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Erzieher

"Wirklich etwas bewegen"

Ursprünglich überlegte Alex Rädle (23) aus Mühldorf, ob er Medizin oder Jura studieren sollte. Aber nach einem Praktikum im Kindergarten änderte er seine Pläne. Heute steht er vor dem Anerkennungsjahr zum Erzieher und ist froh über seine Entscheidung.

Alex Rädle sitzt auf dem Fußboden: Er trägt hat lange dunkle Haare, trägt eine Brille und lächelt in die Kamera.

Alex Rädle hat Glück: männliche Erzieher werden gesucht.

Foto: Vähning

Vier- bis fünfjährige Kindergartenkinder sitzen im Stuhlkreis. Aufmerksam halten sie eine imaginäre Schachtel in der Hand. Sie können sie zwar nicht sehen, aber man merkt den Kindern an, dass sie trotzdem da ist: „Boom tschaka tschaka boom tschaka tschaka boom....“ singen die Kinder. Sie stellen sich vor, wie mit dem Rhythmus die Schachtel mal größer, mal wieder kleiner wird. Einige der Kinder „stecken“ die Schachtel nach dem Spiel in ihre Hosentasche. Die magische Box ist ein Dauerbrenner: „Auch wenn das Spiel schon lange vorbei ist, fragt plötzlich wieder ein Kind, welche Farbe hat deine Box, was ist bei dir drin?“ erzählt Alex Rädle. „Die Kinder überlegen sich neue, eigene Melodien und Texte. Das Spiel zeigt sehr gut, wie kreativ Kinder sind.“

Überzeugung ist alles

Aber nicht nur die Kreativität, auch die Spontaneität, die ihn jeden Tag mit etwas anderen überrascht, die Neugierde und die Reaktionen der Kinder, sind Gründe, warum sich der 23-Jährige für den Erzieherberuf entschieden hat: „In der elften Klasse habe ich ein Praktikum in einem Kindergarten absolviert und nach dem ersten Tag stand für mich fest, dass ich Erzieher werden möchte. Ich hatte sofort das Gefühl, hier kann ich etwas bewirken“, erinnert er sich. Die Reaktionen seines Umfelds waren gemischt, einige fanden seine Berufsentscheidung toll und zeigten Neugier. Andere hingegen verstanden nicht, wie man als Mann Erzieher werde will. Alex Rädle war es egal – er war überzeugt von seiner Wahl.

Die schulische Ausbildung ist nicht einheitlich geregelt, sondern unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Für Alex Rädle in Bayern dauert sie insgesamt fünf Jahre: Zwei Jahre sozialpädagogisches Seminar und damit die Ausbildung zum Kinderpfleger, anschließend zwei weitere Jahre Ausbildung zum Erzieher mit vielen Praktika plus einem Annerkennungsjahr, das sogenannte Berufspraktikum. Wegen seines Abiturs konnte er die zwei Jahre sozialpädagogisches Seminar auf ein Jahr verkürzen. Zurzeit befindet er sich kurz vor seinem Berufspraktikum.

Zukunftspläne reifen

Durch die zahlreichen Praktika, die der Azubi in unterschiedlichen Bereichen durchlaufen hat, haben seine Zukunftspläne konkretere Formen angenommen: „Anfangs war ich begeistert vom Kindergarten. Aber durch die Praktika, die wir ja auch in Kinderkrippen, Horten, heilpädagogischen Einrichtungen, Förderschulen, Jugendzentren oder Heimen absolvieren können, habe ich Einblicke in viele andere Bereiche gewonnen“, sagt er. Am wohlsten fühlt er sich in heil- oder sonderpädagogischen Einrichtungen, da dort intensiver mit den einzelnen Kindern gearbeitet werden könne und auch die Resonanz um ein Vielfaches höher sei als in einem herkömmlichen Kindergarten.

Dass Erzieher als typischer Frauenberuf gilt, stört Alex Rädle nicht: „Männer gehen anders mit Kindern um als Frauen, bringen einfach noch einmal eine andere Perspektive mit, da kann man sicherlich viel voneinander lernen“, meint er. Als Mann quasi „allein unter Frauen“ zu sein, bringe auch Vorteile: „Männliche Erzieher werden gesucht!“

Einziges Manko an seinem Beruf sei das niedrige Gehalt. „Das ist sehr schade, denn die Erzieherausbildung dauert sehr lange, ist sehr umfangreich und die Arbeit sehr anspruchsvoll“, sagt er. „Vielleicht hänge ich ja doch noch ein Studium an. Das sollte dann auf jeden Fall einen pädagogischen Schwerpunkt haben.“ Bessere Gehalts- und Karriereaussichten sind ein Grund für diesen Plan, aber vor allem eines: Überzeugung.

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