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Rechtsanwaltsfachangestellte

"Mandantenbetreuung ist unheimlich wichtig"

In einer Regensburger Kanzlei macht Angela Wildgans (22) eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten. Ihre Eltern sind als Anwälte tätig - der Justizbereich ist ihr somit wohl vertraut. "Ich bin sozusagen vorbelastet", erwähnt sie mit einem Lächeln.

Auf dem Foto ist eine Computertastatur und ein Schreibblock zu sehen. Eine Hand schreibt gerade auf den Block.

Angela Wildgans macht eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten.

Foto: WillmyCC

„Ich habe in Regensburg Kanzleien abtelefoniert und gefragt, wer Auszubildende sucht. Dann verschickte ich Bewerbungen“, erklärt Angela Wildgans. Gleich nach dem ersten Vorstellungsgespräch hieß es dann: Ja, wir nehmen sie. Die Kanzlei brauchte ab sofort Unterstützung und sie konnte direkt dort anfangen zu arbeiten. Damit hat sie die Wartezeit bis zum offiziellen Ausbildungsstart im Herbst überbrückt, denn Angela Wildgans hatte im Mai 2010 ihr Jurastudium im dritten Semester abgebrochen. Von Vorteil war für sie, dass sie bereits in den Ferien erste Erfahrungen in der Kanzlei ihrer Mutter gesammelt hat.

Verkürzte Ausbildung

Weil sie die Allgemeine Hochschulreife besitzt, hat sie die Ausbildungszeit von drei auf zwei Jahre verkürzt. Seit 1. September 2011 ist Angela Wildgans in ihrem letzten Lehrjahr, das sie in der Kanzlei Dr. Hölzl & Bauer absolviert. „In der Kanzlei hat mir Herr Bauer am Anfang die Abläufe, Geräte und Formsachen erklärt.“ Gleich zu Beginn wurde ihr auch das Programm „RA-Micro“ erläutert. Mit dieser Software kann die Angestellte zum Beispiel die digitalen Diktate ihrer Anwälte abhören und bearbeiten. „Es ist ein logisches Programm, das einen durch die Abläufe führt“, betont Angela Wildgans.

Angela Wildgans hat braunes langes Haar.

Angela Wildgans

Foto: Privat

Neben der betrieblichen Ausbildung hat sie sechs Tage pro Monat Berufsschulunterricht in Regensburg. Zivilrecht, Kosten und Gebührenrecht sowie Buchhaltung gehören zu ihren Fächern. „Auch für Zwangsvollstreckungen und Insolvenzen lernen wir alles Nötige, damit wir das selbst bearbeiten können, wenn es in der Kanzlei erwünscht ist.“ Sehr gute Kenntnisse der Zivilprozessordnung zu haben, ist ebenfalls wichtig, damit sie etwa die Mahnverfahrensabläufe kennt. Sie lernt unter anderem, wo und in welcher Form sie den Mahnbescheid beantragen darf. Die Anwälte müssen ihr keine detaillierten Angaben mehr geben, da sie auch weiß, wie sie das Rubrum, den ersten Teil einer Klage, schreiben muss. Schnell setzt die 22-Jährige dieses Wissen in die Praxis um und entlastet damit die Rechtsanwälte.

In ihrer Ausbildung fertigt sie Schreiben an Mandanten an, heftet die Abschriften in die Akten, führt Telefonate und plant Termine. „Das Organisatorische läuft ziemlich über das Sekretariat. Dadurch, dass wir nachmittags nur zu zweit im Büro sind, habe ich auch viel Kontakt zu den Kunden.“ Angela Wildgans versteht die Leute, die einen Anwalt benötigen, denn oft geht es um existenzielle Fragen wie Wohnungen und Häuser. „Manche nerven, aber ich glaube ich wäre genauso“, schildert die Auszubildende. „Mandantenbetreuung ist unheimlich wichtig und gefällt mir.“ Nett und geduldig geht sie daher mit den Klienten um und ihr ist dabei bewusst, dass beim Umgang mit sensiblen Daten Verschwiegenheit Pflicht ist.

Schriftsätze anfertigen

Das selbstständige Arbeiten sagt ihr besonders zu. Die Anwälte diktieren ihr nämlich sowohl Schriftsätze als auch Aufträge. Sobald sie das Band abhört, erfährt sie zum Beispiel, bei welchem Mandanten sie anrufen soll. Auch E Mails darf sie eigenständig schreiben. Bevor sie die Nachricht abschickt, lässt Angela Wildgans sie jedoch noch einmal von einer Kollegin durchlesen. Für ihre Tätigkeiten muss sie die deutsche Grammatik und Rechtschreibung sehr gut beherrschen. Dagegen könne für die Buchhaltung logisches Denken nicht schaden, meint die 22-Jährige. „Kaufmännische Aufgaben darf ich noch nicht erledigen. Es gibt viele Anwälte, die die Buchhaltung selbst machen, denn es geht um eine Menge Geld. Eigentlich ist es auch unsere Aufgabe, und das möchte ich später einmal lernen."

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