Jobs in Kunst, Kultur und Gestaltung
Comics zeichnen, Klavier spielen, malen: Viele Abiturienten haben kreative Hobbys. Aber welche Möglichkeiten gibt es, wenn man die eigene Kreativität mit einer Ausbildung verknüpfen möchte?
Kreativität hat viele Gesichter: die einen schreiben gerne Geschichten, die anderen gestalten lieber Produkte.
Foto: Osswald
„Prinzipiell sind kreative Ausbildungen sehr stark handwerklich orientiert", sagt Birgit Tschense, Beraterin der Agentur für Arbeit Düsseldorf. Das Feld der Ausbildungsberufe ist groß. Es reicht vom Bühnenmaler und Bühnenplastiker, Fotografen und Glasbläser über die Goldschmiede, Holzbildhauer, Maskenbildner, den Mediengestalter Bild und Ton sowie den Modisten (Hutmacher) und Produktgestalter. Es können auch schulische Ausbildungen wie etwa der staatlich geprüfte Modedesigner gewählt werden.
Lieber gestalten?
Wenn nun ein Schüler in der Berufsberatung sagt, dass er gerne etwas Kreatives machen möchte, dann fragt Beraterin Tschense deshalb erst einmal nach: „Wollen Sie kreativ schreiben oder gestalten? Wollen Sie eine Ausbildung oder doch lieber ein Studium absolvieren?" Denn ihrer Erfahrung nach überschätzen viele Abiturienten die Entfaltungsmöglichkeiten nach einer Ausbildung. Bei einem kreativen Beruf komme es nämlich vor allem darauf an, die Wünsche des Kunden oder gestalterische Ideen des Vorgesetzten umzusetzen; das heißt, auch auf Knopfdruck kreativ sein zu können. Deshalb ihr Tipp: „Wer stärker gestalterisch als handwerklich arbeiten möchte, der sollte vielleicht besser studieren." Oder sich auch überlegen, wie wichtig einem Kreativität im alltäglichen Berufsleben wirklich ist oder ob es nicht reicht, sich stattdessen in der Freizeit künstlerisch-gestalterisch auszutoben.
Überhaupt gehört zum Wunsch, etwas Kreatives zu machen, auch der Aspekt kreativ zu denken. Der Begriff Kreativität kommt vom lateinischen creare, was soviel bedeutet wie etwas neu schöpfen, erfinden, erzeugen oder herstellen (siehe Beitrag Kreativität im Beruf).
Seltene Exoten
Ein Wirtschaftsbereich, in dem viele kreative junge Menschen eine Ausbildung beginnen, ist die Medienbranche. Kristina Mogilenko beispielsweise macht eine Ausbildung zur Mediengestalterin in einem Bielefelder Medienunternehmen. Jährlich werden mehr als 4.000 neue Ausbildungsverträge für den Mediengestalter mit seinen drei Fachrichtungen abgeschlossen. „Davon haben rund 50 Prozent der Azubis Abitur oder die fachgebundene Hochschulreife", sagt Heike Krämer, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.
Deutlich weniger Azubis gibt es aber in anderen kreativen Ausbildungsberufen: 2006 unterschrieben beispielsweise gerade einmal zwölf junge Männer und Frauen einen Ausbildungsvertrag zum Holzspielzeugmacher, 53 bekamen einen Platz als Bühnenmaler und -plastiker und immerhin 295 als Goldschmied.
Christina Kaden aus dem Erzgebirge hat Glück gehabt. Sie hat im Betrieb ihrer Eltern Holzspielzeugmacherin gelernt und schwärmt von der Ausbildung: „Man lernt alles, von der Entwicklung bis zum fertigen Produkt." (siehe Beitrag: Das Leben auf elf Zentimetern). Doch wie die Zahlen beweisen, ist das Prinzip „Eine Bewerbung, ein Treffer" die absolute Ausnahme: „Wer einen solchen Beruf erlernen möchte, muss sehr viel Eigeninitiative mitbringen", warnt Beraterin Tschense.
Gute Alternativen
Wer bei der ersten Bewerbungsrunde kein Glück gehabt hat, der sollte nicht gleich aufgeben. „Ich empfehle dann, ein längeres Vorpraktikum zu machen", meint Birgit Tschense. Das hat auch Mediengestalterin Kristina Mogilenko gemacht. Nach dem Abitur hat sie ein Jahr lang in einer Kunstwerkstatt für Kinder gearbeitet. Für ihre Ausbilderin Andrea Kelger war diese berufspraktische Erfahrung auch einer der Gründe, weshalb sie Kristina Mogilenko einen Ausbildungsplatz zur Mediengestalterin angeboten hat (siehe Beitrag: Wissen, was gestalterisch möglich ist).
Eine andere Alternative ist die Hochschule. „Wenn es etwa mit der Ausbildung als Goldschmied nicht klappt, dann könnte vielleicht ein Studium im Bereich Produktdesign eine Möglichkeit sein. Wer bühnenbildnerisch arbeiten möchte, kann beispielsweise Architektur studieren und dann ein passendes Masterstudium ergänzen oder sich alternativ für den Studiengang Bühnenbild bewerben." Birgit Tschense weist allerdings darauf hin, dass künstlerische Studiengänge in der Regel eine Mappe als Zugangsvoraussetzung verlangen. Die Berufsberaterin macht aber auch den Ausbildungswilligen Mut: „Wenn der Beruf wirklich eine Berufung ist, dann ist es nicht aussichtslos."
Auch was den Einstieg ins Berufsleben betrifft, denn hier gibt es neben einer festen Anstellung, die unter Umständen schwierig zu bekommen ist, auch die Alternative einer selbstständigen oder freien Tätigkeit. Gerade im künstlerischen Bereich ist das sehr verbreitetet: Fast ein Viertel aller Freiberufler waren 2007 dem Bereich „Freie Kulturberufe" zugeordnet. Wer mit dem Gedanken der Selbstständigkeit spielt, sollte aber neben einem großen Fundus an kreativen Ideen auch handfestes unternehmerisches Wissen mitbringen sowie die notwendige Durchsetzungsfähigkeit, um sich auf dem freien Markt behaupten zu können.


