Einfach mal weg

Paris, Eiffelturm, Pont Alexandre III
Auf nach Frankreich! Tobias Gerharz bekam von seinem Arbeitgeber die Möglichkeit an einem zweiwöchigen Auslandsaustausch teilzunehmen.
Foto: Manuela Meier

In der Ausbildung ins Ausland

Einfach mal weg

Während der Ausbildung für ein paar Wochen ins Ausland gehen: Das machen immer mehr Azubis. Immerhin hat das so manche Vorteile – es bringt einen selbst voran und kommt auch bei Arbeitgebern gut an.

Als ihm sein Ausbildungsleiter bei der Deutschen Bahn einen Auslandsaufenthalt anbot, sagte Tobias Gerharz sofort zu. Bei dem Unternehmen beendet der 20-Jährige gerade seine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik in Mainz. Zusammen mit 19 anderen Azubis nahm er vergangenen Juli am zweiwöchigen Austausch teil: Es ging zur französischen Eisenbahngesellschaft SNCF nach Paris und zu deren Ausbildungszentrum in Le Mans.

„Zuerst hatte ich Bedenken, dass mein Schulfranzösisch nicht reichen würde“, sagt Tobias Gerharz. „Doch das hat sich sehr schnell verbessert und selbst Fachbegriffe konnte ich nach kurzer Zeit sicher verwenden.“ Außerdem bekam er einen Einblick in eine andere Kultur, lernte Kollegen im Ausland kennen und erfuhr, wie deren Ausbildung abläuft. „Da Bahn-Azubis aus ganz Deutschland dabei waren, hat das den Teamgeist gestärkt“, ergänzt er.
Lehrreich war auch die Erfahrung, in fremder Umgebung alleine klar zu kommen. „Trotz der Betreuung waren wir immer wieder auf uns allein gestellt und mussten uns in neuen Situationen zurechtfinden“, erzählt der Auszubildende. „Das hat bestens geklappt und mich noch selbstständiger gemacht.“

Zahl hat sich verdoppelt

Einen ähnlichen Weg wie Tobias Gerharz gehen immer mehr Auszubildende. „Von denjenigen, die im vergangenen Jahr ihre Ausbildung abgeschlossen haben, waren rund 31.000 im Ausland“, sagt Stefan Metzdorf, Leiter der Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung (IBS) bei der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung. Das entspreche 5,3 Prozent des Jahrgangs.

„Das klingt noch nach nicht viel, immerhin hat der Deutsche Bundestag 2013 die Zielmarke beschlossen, dass es bis 2020 mindestens zehn Prozent der Azubis sein sollen.“ Doch die Zahlen seien eine positive Entwicklung: „In den vergangenen acht Jahren hat sich die Quote der international mobilen Azubis mehr als verdoppelt.“ Interessanterweise sank dabei aber der Anteil der jungen Leute mit Studienberechtigung: Machten sie 2011 noch 62 Prozent der Azubis mit Auslandserfahrung aus, hatten 2017 nur noch 38 Prozent die Hochschulreife.

Viele Möglichkeiten und Programme

Die Möglichkeiten, ins Ausland zu gehen, sind dabei vielfältig. „Das Erasmus+-Programm ist die wichtigste Säule“, meint der Experte. Ein Großteil der Auszubildenden nutzt diese Unterstützung, die für alle EU-Länder sowie für Island, Liechtenstein, Norwegen, die Türkei und die Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien gilt.

Wer hingegen weiter weg möchte, kann sich das Pilot-Programm „AusbildungWeltweit“ anschauen, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wird. „Dort werden weltweit Aufenthalte in Ländern gefördert, die nicht bei Erasmus+ sind.“ Besonders beliebt sei derzeit etwa China, gefolgt von Nordamerika.

Hinzu kommen private Stiftungen und Austauschprogramme, die ebenfalls Auslandsaufenthalte im Rahmen einer Ausbildung ermöglichen. Allerdings können sie spezifischer ausgerichtet sein, zum Beispiel auf ein bestimmtes Bundesland oder auf bestimmte Berufe beschränkt sein. Einen guten Überblick bietet die Internetseite www.go-ibs.de der Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung (IBS).

Unterstützung in der Schule und im Betrieb suchen

Für die Vorbereitung und Organisation eines Auslandsaufenthaltes sollte man genügend Zeit einplanen. „Für Ziele in Europa gut sechs Monate Vorlauf und für Ziele in Übersee rund ein Jahr, um alle Formalitäten wie Visa und die Abstimmung mit Betrieb und Berufsschule regeln zu können“, empfiehlt Stefan Metzdorf.

