforderung vorbereitet.“

Arbeitende Mütter sind selbstverständlich

Als sie nach drei Jahren in Paris nach Köln zurückkehrte, hatte Tatjana Pape viele neue Erfahrungen sammeln können und auch einige Unterschiede zwischen beiden Nationalitäten kennengelernt: „In mancherlei Hinsicht ticken Franzosen und Deutsche wirklich sehr unterschiedlich“, sagt sie schmunzelnd. „So wurden Aufgaben grundsätzlich auf den letzten Drücker erledigt, Hektik und lange, stressige Arbeitstage vor wichtigen Terminen gehörten im Pariser Büro einfach dazu – gerade für eine gut organisierte und pünktliche Deutsche ist das gewöhnungsbedürftig, auch wenn das Ergebnis am Ende sehr gut war.“

Am meisten beeindruckte sie aber eine ganz andere Sache: der selbstverständliche Umgang der Franzosen mit dem Thema Kind und Karriere. „Fast alle meine weiblichen Vorgesetzten hatten vier Kinder und konnten dank staatlicher Unterstützung in Form von ausreichend Kita-Plätzen und Steuervorteilen nach den Geburten schnell und unproblematisch in den Job zurückkehren.“ Diese Leichtigkeit wünscht sich Tatjana Pape, die mittlerweile selbst Mutter ist, auch in Deutschland.

Zur französischen Übersetzung>>

abi>> 10.02.2017