Passende Worte, stimmige Verkaufszahlen
Am Telefon verkaufen - das ist längst noch nicht alles, was Andrea Seljmo (26) in ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Dialogmarketing bei Simon&Focken GmbH in Braunschweig lernt. Sie ist im zweiten Lehrjahr und weiß, dass auch kaufmännische und administrative Fertigkeiten zu ihrem angestrebten Beruf gehören.
Andrea Seljmo brachte alle Voraussetzungen für ihren Ausbildungsplatz mit: ein Faible für Zahlen, Einfühlungsvermögen und Teamfähigkeit.
Foto: Privat
„Dafür brauchen Sie nicht zu danken, ich habe Sie doch gerne beraten“, verabschiedet sich Andrea Seljmo das Gespräch mit einem Lächeln. Echte Freude spiegelt sich auf ihrem Gesicht, denn sie hat soeben ein neues Mitglied für einen Buchclub gewonnen. Für einen Moment schiebt sie das Head-Set vom Kopf, damit die Teamleiterin ihr gratulieren kann. „Soeben habe ich ein Outbound-Telefonat geführt, also einen potentiellen Kunden angerufen“, erklärt die Auszubildende. „Das ist eine besondere Herausforderung, denn es geht darum, dem Gesprächspartner ein Produkt oder eine Dienstleistung vorzustellen, ohne sich aufzudrängen.“ Weil dazu weit mehr gehört als Reden, hat sie sich für diesen Beruf entschieden.
Sie steckt mittlerweile im zweiten Jahr ihrer Ausbildung zu Kauffrau für Dialogmarketing bei der Simon&Focken GmbH, einem Callcenter in Braunschweig. Für Kunden wie etwa Bertelsmann verkaufen die Mitarbeiter Produkte via Telefon. Aber sie übernehmen auch Reklamationen und Beratung.
Vier Tage pro Woche verbringt Andrea Seljmo in ihrem Ausbildungsbetrieb, einen weiteren in der Berufsschule. „Im ersten Lehrjahr hatten wir sogar zwei Tage Schulunterricht.“ Im dualen System lernt sie alles zu Themen wie Kundenbetreuung, Telefontechnik und Verkaufstaktiken kennen und erwirbt zusätzlich ein breites kaufmännisches Wissen, etwa wie man Angebote und Kalkulationen erstellt.
Administration und Motivation
„Nach dem Abitur war ich noch nicht sicher, was ich werden wollte“, sagt Andrea Seljmo. „Wichtig aber war mir Abwechslung und der Kontakt zu anderen Menschen, deshalb habe ich lange in der Gastronomie gearbeitet, verschiedene Jobs ausprobiert und mich über Alternativen informiert.“
Bekannte, die bereits im Dialogmarketing tätig waren, empfahlen ihr den noch jungen Ausbildungsberuf. „Zuerst dachte ich: Callcenter, nein danke, das ist doch nichts für mich. Aber dann erfuhr ich, dass es in dieser kaufmännischen Ausbildung um weit mehr geht als Telefonieren.“ Um sich ein genaues Bild zu machen, arbeitete sie in ihrer heutigen Firma zur Probe. „Dabei habe ich festgestellt, dass die teilweise noch kursierenden Vorurteile nicht zutreffen und es gute Aufstiegsmöglichkeiten gibt, zum Beispiel zum Teamleiter. Es ist ein sehr vielseitiger Beruf, weil man immer wieder mit neuen Situationen konfrontiert wird.“
Der Betrieb bot ihr schließlich einen Ausbildungsplatz an, weil sie bewiesen hatte, dass sie die Voraussetzungen mitbrachte. Dazu gehört vor allem ein Faible für den Umgang mit Zahlen, aber auch Soft Skills wie Einfühlungsvermögen und Teamfähigkeit. Andrea Seljmo unterschrieb den Ausbildungsvertrag zur Kauffrau für Dialogmarketing. Bald tritt sie ihr letztes Lehrjahr an. „Dann geht es vor allem um administrative Tätigkeiten. Ich werde viel öfter Statistiken erstellen. Aber auch meine Teamleiterin bei der Mitarbeitermotivation unterstützen.“
Fit für neue Fachgebiete
Weil ihr Ausbildungsbetrieb Kunden in den verschiedensten Bereichen betreut, muss Andrea Seljmo auch in der Lage sein, sich binnen kurzer Zeit in neue Fachgebiete einzuarbeiten: Von Büchern und Zeitschriften über Banken und Versicherungen bis hin zu Mobilfunk und TV ist alles dabei, mal sind Geschäftskunden, mal Endkunden zu beraten. „Während unserer Ausbildung werden wir nach einem Rotationsplan eingeteilt, damit wir möglichst viele Projekte und Auftraggeber kennenlernen und damit auch die Vielfalt des Callcenters. Dabei werden wir aber nicht alleine gelassen, sondern erhalten immer vorbereitende Schulungen und Rhetorik-Kurse.“
Die Betreuung durch die Teamleiter und Teamleiterinnen hat Andrea Seljmo so überzeugt, dass sie nun schon ihr nächstes Ziel im Blick hat. „Den Ausbilderschein möchte ich auf jeden Fall noch machen. Das wäre sogar schon gleich nach der Lehrzeit möglich, aber ich möchte zuvor noch Berufserfahrung sammeln.“