Unterstützung bekommt man dabei an verschiedenen Stellen. So gibt es in einigen Industrie- und Handelskammern (IHK) Ansprechpartner, die sich im Beraternetzwerk „Berufsbildung ohne Grenzen“ zusammengeschlossen haben und Azubis individuell beraten. Oft helfen auch Berufsschulen: Viele haben Austauschprogramme oder Kontakte ins Ausland. Das gilt übrigens ebenfalls für Berufsfachschüler, die sich in einer vollzeitschulischen Ausbildung befinden.

Gute Anlaufstellen sind darüber hinaus die Ausbildungsunternehmen und -betriebe. Nicht selten haben sie Beziehungen zu einem Partnerunternehmen oder eine Niederlassung im Ausland. Außerdem kann man sich an die Kollegen von Stefan Metzdorf bei der IBS wenden: Sie beraten Interessierte telefonisch oder per E-Mail, welche Programme für sie infrage kommen, was sie bei der Bewerbung und Planung berücksichtigen müssen und wie sie vorgehen sollten.

Blick über den Tellerrand wichtig

Wer bereits vor Beginn der Ausbildung weiß, dass er ins Ausland möchte, kann sogar noch früher die Weichen dafür stellen. Robert Rauchstein, Berater bei der Agentur für Arbeit im nordrhein-westfälischen Coesfeld, rät: „Interessierte können sich gezielt bei Unternehmen bewerben, die einen solchen Aufenthalt fest in ihrer Ausbildung verankert haben.“ Das könnten solche sein, die international aufgestellt sind oder Zweigstellen im Ausland haben. Außerdem gebe es Ausbildungen, bei denen ein Auslandsaufenthalt dazugehöre. Sogar deutsche Ausbildungen, die komplett im Ausland angeboten werden, gibt es – beispielweise in Hongkong oder Spanien, wo man Berufe wie Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel lernen kann.

„Grundsätzlich kann man bei jeder Ausbildung einen Teil im Ausland absolvieren“, erläutert der Berater. Das ist auch im Berufsbildungsgesetz verankert: Demnach muss der Aufenthalt aber dem Ausbildungsziel dienen und soll ein Viertel der Ausbildungsdauer nicht überschreiten. „Das muss man jedoch mit seinem Ausbildungsbetrieb, der Schule und der IHK absprechen – einen rechtlichen Anspruch auf einen Auslandsaufenthalt hat man nicht.“ Robert Rauchsteins Erfahrung nach unterstützen allerdings viele Unternehmen solche Pläne und helfen bei der Organisation.

„Die Märkte werden internationaler, da ist der Blick über den Tellerrand für jeden wichtig“, fasst der Berater zusammen. Für den Auslandsaufenthalt müsse man nicht unbedingt weit reisen, auch wenn dieser theoretisch weltweit möglich ist. Oft sei die Organisation allerdings wegen Visa und anderer Formalitäten aufwendiger und mit höheren Kosten verbunden. „In Europa ist es als EU-Bürger dagegen einfach, in einem anderen Land zu arbeiten.“ Der Experte ist sich jedenfalls sicher: „Die erworbene interkulturelle Kompetenz und die sich in der Praxis bewährenden Sprachkenntnisse können später als Turbo in der Karriere wirken.“

Keine Hemmungen haben!

Auch Stefan Metzdorf ermutigt Azubis zu diesem Schritt. „Viele haben Hemmungen und denken, dass sie sehr gute Noten brauchen, dass das viel Geld kostet oder dass ihre Sprachkenntnisse nicht ausreichen.“ Das stimme aber nicht. Programme wie Erasmus+ seien keine Bestenförderung, sondern haben zum Ziel, möglichst vielen einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen – die Zugangsvoraussetzungen seien eher niedrigschwellig und die Kosten würden meist gut gedeckt.

