Option gehobener Dienst
Dass er als Kind gerne Columbo geschaut hat, ist nicht der Grund, warum Christian Lahn jetzt eine Ausbildung bei der Polizei in Baden-Württemberg macht. Sondern er wollte raus, Menschen zu ihrem Recht verhelfen und einen sicheren Job.
Mittelfristig will sich Christian Lahn fortbilden und dann zur Kriminalpolizei gehen.
Foto. Privat
Also bewarb er sich nach seinem Abitur bei der Landespolizei in Baden-Württemberg für ein Studium für den gehobenen Dienst. Doch er bekam keinen Studienplatz. Statt ein Jahr zu warten und dann erneut sein Glück zu versuchen, begann er die Ausbildung im mittleren Dienst. „Ich kann mich danach ja für den gehobenen Dienst fortbilden."
Zweieinhalb Jahre dauert seine Ausbildung. Die Theorie findet für ihn an der Polizeischule in Biberach statt. Im Klassenverband und mit festem Stundenplan. Zwischen 7 Uhr und 7:50 Uhr fängt der Unterricht an und endet um 16 Uhr. Christian Lahn hat insgesamt sechs Monate Praxiseinsatz im Polizeidienst, genauer in einem Polizeirevier in der Nähe des Wohnortes. Wenn er dann noch die Abschlussprüfungen besteht, ist er Polizeimeister. Das bedeutet zwei grüne Sterne auf der Schulter.
Streitschlichtung lernen
Seine Ausbildung begann er mit dem so genannten Grundkurs. Sechs Monate dauerte dieser Ausbildungsabschnitt noch bei Christian Lahn, für alle neuen Anwärter sind es mittlerweile neun Monate. Im Grundkurs büffelte der heute 24-Jährige die Grundlagen. „Man lernt zum Beispiel wie man mit Gesetzen arbeitet. Das ist am Anfang nicht so leicht. Es werden eben die Grundkenntnisse in verschiedenen Rechtsfächern vermittelt." Außerdem hatte er Unterricht in Deutsch, Französisch, lernte etwas über Berufsethik und Psychologie und musste im Einsatz- und Sporttraining seine körperliche Fitness unter Beweis stellen. Zusätzlich wurden die jungen Polizisten auch im so genannten „Situativen Handlungstraining" auf die Praxis vorbereitet. Ein Beispiel: „Ein Team spielt die Polizei und ein anderes ein Ehepaar, das sich streitet. In der Übung geht es darum, den Streit zu schlichten."
Diese Vorbereitung war wichtig, denn danach ging es für Christian Lahn für drei Monate in das erste von zwei Praktika im Polizeieinzeldienst. „Man hat einen Praxisausbilder, der sich um einen kümmert und einem alles erklärt. Ansonsten ist man ganz normal ein Teil der Dienstgruppe und fährt Streife." Es habe Spaß gemacht, sagt er und lacht: „Ich wollte gar nicht mehr weg." Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der Fall, als nachts ein Betrunkener anrief, nur um zu melden, dass er einen Dachs überfahren habe. „Dabei wollte er gar nicht, dass eine Streife vorbei kommt. Natürlich sind wir hingefahren und er begrüßte uns schon mit einem Glas Wein in der Hand." Das Ende vom Lied: Der Schein war wegen Fahrens unter Alkoholeinwirkung weg.
Vertiefung
Gerade ist Christian Lahn im sechsmonatigen Aufbaukurs. Dort werden die Inhalte des ersten Ausbildungsjahres vertieft. „Außerdem werden jetzt die schweren Delikte durchgenommen." Fing es im Grundkurs noch mit Themen, wie Diebstahl an, geht es jetzt um schwere Körperverletzung, auch mit Todesfolge. Danach macht er sein zweites Praktikum auf der gleichen Dienststelle, wieder für drei Monate. Alle neuen Anwärter werden sechs Monate im zweiten Praktikum verbringen.
Im anschließenden Abschlusskurs wird Christian Lahn noch ein halbes Jahr lang auf die Abschlussprüfung vorbereitet. Nach bestandener Ausbildung wird er In der Einsatzabteilung der Bereitschaftspolizei Dienst tun. „Hier kommen auf mich Einsätze zum Beispiel bei Demonstrationen und Fußballspielen zu." Mittelfristig wird Christian Lahn sich aber bestimmt für den gehobenen Dienst fortbilden: „Ich würde gerne zur Kripo gehen."

