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Gestalter, Erfinder und Künstler

Es sind verschiedene Buntstifte zu sehen.
Von Goldschmied bis Grafikdesigner: Die Palette an kreativen Ausbildungsberufen ist bunt.
Foto: WillmyCC Studios

Kreative Ausbildungsberufe

Gestalter, Erfinder und Künstler

Manche Menschen können gut mit Zahlen umgehen, andere sind Organisationstalente - und dann gibt es noch die Künstler. Besonders kreative Köpfe wollen ihre Leidenschaft häufig zum Beruf machen, viele künstlerische Berufe werden an Kunsthochschulen oder Akademien ausgebildet. Doch es gibt auch eine ganze Reihe an etablierten Ausbildungsberufen: vom Goldschmied bis zum Mediengestalter.

Die meisten Menschen haben eine besondere Begabung. Manche sind besonders stressresistent, sprachbegabt, fit in Mathematik oder logischem Denken – oder sozial veranlagt. Und dann gibt es noch die Künstler, Schöpfer, Tüftler und Bastler – kurz: die „Kreativen.“ Viele leben ihre Begabung oder eine kreative Neigung nur in ihrer Freizeit als Hobby aus und gehen im Beruf einer sachlicheren Tätigkeit nach. Besonders kreative Köpfe jedoch wollen ihre Leidenschaft auch zum Beruf machen, sich selbst verwirklichen und davon leben. Doch was bedeutet eigentlich Kreativität?

Neu erschaffen

Gerade in den vergangenen Jahren ist der Begriff Kreativität ein nahezu beliebiges Modewort geworden: Kreativwirtschaft, Kreativteam, kreative Konzepte, kreatives Marketing und sogar kreative Kunden. Im ursprünglichen Wortsinn geht Kreativität auf die lateinischen Wörter „creare“ und „crescere“ zurück, und bedeutet etwas erzeugen, etwas schöpfen, aber auch geschehen und wachsen. Kreativitätsforscher definieren heute Kreativität im weitesten Sinne als die Fähigkeit, durch Assoziation, Fantasie und Originalität vorhandene Dinge neu zu ordnen oder neu zu erschaffen. Das kann ein ausgefallenes Bühnenbild sein oder die Kreation von Werbespots über die wahrhaftig längste Praline der Welt. Im weiteren Sinne kann man sogar die smarte Lösung für ein Netzwerkproblem als Kreativität ansehen und damit lösungsorientiertes Handeln beschreiben. „Heute entscheiden sich etwa 80 Prozent der Abiturienten, die in ihrem Beruf kreativ arbeiten wollen, für ein Studium und 20 Prozent für eine Ausbildung“, sagt Dieter Leonhard, Berufsberater im Hochschulteam der Agentur für Arbeit in Frankfurt. Im Grunde könne man fast überall kreativ sein. Aber im engeren Sinne unterteile man in zwei Ausbildungsbereiche, die für Abiturienten interessant seien, so der Berufsberater. Zunächst die kunsthandwerklichen Berufe, wo es besonders auf Begabung und Talent ankommt: Maßschneider, Goldschmiede, Glasbildner, Musikinstrumentenmacher, Holzspielzeugmacher, Steinmetze und Steinbildhauer. „Die Ausbildungen sind dann oft da gefragt, wo es die entsprechende Industrie gibt, also regional beeinflusst“, so Dieter Leonhard. „Und dann gibt es noch den kreativen Bereich der gestalterischen Ausbildungsberufe. Typisch sind hier etwa Mediengestalter, Fotografen, Produktdesigner, Grafikdesigner, Gestalter für visuelles Marketing und Kaufleute für Marketingkommunikation.“ Einige dieser Berufe können auch über ein Studium ergriffen werden: Fotografie, Produktdesign oder Grafikdesign können auch studiert werden. Und auch nach der Ausbildung bieten sich Möglichkeiten zur Weiterbildung. „Abiturienten, die einen kunsthandwerklichen Beruf erlernt haben, können zum Beispiel ihren Meister machen. Man kann Produktdesign, Mode- oder Werbedesign studieren. Es gibt außerdem in allen Bereichen Möglichkeiten zur Weiterqualifikation“, erklärt Berufsberater Dieter Leonhard.

Es ist eine Maskenbildnerin zu sehen, die an einer Maske arbeitet.

