Das Leben auf elf Zentimetern
Holzspielzeugmacher: Da denken viele an Bauklötze, Kreisel und strahlende Kinderaugen. Christina Kaden produziert für ein anderes Publikum: Ihre elf Zentimeter langen Holzstuben machen Sammler glücklich.
Christina Kaden ist spezialisiert auf kleine Miniatur-Stübchen, erstellt aber beispielsweise auch Spanbäume.
Foto: privat
Etwa 30 Stübchen hat der Betrieb ihrer Eltern bereits im Sortiment, und jedes Jahr kommen neue hinzu. Rund elf Zentimeter sind die traditionellen Zimmer lang, die eine typische Szene aus dem Erzgebirge darstellen. Da gibt es beispielsweise eine Mini-Tischlerei, eine Mini-Spinnstube, ein Mini-Klassenzimmer oder ein Mini-Weihnachtszimmer. Immer mit den passenden zwei bis drei Zentimeter kleinen Figuren dazu.
Christina Kaden ist in der Werkstatt ihres Vaters sozusagen aufgewachsen. Da lag es nahe, dass sie dort auch die Ausbildung zur Holzspielzeugmacherin absolvierte. Da sie Abitur hat, konnte sie die Ausbildungszeit von drei auf zwei Jahre verkürzen. An der Berufsschule in ihrem Heimatort Seiffen im Erzgebirge - übrigens bundesweit die einzige Berufsschule für angehende Holzspielzeugmacher - lernte sie im ersten Jahr beispielsweise wie man sägt, wie man Holzbearbeitungsmaschinen einrichtet und bedient, wie man fräst und schleift. Aber nicht nur das: „Es kommen noch das Malen, Schnitzen, Drechseln und das Spanbaumstechen dazu", sagt die begeisterte Handwerkerin.
Geduld gefragt
Inzwischen hat die 29-Jährige ihren Meisterbrief und das alles ist Routine. Ebenso wie die Erstellung der kleinen Miniatur-Stübchen, auf die sich der Betrieb ihrer Familie spezialisiert hat. Damit sich die Produktion lohnt, werden die Stübchen in einer Auflage von etwa 1.000 Stück hergestellt. Das heißt, Christina Kaden muss manchmal 500 gleiche Figuren hintereinander produzieren. „Da ist auch oft Geduld gefragt", warnt die Holzspielzeugmacherin. „Aber ich darf zum Glück jede der verschiedenen Arbeiten einmal machen." In größeren Betrieben sei das nicht immer üblich. Da könne der Arbeitsalltag schnell eintönig werden, meint sie.
Am spannendsten findet es Christina Kaden, neue Produkte zu entwerfen. „In einem Familienbetrieb ist jeder mit seinen Ideen gefragt. Es gibt viele Sammler, die natürlich ständig etwas Neues wollen", erklärt sie. Bis das fertige Produkt aber beim Sammler im Regal steht, ist es ein langer Weg. Als erstes suchen die Holzspielzeugmacher in Büchern oder im Internet nach Anregungen, dann erstellt Christinas Vater einen Prototyp. Wenn alle mit dem Entwurf einverstanden sind, geht es an die Produktion. Es wird gefräst, gesägt, bemalt, geleimt und am Schluss wird das fertige Stübchen in das kleine Kästchen montiert, mit einer Pinzette. Obwohl für viele Arbeitsgänge auch Maschinen verwendet werden - beispielsweise zur Erstellung der kleinen Holzkügelchen, die einmal die Köpfe der Figuren werden - bleibt das meiste Handarbeit.
„Man muss die Produkte lieben"
„In meinem Beruf sollte man präzise arbeiten können", sagt Christina Kaden. „Außerdem muss man Freude am Gestalten haben und vor allem die Produkte lieben. Und man muss gerne mit Holz arbeiten", ergänzt sie. „Ich liebe Holz, das ist ein sehr schöner Werkstoff." Und sehr vielfältig. Die Mini-Stübchen sind nämlich nicht das Einzige, das Christina Kaden erstellt. „Wir produzieren beispielsweise auch kleine Fensterbilder, Christbaumschmuck und Logikspielchen." Ihr Meisterstück war eine Wandspieldose: Die Figuren drehen sich zur Musik in einer großen Holzschale, die man an der Wand befestigen kann. „Wir hoffen ein bisschen, dass in Zukunft auch ein Markt für Gebrauchsgegenstände entsteht", meint Christina Kaden. Befreundete Betriebe produzieren beispielsweise sogar handgefertigte Holz-Gehäuse für USB-Sticks. Wer weiß, vielleicht ergänzt ein solches Produkt ja bald die Palette des Holzspielzeug-Betriebs,, den Christina Kaden und ihr Mann - ebenfalls ein Holzspielzeugmacher - 2009 übernehmen wollen.