„Gut ausgestaltete Lernaufenthalte im Ausland bewirken einen Sprung in der Persönlichkeitsentwicklung. Die Erfahrung, verschiedene Arbeitssituationen im Ausland bewältigt zu haben, kann sehr stolz machen.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung

www.na-bibb.de

ZAV Auslandsvermittlung

www.zav-auslandsvermittlung.de

Erasmus+

www.machmehrausdeinerausbildung.de
www.erasmusplus.de

Mobilitätscoachs bei Berufsbildung ohne Grenzen

www.mobilitaetscoach.de

Wege ins Ausland

www.go-ibs.de

Europass

www.europass-info.de

Ausbildung international

www.ausbildunginternational.de

xChange

www.xchange-info.net

 

Übersicht

Mit diesen Programmen geht es ins Ausland

Wer während der Ausbildung oder als junge Fachkraft ins Ausland gehen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. abi» hat eine Auswahl an Programmen zusammengestellt.

Erasmus+

Erasmus+ ist ein Programm der Europäischen Union, das Auslandsaufenthalte für Auszubildende aller Berufe fördert. Darin enthalten ist das Leonardo-da-Vinci-Programm der Europäischen Union für die berufliche Bildung. Etwa die Hälfte aller auslandsmobilen Azubis des Abschlussjahrgangs 2017 nutzte im Jahr 2017 Erasmus+. Gefördert werden Aufenthalte in allen EU-Ländern sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen, der Türkei und der Ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien. Die Top 5 Zielländer sind momentan Großbritannien, die Niederlande, Frankreich, Spanien und Irland.

Erasmus+ richtet sich unter anderem an junge Leute in der Ausbildung und kann auch von Fachkräften innerhalb des ersten Jahres nach Abschluss ihrer Ausbildung genutzt werden. Eine Person kann mehrere Auslandsaufenthalte absolvieren. Ein Aufenthalt kann mehrere Monate dauern; während der Ausbildung gehen die meisten nur für einige Wochen ins Ausland.

www.erasmusplus.de

www.machmehrausdeinerausbildung.de

AusbildungWeltweit

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Pilot-Programm unterstützt Azubis, die sich außerhalb Europas qualifizieren möchten. Gefördert werden Aufenthalte im Zeitraum von drei Wochen bis drei Monate. Anträge stellen können Ausbildungsunternehmen und andere nichtschulische Einrichtungen der Berufsbildung.

www.ausbildung-weltweit.de

Länderspezifische Kooperationen

Weitere Austauschprogramme ermöglichen den Aufenthalt in bestimmten Ländern, zum Beispiel fördert das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) die deutsch-französische Zusammenarbeit zwischen jungen Menschen in Deutschland und Frankreich. Es werden Jobs und Praktika angeboten sowie Informationen für berufsbildende und landwirtschaftliche Schulen. Das Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) bringt junge Menschen aus Deutschland und Polen zusammen.

www.dfjw.org

www.dpjw.org

Go.for.europe

Die Service- und Beratungsstelle Go.for.europe fördert Auslandspraktika von Auszubildenden in Baden-Württemberg. Zielgruppe sind vor allem Auszubildende in kleinen und mittelständischen Unternehmen.

www.goforeurope.de

xChange

Am Programm xChange beteiligen sich Deutschland, Österreich, Italien, Liechtenstein, die Schweiz und das Elsass. In einer Tauschbörse können Interessierte Unternehmen und Lehrlinge kontaktieren, die derzeit Teilnehmer für einen Austausch suchen.

www.xchange-info.net

Stiftungsstipendien

Eine Reihe von Stiftungen vergibt an Auszubildende Stipendien für Auslandsaufenthalte. Beispiele sind das Hermann-Strenger-Stipendium der Bayer-Stiftung oder die Joachim Herz Stiftung, die junge Menschen fördert, die in die USA gehen möchten. Die Stiftung Mercator legt ihren Fokus auf Partnerschaften von Berufsschulen in Deutschland und China, bietet aber auch Stipendien und Unterstützung für die Türkei und andere Länder an.

www.bayer-stiftungen.de

www.joachim-herz-stiftung.de

www.stiftung-mercator.de

Unternehmensinterne Programme

Weltweit tätige Konzerne oder Unternehmen, die internationale Niederlassungen oder Tochtergesellschaften im Ausland besitzen, bieten oft bereits ihren Auszubildenden die Gelegenheit, eine Weile bei und mit Kollegen im Ausland zu arbeiten.

 

Elektroniker in Rumänien

„Viel vom Wissen der Kollegen profitiert“

Timo Besemer absolviert bei Daimler eine Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik. Dabei sammelte der 21-Jährige drei Wochen lang Erfahrungen in einem Tochterunternehmen in Rumänien.

