Zwischen Pilates und Buchhaltung
Ein Beruf für Kaufleute oder für Sportfans? Lydia Sölva (20) hat sich nach dem Fachabitur für eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau entschieden und ist sich sicher: für sportbegeisterte Kaufleute!
Immer in Bewegung bleiben: Selbst Sport zu treiben, ist für Lydia Sölver selbstverständlich.
Foto: Privat
Wenn sie an das Jahr denkt, das sie nach dem Fachabitur als Au-Pair in den USA verbracht hat, ist Lydia Sölva immer noch ganz begeistert. Und das nicht nur wegen Land und Leuten, sondern auch wegen der Selbstverständlichkeit, mit der Sport dort zum Alltag gehört: „Meine Gasteltern hatten mir sofort die Mitgliedschaft in einem Fitnessclub besorgt“, erinnert sie sich.
Ohne Sport kann sich die 20-Jährige das Leben kaum vorstellen. Sie spielt als Torhüterin Handball in der Regionalliga, und recht früh war klar, dass auch bei ihrer Berufswahl der Sport eine Rolle spielen würde. Entschieden hat sie sich für die Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau im „Fitnessstudio lifeline“, einem Fitnessclub im hessischen Aßlar. „Mich haben einfach die vielen Einsatzmöglichkeiten in diesem Beruf gereizt“, erklärt sie.
Tourismuszentrale oder Golfplatz?
So machen zum Beispiel viele ihrer Mitschüler in der Berufsschule ihre Ausbildung bei Rehazentren oder Sportvereinen und Verbänden – oder eben auch in Fitnesscentern. Sport- und Fitnesskaufleute können aber ebenso gut bei Betreibern von Golfplätzen, Schwimmbädern, Kletterhallen und Fußballstadien arbeiten oder bei vielen Sportveranstaltern und Sportschulen tätig werden. Nicht zu vergessen sind auch Tourismuszentralen oder der Sportfachhandel.
Entschieden hat sich die junge Frau aber nicht, ohne sich Infos aus erster Hand einzuholen. „Ich habe einfach mal hier im Club angerufen und gefragt, ob ich mich mit einem der Auszubildenden unterhalten kann“, erzählt Lydia Sölva. Sie konnte – und das Gespräch war so überzeugend, dass sie sich bewarb und genommen wurde. Jetzt gehört das Pendeln zwischen Sport und kaufmännischer Tätigkeit zu ihrem Berufsalltag. „Ich mache die Buchhaltung, stelle Verträge aus, erledige den Schriftverkehr – das ist die eine Seite“. Zu dieser Seite gehören auch Kundenbetreuung am Telefon oder Tätigkeiten an der Rezeption des Studios. Hier werden von den jungen Leuten Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl verlangt, denn nicht nur die Sport- und Fitnessfans kommen zum Training ins Center, sondern auch Kunden, die gesundheitliche Probleme haben, Beratung und entsprechende Betreuung suchen. „Im ersten Ausbildungsjahr war der Anteil von Theorie und kaufmännischem Wissen groß, jetzt hält sich dieser Bereich ungefähr die Waage mit der eher sportlichen Tätigkeit“, schildert die 20-Jährige.
Nach dem Abschluss: weiter in Bewegung
Diese „andere Seite“ gehört für die angehende Sport- und Fitnesskauffrau unbedingt dazu: selbst sportlich aktiv sein, andere zum Sport anleiten. Rund sechs Monate lang hat sie sich nebenberuflich bei der BSA-Akademie in Saarbrücken zur Fitnesstrainerin weitergebildet, eine Hausarbeit abgeliefert, eine schriftliche, mündliche und praktische Prüfung abgelegt, sich mit den Grundlagen der Sportmedizin und der Trainingslehre beschäftigt. Seitdem gibt die junge Frau eigenständig Kurse, erstellt Trainingspläne, betreut die Teilnehmer beim Geräte-Training und beim Nordic Walking. „Die Qualifikation als Fitnesstrainer ist zwar nicht unbedingt Voraussetzung für die Ausbildung und die späteren Tätigkeiten als Sport- und Fitnesskauffrau, wird aber gerne gesehen und erweitert natürlich die Einsatzmöglichkeiten enorm“, weiß sie. In der Fortbildung hat sie sich mit medizinischen, sporttheoretischen und therapeutischen Grundlagen auseinandergesetzt, musste aber auch praktisches Wissen demonstrieren und beweisen, dass sie mit Kunden und Teilnehmern umgehen kann.
Im Sommer wird Lydia Sölva ihren Abschluss machen, denn sie hat die Ausbildung wegen ihres Fachabiturs um ein Jahr verkürzt. Pläne hat sie auch schon. „Ich überlege, zu studieren, eventuell einen Studiengang wie ‚Bewegung und Gesundheit’.“ Aber auch die Weiterbildung zum Personal-Trainer reizt sie. Und dann? „Will ich wieder ins Ausland, eventuell in die Schweiz. Mal sehen, was kommt.“

