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Männer in Frauenberufen

Allein unter Frauen

Obwohl der eine oder andere Abiturient begeisterter Fußballtrainer ist oder bei der Wasserwacht eine Jugendgruppe leitet, kommt er bei seiner Berufswahl nicht auf die Idee, Grundschullehrer oder Erzieher zu werden: Warum eigentlich nicht?

Das Foto zeigt einen jungen Mann der mit Kindern auf Pflastersteinen malt.

Auch für Männer ein bunter Beruf: Erzieher.

Foto: Striegl

Männer, die in der Bauecke einen Streit zwischen Kindergartenkindern schlichten, oder Grundschülern beibringen, wie schriftlich subtrahiert wird, sind Exoten. Obwohl Experten seit Jahren betonen, wie wichtig männliche Vorbilder für Kinder in diesem Alter sind, liegt die männliche Erzieherquote bei nur drei Prozent. In den Grundschulen sieht es nicht anders aus: Von den insgesamt 73.040 Grundschullehrern waren laut Statistischem Bundesamt im Schuljahr 2008/09 gerade mal zehn Prozent männlich. Auch in anderen bei Abiturientinnen beliebten Ausbildungsberufen, die nicht in den erzieherischen Bereich fallen, wie zum Beispiel Medienkaufleute Digital und Print, Kaufleute für audiovisuelle Medien oder Marketingkommunikation liegt die Frauenquote laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) bei über 70 Prozent.

Typisch weiblich – typisch männlich

„Das Gros der Berufe lässt sich heute immer noch in typisch weiblich oder männlich unterteilen“, erklärt Britta Matthes, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. Von einem Männer- oder Frauenberuf spricht man dann, wenn der jeweilige Anteil des Geschlechts bei über 70 Prozent liegt. Die Zahlen des BIBB bestätigen ihre Aussage: Beispielsweise wurden im Jahr 2008 über 90 Prozent der Ausbildungsverträge zum/r „Fachinformatiker/in“ mit Männern abgeschlossen. Bei den neuen Ausbildungsverträgen zum/r „Reiseverkehrskaufmann/-kauffrau“ hingegen lag die Frauenquote bei 85 Prozent.

Auch studieren Männer andere Fächer als Frauen: „Ingenieurwissenschaften und Informatik sind eher eine Männerdomäne, wohingegen Frauen sich eher für Sozial- und Geisteswissenschaften, aber auch für Veterinärmedizin entscheiden“, zählt Britta Matthes auf. An diesem Bild habe sich in den vergangenen Jahren nichts Wesentliches verändert, ergänzt die Arbeitsmarktexpertin.

Viel Spekulation

Über die Gründe wird viel spekuliert: „Dass diese Trennung in Frauen- und Männerberufe darauf zurückzuführen ist, dass Männer stärker auf das Prestige eines Berufes schauen als Frauen, kann ich nicht bestätigen“, meint Britta Matthes. Es gäbe auch keine Indizien, dass Frauen bei der Berufswahl weniger auf das später erreichbare Gehalt oder auf die Karrieremöglichkeiten achten als Männer. Ein Grundschullehrer verdient in etwa genauso viel wie ein Ingenieur im öffentlichen Dienst. Vielmehr scheinen die Tätigkeiten selbst der Grund für die Berufswahl zu sein: „Männer interessieren sich stärker für Technik, Frauen dagegen eher für das Soziale“, so ihr Fazit.

Warum ist das so? Miguel Diaz ist Koordinator des Projektes „Neue Wege für Jungs", das im Jahr 2005 vom Bundesfamilienministerium gestartet wurde. Er macht kulturell verankerte Geschlechterstereotypen für die Aufteilung verantwortlich: „Erziehung und Pflege sind Bereiche, die Frauen zugeordnet werden, Bauen und techniknahe Berufe den Männern.“ Junge Männer würden dadurch in ihrer Berufswahl stark eingegrenzt. Wie sehr diese Stereotypen Männern im Weg stehen, weiß er aus Gesprächen mit Zivildienstleistenden: „Über den Zivildienst entdecken junge Männer oft Bereiche, die sie vorher für ihre Berufswahl gar nicht in Betracht gezogen haben.“

Leidenschaft statt Prestige

Ähnlich sieht es auch Uwe Siedentopf. Der Leiter einer Kindertagesstätte und selbst gelernter Erzieher engagiert sich beim bundesweiten Fachtag „Männer in Kitas“ und findet: „Was diesen Beruf so interessant macht, ist die Vielseitigkeit. Er deckt eine breite Altersstruktur ab, angefangen vom Kleinkind über die Drei- bis Sechsjährigen bis hin zu den zehnjährigen Schulkindern, die im Hort betreut werden.“ Wer sich für Entwicklungspsychologie interessiere, könne als Erzieher tagtäglich alle wichtigen Entwicklungsstufen beobachten und diese positiv mitgestalten, führt er aus. Die Gestaltungsspielräume sorgen auch dafür, dass der Beruf stets abwechslungsreich bleibt.

Gleichermaßen haben Erzieher auch Kontakt zu den Eltern. Da heute häufig beide Elternteile berufstätig sind, verbringen Kinder viel Zeit in der Kindertagesstätte. Erzieher nehmen eine größere Rolle im Leben der Kinder ein und gerade männliche Erzieher können für die Jungen zur Identifikationsfigur werden: „Man trägt eine hohe Verantwortung!“ betont Uwe Siedentopf.

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