Maskenbildner brauchen ein geschicktes Händchen und jede Menge kreativer Ideen.

Foto: Pieth

In der kreativen Umgebung von Theater und Schauspiel sind weitere Ausbildungsberufe zu finden: Beispielsweise Dramaturgen und Drehbuchautoren können auch während einer schulischen Ausbildung ihr Handwerk erlernen. Und der Beruf des Schauspielers wird an vielen privaten oder an einer der wenigen renommierten staatlichen Schauspielschulen gelehrt. In manchen Berufen wird Kreativität als Arbeitsmittel eingesetzt, beispielsweise nutzen sie die Kunsttherapeuten zur Rehabilitation oder zu pädagogischen Zwecken: Sie arbeiten in psychiatrischen Kliniken, in Pflegeheimen oder in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. „Berufsfelder wie Datenverarbeitung, Marketing oder Grafikdesign sind im Wachsen und konnten im letzten Jahrzehnt ein deutliches Plus bei den Beschäftigtenzahlen verbuchen. Die Zahl der Arbeitnehmer in kreativen Handwerksberufen geht allerdings zurück. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob es um die kreative Be- und Verarbeitung von Stein, Gold, Stoff oder Holz geht. Überall sind deutliche Beschäftigungsverluste festzustellen“, erklärt Judith Wüllerich vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit.

Manchmal hat die Berufswahl auch damit zu tun, eine Tradition fortzuführen, in der es nicht nur um Kreativität, sondern auch um Buch- und Mitarbeiterführung geht: So mancher Absolvent entscheidet sich nach dem Abitur, in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Diesen Weg hat auch Rainer Welp eingeschlagen. Er hat nach dem Abitur eine Ausbildung zum Bäcker und Konditor gemacht und leitet nun eine Bäckerei mit mehreren Filialen in Osnabrück. Neben Bäckern und Konditoren sind Köche oder Floristen entsprechende Beispiele. Aber auch in anderen Bereichen, in denen man Fantasie und Originalität auf den ersten Blick nicht erwarten würde, kommt es auf Kreativität an – im Sinne von „Neues schaffen“. Dazu gehören beispielsweise die Fachinformatiker, die für komplexe Softwareprobleme Lösungen finden müssen oder entsprechende Programme entwickeln. Oder die Industrietechnologen, die passende technische Anlagen entwickeln, wenn ein Kunde ein bestimmtes Produkt auf den Markt bringen will. Dazu wählen sie beispielsweise eine entsprechende Software aus oder prüfen, welche Maschinen Verwendung finden können.

Freiraum und Entfaltungsmöglichkeiten

Kreativität und Freiheit liegen oft nicht weit voneinander entfernt. So verwundert es nicht, dass kreativ Tätige häufig davon träumen, der eigene Chef zu sein und eigenständig das zu tun, wofür sie Talent haben. Viele kreative und künstlerische Berufe werden deshalb freischaffend ausgeübt. Das bietet Freiraum und Entfaltungsmöglichkeiten auf der einen Seite – birgt jedoch auch Ungewissheit und finanzielle Unsicherheit. Wer damit schwer leben kann, sollte also von vorneherein einen Beruf anstreben, der in der Regel in einem festen Angestelltenverhältnis mündet und somit Planbarkeit erlaubt.

Kreativ zu arbeiten macht Spaß – doch die eigene Kreativität kennt besonders im beruflichen Kontext ihre Grenzen: Spätestens dann, wenn der Servicegedanke zählt und Kundenwünsche berücksichtigt werden müssen – auch wenn sie dem eigenen Geschmack widersprechen. Es kann beispielsweise sein, dass ein Fotograf ein Fotoshooting nochmals wiederholen muss – weil dem Kunden die Kleidung nicht gepasst hat. „Abiturienten tun sich hier oft anfangs ein bisschen schwer, sie wollen viel selbst entscheiden. Aber bei Auftragsarbeiten, egal in welchem Bereich, zählt letzten Endes die Kundenzufriedenheit mehr als der eigene künstlerische Anspruch“, sagt Berufsberater Dieter Leonhard. Wer also kreativ arbeiten möchte, muss auch die Fähigkeit besitzen, sich in andere hineinzuversetzen und Wünsche zu erfüllen.

abi>> 16.07.2012