Obwohl ich erst wenige Tage in Rumänien war, hatte sich der Aufenthalt bereits gelohnt: Innerhalb kürzester Zeit habe ich viel Neues gelernt und spannende Einblicke gewonnen. Der Auslandseinsatz während meiner Ausbildung hat mich in mehrfacher Hinsicht weitergebracht.

Aber der Reihe nach: Im Anschluss an mein Abitur 2016 habe ich bei Daimler im baden-württembergischen Esslingen mit meiner Ausbildung zum Elektroniker begonnen. Schon im ersten Lehrjahr eröffnete sich mir die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen. Daimler entsendet jährlich rund 120 Azubis für drei bis sechs Wochen überwiegend ins europäische Ausland, teilweise aber auch zu Produktions- und Vertriebsstandorten in China.

Ich wollte mich aber zunächst noch intensiver der Theorie widmen, damit ich das Gelernte bei einem Auslandsaufenthalt besser in der Praxis anwenden kann. Und doch habe ich im ersten Lehrjahr bereits Auslandserfahrung gesammelt. Allerdings ging es dabei nicht um fachliche Ausbildung, sondern um ehrenamtliches Engagement. Seit einigen Jahren unterstützt Daimler das Projekt „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Polen“. Gemeinsam mit zehn anderen Azubis habe ich mich zwei Wochen in Lublin in einer jüdischen Gedenkstätte engagiert und mehr über die deutsche NS-Geschichte erfahren. Dazu gehörte auch ein Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz.

Einblick in rumänisches Tochterunternehmen

Ein Porträt-Foto von Timo Besemer

Timo Besemer

Foto: Tim Redlich

Ein knappes Jahr später startete schließlich mein Austausch im Rahmen des Daimler-Ausbildungsprogramms „Training goes Global“. Zur Auswahl standen Einsätze in Tschechien, Slowenien oder Rumänien. Beworben habe ich mich mit einem Motivationsschreiben, in dem ich auch hätte angeben können, in welches Land ich am liebsten wollte. Doch ich hatte keine Präferenz, war offen für Neues und habe mich einfach auf den kulturellen Austausch gefreut.

Letztendlich konnte ich mit einem weiteren Azubi das Daimler-Tochterunternehmen „SC Star Transmission SRL“ im rumänischen Sebes kennenlernen. Dort werden spezielle Getriebe für Mercedes-Benz montiert. Unsere Kollegen vor Ort haben uns alle Bereiche des Werks gezeigt, bevor wir immer mehr in die Arbeit einbezogen wurden. Dabei ging es um ganz praktische Dinge: Wir haben uns beispielsweise mit der Funktionsweise von Schaltschränken beschäftigt.

Außerdem konnten wir live miterleben, wie ein Teil der Produktionslinie neu aufgebaut wurde. Auch dort waren wir gefragt: Wie würdet ihr das machen und in welcher Reihenfolge welche Maschinen aufbauen? Es war toll, dass wir direkt integriert wurden und die Kollegen sich stets Zeit für unsere Fragen genommen haben. Von deren Wissen habe ich viel profitiert.

Unternehmen übernahm die gesamte Organisation

Vor allem persönlich hat mich die Zeit im Ausland vorangebracht. Mein Englisch war zwar vorher schon gut, aber dort konnte ich es weiter verbessern. Besonders wichtig war mir der Einblick in eine neue Kultur. In vielen kleinen Alltagssituationen habe ich erlebt, wie die kulturelle Prägung das Verhalten beeinflusst: Als ich etwa einmal allein im Pausenraum saß, setzte sich ein Kollege direkt neben mich – das würde man in Deutschland wahrscheinlich so nicht tun. Hier ist das ganz normal, schließlich sollte ich mich nicht allein fühlen. Das hat mir gezeigt, wie offen und unkompliziert viele Rumänen sind.

Angenehm war, dass sich Daimler um die gesamte Organisation des Auslandsaufenthaltes gekümmert hat: Der Flug wurde vom Unternehmen gebucht und bezahlt; ebenso die Unterkunft in Sebes. Für die drei Wochen in Rumänien musste ich keinen Urlaub nehmen, der Aufenthalt galt als Teil der Ausbildung.

Insgesamt hat mir das alles so gut gefallen und war eine so große Bereicherung, dass ich später unbedingt wieder – vielleicht sogar für ein paar Jahre – im Ausland arbeiten möchte.

 

Fotodesignerin in England

Ein Fotoprojekt in England

Nora Börding macht eine schulische Ausbildung zur Fotodesignerin. Im zweiten Lehrjahr konnte die 23-Jährige dank Unterstützung des Programms Erasmus+ einen einmonatigen Auslandaufenthalt in England einlegen.

