Zwischen Blitzkopf und Bademode
Experimente mit der Kompaktkamera, Spaß am Motive-Suchen, Kunst-Leistungskurs und ein fotoverrückter Lehrer: Bei Kathrin Sammetinger (20) sprach einiges dafür, das Hobby zum Beruf zu machen. Im August 2009 hat sie ihre Fotografenausbildung im Fotostudio von OTTO in Hamburg begonnen.
Kathrin Sammetinger macht im Fotostudio von OTTO eine Ausbildung zur Fotografin.
Foto: Privat
„Das war für mich die Traum-Kombi: Foto und Hamburg“, blickt die 20-Jährige lachend zurück, die eigentlich aus Herzogenaurach in der Nähe von Nürnberg kommt. Dort hat sie mit der zufällig entdeckten Makro-Funktion ihrer Kompaktkamera erstmals Details scheinbar banaler Gegenstände aufgenommen, hat an der Schule ihren ersten Fotokurs besucht und besagten fotoverrückten Lehrer getroffen.
Parallel zur Foto-Leidenschaft wuchs schon in der Vorbereitungszeit auf das Abi ihr Wunsch, „nach all dem Lernen kein theoretisches Studium, sondern lieber etwas Praktisches zu machen“, erzählt Kathrin Sammetinger. „Außerdem hat das Studium ja doch immer eher etwas Künstlerisches – und das schien mir für mich selbst zu gewagt, da wollte ich lieber eine sichere Ausbildung in einem konkreten Berufsfeld, am besten in der Werbefotografie, machen.“ Und weil sie die Hansestadt im hohen Norden schon immer faszinierend fand, schaute sie sich nach Werbefotografiestudios in Hamburg um – mit reichlich Vorlauf: „Bewerbungsschluss war in den meisten Fällen schon ein Jahr vor Ausbildungsbeginn.“ Abiturienten sind in der Fotografenausbildung eher die Regel als die Ausnahme, auch wenn rechtlich keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben ist. 2008 verfügten laut BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit fast 50 Prozent der Ausbildungsanfänger über die Hochschulreife.
Verantwortlich für Licht und Technik
Rund 20 Bewerbungen hat sie geschrieben, teilweise auch ihre Mappe mit Beispielfotos eingereicht, bis nach einem Vorstellungsgespräch bei OTTO feststand: Das klappt – und zwar nahtlos. Im Juni 2009 machte sie ihr Abi, zog im Juli nach Hamburg, und startete im August ihre Ausbildung. „Ich hatte ja schon während des Vorstellungsgesprächs viel fragen können, auch eine kleine Führung gemacht, aber dann tatsächlich drin zu sein, war doch noch mal ganz was anderes“, meint Kathrin Sammetinger. Besonders beeindruckt haben sie die Vielzahl der Studioflächen und Fotografen und die Vielfältigkeit der Aufgaben: „Mein Ausbildungsalltag ist unheimlich abwechslungsreich.“
Zwölf Azubis verschiedener Lehrjahre absolvieren derzeit die dreijährige Fotografenausbildung im OTTO Fotostudio der Konzernzentrale in Hamburg und lernen das Handwerk im ersten Jahr vor allem über Assistenz, bevor sie in den Folgejahren immer mehr eigenverantwortlich fotografieren: „Dank eines Online-Planungstools können wir – auch von zuhause aus – nachschauen, welchem Fotografen und welchem Projekt wir jeweils zugeteilt sind, ob für einen Tag oder auch mal für mehrere Wochen am Stück“, erzählt Kathrin Sammetinger. In Absprache mit dem Fotografen kümmert sie sich dann um Licht- und Kamera-Equipment, baut die Technik auf der jeweiligen Fläche auf, überprüft die Verbindung zum Computer, ist aber auch dafür zuständig, das fotografierte Produkt in Szene zu setzen: „Die Palette ist breit, wir fotografieren für den Katalog, den Internet-Shop, aber auch für Tochterunternehmen. Von Kleidung – teils auch am lebendigen Model – bis zu Handy und Waschmaschine ist da alles dabei.“
Teamgeist und aktives Mitdenken
Während der Aufnahmen sind nicht nur die Fotografen, sondern auch die Mit-Azubis wichtige Ansprechpartner: „Im ersten Lehrjahr hat man ja von so vielem keine Ahnung, da ist es super, dass man wirklich jeden fragen kann, etwa wie welches Aggregat funktioniert oder welcher Blitzkopf für welchen Effekt geeignet ist. Wir helfen uns gegenseitig, ohne Zusammenarbeit geht gar nichts“, meint die 20-Jährige.
Auch Ausbildungsbetreuerin Katrin Beckert hält Teamgeist daher für eine der wichtigsten Anforderungen an die Azubis, außerdem aktives Mitdenken und eigenverantwortliches Handeln. „Und man sollte einen Blick für Motive, überhaupt natürlich Leidenschaft für die Fotografie haben“, ergänzt Kathrin Sammetinger. In wenigen Tagen geht’s für sie zum ersten Mal zum Blockunterricht in die Berufsschule nach Kiel, der jeweils zweimal pro Ausbildungsjahr für rund sechs Wochen ansteht. Dabei stehen sowohl fototechnische Fächer und Gestaltung, als auch Wirtschaft, Sozialkunde und Englisch auf dem Stundenplan. Am meisten freut sie sich allerdings auf den Sommer und ihre erste Fotoreise – in den warmen Süden, an irgendeinen Strand, an dem unter anderem Bademodefotos gemacht werden.
„Insgesamt soll den Auszubildenden breit gefächertes technisches Fachwissen und sicheres Arbeiten in komplexen Prozessabläufen eines Fotostudios vermittelt werden“, erläutert Katrin Beckert. Studioleiter Thomas Krull fügt hinzu: „Da wir einen festen Pool an Mitarbeitern haben, können wir nicht alle unsere Azubis übernehmen. Was uns deshalb besonders wichtig ist, ist eine fundierte Vorbereitung auf die Anforderungen auf dem freien Markt.“ Ob sie sich diesem nach der Ausbildung stellt, oder doch lieber erst noch ein Foto-Studium dranhängt, weiß Kathrin Sammetinger noch nicht, nur eins ist klar: „Ich bleib’ bei der Fotografie.“





