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Sozialwesen im Aufwind

Sozialarbeiter im Gespräch.
Auf die Ängste und Probleme anderer Menschen eingehen: Soziapädagogen arbeiten im täglichen Kontakt mit ihren Patienten.
Foto: Katharina Kemme

Sozialarbeiter/Sozialpädagogen – Hintergrund

Sozialwesen im Aufwind

Vor allem der Ausbau der Kinder- und Jugendbetreuung hat im Sozialwesen den Bedarf an Fachkräften angekurbelt. Sozialpädagogen und Sozialarbeiter gehören mittlerweile zu den gefragtesten Akademikern.

Refugio ist ein Beratungs- und Behandlungszentrum für traumatisierte Flüchtlinge und Folteropfer. Die über 45 festangestellten Mitarbeiter der Münchner Einrichtung kümmern sich jährlich um über 2.000 Menschen. Dort arbeitet auch Jonathan Ebert. Als Asylsozialberater spricht der 30-Jährige jeden Tag mit den Geflüchteten über ihre aktuelle Lage, ihre Rechte, über die Wohnungs- und Arbeitssituation sowie ihr Asylverfahren.

Dabei ist er ständig im Austausch mit den Therapeuten von Refugio, aber auch mit Rechtsanwälten und Behörden. Auch auf politischer Ebene ist er aktiv: Er engagiert sich in Gremien und arbeitet an der Vernetzung mit anderen Institutionen der Flüchtlingshilfe. Obwohl es nicht einfach ist, tagtäglich mit Geschichten über Gewalt konfrontiert zu werden, arbeitet Jonathan Ebert in seinem Traumjob: „Ich erlebe, dass unsere Arbeit den Menschen tatsächlich helfen kann. Und das ist sehr erfüllend.“

Um diese Arbeit leisten zu können, brauche es sicherlich „ein grundsätzliches Vertrauen in das Gute der Welt“, das er unter anderem in seinem christlichen Glauben findet. Seine Professionalität aber verdankt er dem Studium Soziale Arbeit: „Ich habe gelernt, mich selbst zu reflektieren. Nur so kann man eine gesunde Balance aus Distanz und Nähe halten.“ Dass ihm dieses Gleichgewicht auch tatsächlich gelingt, liegt an den Strukturen von Refugio: „Es wird sehr darauf geachtet, wie es den Mitarbeitern geht. Wir sind eng in ein sehr gutes Team eingebettet und tauschen uns viel aus.“

Bereits im Studium beschloss Jonathan Ebert, sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren, und verbrachte ein Jahr im Senegal. Bevor er zu Refugio kam, betreute er in einem Jugendwohnheim unbegleitete Minderjährige: „Meine Arbeit berührt sehr viele Themen – interkulturelle und soziologische, therapeutische und gesundheitliche.“

Guter Arbeitsmarkt

Ein Porträt-Foto von Jonathan Ebert

Jonathan Ebert

Foto: privat

Jonathan Ebert hat eine unbefristete Vollzeitstelle, was im Sozialwesen nicht selbstverständlich ist. „Viele Stellen werden im Rahmen von Projekten öffentlich gefördert, daher gibt es einen hohen Anteil befristeter Stellen“, sagt Susanne Lindner von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Auffallend hoch ist zudem die Teilzeitquote.“ (siehe Interview „Das richtige Studium!“) Dennoch: „Insgesamt hat sich der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt“, so die Arbeitsmarkt-Expertin. Die Nachfrage nach Fachkräften ist stark gestiegen. Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit deutlich gesunken und befand sich 2016 auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren.

Neben der immer älter werdenden Bevölkerung, die mehr soziale Betreuung und Beratung erfordert, sorgen Projekte wie der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, der Schulsozialarbeit und der Ganztagsschulen für einen steigenden Fachkräftebedarf. Ab der zweiten Jahreshälfte 2015 kam zudem die Fluchtmigration hinzu, die einen rasanten Bedarf an Beratern, Betreuern und Begleitern auslöste.

Mehr Akademiker

Immer mehr Erwerbstätige im Sozialwesen bringen einen akademischen Abschluss mit: Verfügten 2006 etwa 203.000 Angestellte über einen Hochschulabschluss, kletterte diese Zahl bis zum Jahr 2016 auf rund 326.000. Dabei richten sich viele Stellenangebote an Bachelorabsolventen. „Ein weiterführendes Studium ist zum Beispiel dann interessant, wenn jemand eine forschende oder konzeptionelle Tätigkeit anstrebt“, erklärt Susanne Lindner.

Bedeutende Arbeitgeber sind der öffentliche Dienst, Wohlfahrtsverbände, konfessionsgebundene Arbeitgeber, aber auch Krankenhäuser und Kliniken. Jeder Vierte im Sozialwesen arbeitet in einer Heimeinrichtung, zum Beispiel für Kinder, Jugendliche, Menschen mit Behinderung oder Senioren. Ein weiteres Sechstel ist im öffentlichen Dienst angestellt. Hierzu zählen Sozialämter, Jugendämter oder die Sozialversicherungsträger. Jeder zehnte Sozialpädagoge übt eine Tätigkeit im Bildungswesen aus, beispielsweise als Schulsozialarbeiter in einer Ganztagesschule oder auch bei einem Bildungsbetrieb, der Angebote für benachteiligte Jugendliche oder Behinderte anbietet.

Absolventen und Studienanfänger

Die Zahl der Studierenden vor allem im Studienfach Soziale Arbeit nimmt seit 2005 kontinuierlich zu. Insgesamt waren im Wintersemester 2015/16 über 70.000 junge Menschen für ein Studium der Sozialen Arbeit (43.200), der Sozialpädagogik (7.670) oder des allgemeinen Sozialwesens (23.130) eingeschrieben. Das waren fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig steigen auch die Absolventenzahlen. Der Anteil der Bachelorabschlüsse lag im Sozialwesen bei 86 Prozent, so hoch wie in kaum einem anderen Studienbereich: „Im Sozialwesen gibt es anders als in manchen anderen Branchen viele Stellenangebote, die sich explizit an Bachelorabsolventen richten“, erklärt Susanne Lindner.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwörter: Sozialarbeiter, Sozialpädagoge).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen (Suchwort: Soziale Arbeit, Sozialpädagogik).
www.kursnet.arbeitsagentur.de

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

abi>> Infomappen

Willst du wissen, welche Studienberufe es in diesem Bereich gibt? Dann schau mal in die abi>> Infomappe 13.2 Sozialwesen und Religion in deinem Berufsinformationszentrum (BiZ). Den Online-Katalog zur Auswahl interessanter Mappen gibt es unter
www.biz-medien.de/abi

Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e. V. (DBSH)

Der DBSH bietet auch Informationen zu Studium und Fortbildung.
www.dbsh.de

Wissenschaftsladen Bonn e.V.

Unterhält einen Infodienst für Berufe in Bildung, Kultur und Sozialwesen. Jede Woche wird das aktuelle Stellenangebot ausgewertet.
www.wila-arbeitsmarkt.de/abo/abo-biku-beschreibung.html

Informationen rund um die Arbeit der Jugendämter

www.unterstuetzung-die-ankommt.de

abi>> 19.06.2017