Ich war schon häufig im Ausland, so war ich beispielsweise in der elften Klasse in Frankreich und bin nach dem Abitur 2014 mehr als zehn Monate durch Asien gereist. Seit September 2016 mache ich nun eine vollschulische Ausbildung zur Fotodesignerin in Berlin. Im vergangenen Jahr wurde an meiner Schule die Zusammenarbeit mit einem Partner-College im englischen Plymouth gestartet – das hat mich interessiert. Ich fand es spannend, eine andere Schule kennenzulernen und meine Sprachkenntnisse zu verbessern.

Das Konzept des Austauschprogramms wurde meiner Klasse vorgestellt: Wer teilnehmen wollte, konnte sich mit einem Fotoprojekt um einen der zwei Plätze bewerben. Wir mussten dafür eine Strecke mit Landschaftsbildern einreichen. Ich habe mich für einige Fotos von meinen Reisen in Asien entschieden – und wurde gemeinsam mit meiner Mitschülerin Paulina Hildesheim ausgewählt.

Finanzielle Unterstützung dank Erasmus+

Ein Porträt-Foto von Nora Börding

Nora Börding

Foto: privat

Anschließend habe ich mich beim Erasmus+-Programm beworben. Hierfür musste ich zum Beispiel erklären, warum ich ins Ausland möchte und was ich mir davon erwarte. Relativ bald erhielt ich dann die Zusage und damit auch finanzielle Hilfe: Es gab eine Anreisepauschale und für die Zeit im Ausland dann je nach Land einen bestimmten Tagessatz. In meinem Fall waren das insgesamt 1.080 Euro, womit ich zurechtgekommen bin.

Um die Unterkunft in Plymouth musste ich mich selbst kümmern. Da war es von Vorteil, dass ich nicht alleine war. Zu viert haben wir uns eine Unterkunft gesucht, die unser Erasmus+-Budget nicht sprengte.

Ende Januar war es dann soweit – wir sind nach England geflogen. Dort an der Schule war eine Lehrerin Ansprechpartnerin für all unsere Fragen, was sehr hilfreich war.

Herausforderungen erfolgreich gemeistert

Zusammen mit vier britischen Schülern haben wir eine Projektaufgabe bearbeitet. Die Aufgabenstellung lautete: Macht euch Gedanken über die Zukunft von Plymouth. Wie wir das umsetzten, lag bei uns. Paulina und ich waren für die fotografische Realisierung zuständig. Zuerst beschäftigten wir uns mit der Stadt an sich: Welche Probleme gibt es? Wie zufrieden sind die Menschen? Wir haben zum Beispiel Fischer bei ihrer Arbeit begleitet, Baustellen und Straßenviertel dokumentiert und Bewohner der Stadt porträtiert. So wollten wir die verschiedenen Aspekte von Plymouth zeigen.

Der Monat im Ausland hat mir in vielerlei Hinsicht etwas gebracht: Ich musste Menschen, die ich fotografieren wollte, in einer fremden Sprache ansprechen. Das war zuerst eine Hürde, hat mir aber zunehmend mehr Selbstbewusstsein gegeben. Hinzu kam, dass ich sonst eher alleine fotografiere. Dieses Mal aber habe ich mit Paulina zusammengearbeitet; das war eine neue, gute Erfahrung. Außerdem habe ich gelernt, ein Projekt innerhalb von drei Wochen zu planen, umzusetzen und fertigzustellen: Am Ende unseres Aufenthalts stellten wir unsere Bilder aus. Wir hatten es geschafft – das war ein tolles Gefühl.

 

Statements

Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung

Was erhoffen sich Unternehmen, wenn sie ihre Azubis für einige Zeit ins Ausland schicken? Und wie unterstützen sie sie dabei? Drei Personal-Verantwortliche berichten:

Angela Horstmann betreut die kaufmännischen Auszubildenden bei der Bischof + Klein SE & Co. KG. Das Unternehmen im nordrhein-westfälischen Lengerich stellt flexible Verpackungen und technische Folien aus Kunststoff und Kunststoffverbunden her.

Ein Porträt-Foto von Angela Horstmann

Angela Horstmann

Foto: Bischof + Klein Holding SE & Co. KG

„Wir bieten unseren Azubis die Möglichkeit, für ein paar Wochen Auslandsluft zu schnuppern. Dabei werden sie vorrangig in einem unserer vielen Tochterunternehmen eingesetzt. Dafür gibt es eine Menge zu organisieren. Das macht selbstständig, erfordert Organisationsgeschick und bringt Verantwortung mit sich. Wir unterstützen unsere Azubis aber dabei. Zudem machen sie in kurzer Zeit enorme Fortschritte in der jeweiligen Fremdsprache. Das hilft anschließend hier in Deutschland, wenn etwa E-Mails auf Englisch verfasst werden müssen oder ein französischsprachiger Kunde am Telefon ist. Die Azubis lernen die Kollegen und Arbeitsweisen im Tochterunternehmen kennen, wodurch Synergien entstehen und genutzt werden können.

In über 90 Prozent der Fälle haben wir in der Vergangenheit von der Unterstützung des Erasmus+-Programms profitiert. B+K trägt die Kosten für Flug und Unterkunft. Der Auslandsaufenthalt erfolgt grundsätzlich in den Schulferien, damit keine Unterrichtsstunden ausfallen. Die Zeit vor Ort zählt hingegen als Arbeitszeit.“

 Siegfried Czock ist bei der Robert Bosch GmbH verantwortlich für die Aus- und Weiterbildung in Deutschland. Das Technologie- und Dienstleistungs-Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Stuttgart; weltweit gehören zur Bosch-Gruppe rund 400.500 Mitarbeiter.

Ein Porträt-Foto von Siegfried Czock

Siegfried Czock

Foto: Bosch

„Seit über 50 Jahren bietet Bosch seinen Auszubildenden die Möglichkeit, an einer internationalen Lehrlingsentsendung teilzunehmen. Dieser Baustein ist fest in die Ausbildung bei Bosch in Deutschland integriert und trägt insbesondere zur Persönlichkeitsentwicklung der Auszubildenden bei. Unser Ausbildungsnetzwerk in 31 Ländern ermöglicht Jugendlichen diese interkulturelle Chance.

In der Regel erfolgt die Entsendung am Ende des zweiten Lehrjahres. Die Auszubildenden werden von Beginn an in die Planungen integriert. Die Entsendung gilt als Arbeitszeit. Anfallende Kosten für Reise, Unterbringung sowie eine Verpflegungspauschale werden vom Unternehmen getragen. Durch den Auslandsaufenthalt lernen die Auszubildenden, wie wichtig interkulturelle Kompetenz in der heutigen Wirtschaft ist. Die Entsendung fördert auch das Bewusstsein für Mobilität und Flexibilität im Berufsalltag.“

 Heike Brenner ist Ausbildungsbeauftragte bei Optima. Das Unternehmen plant und fertigt Abfüll- und Produktionsanlagen sowie Verpackungsmaschinen für Kunden im In- und Ausland. Der Stammsitz ist in Schwäbisch Hall. Pro Jahr starten rund 40 Auszubildende.

Ein Porträt-Foto von Heike Brenner

Heike Brenner

Foto: Optima packaging group GmbH

„Auslandserfahrungen sind bei Optima sehr wichtig: Wir haben weltweit 14 Auslandsniederlassungen und über 2.250 Mitarbeiter. 85 Prozent der Maschinen werden exportiert. Mit den Kollegen der Auslandsniederlassungen und ausländischen Kunden wird in englischer Sprache kommuniziert.

Unsere Auszubildenden sammeln bereits während ihrer Ausbildung Auslandserfahrung. Die Industriekaufleute sind für drei Wochen bei der Optima Tochtergesellschaft in den USA, die Industriekaufleute mit Zusatzqualifikation „Internationales Wirtschaftsmanagement“ darüber hinaus für drei Wochen in Frankreich oder Mexiko. Die gewerblichen Auszubildenden bekommen Einblicke in die Montagetätigkeit im europäischen Ausland.

Bei diesen Auslandseinsätzen sollen vor allem die Sprachkenntnisse und das Fachvokabular verbessert werden. Ein Gefühl für andere Kulturen und erste Kontakte zu den Kunden des Unternehmens ergibt sich zwangsläufig. Wer gerne unterwegs ist, kann nach der Ausbildung als Facharbeiter auf Montage die ganze Welt kennenlernen.

Die Auszubildenden müssen für diese Auslandseinsätze keinen Urlaub nehmen, das ist bezahlte Arbeitszeit. Die Kosten für Flüge, Unterkunft und Verpflegung übernimmt das Unternehmen.“


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Stand: 20.08.2019