Als Azubi Geschäftsführer werden
Aufträge annehmen, Geschäftsberichte schreiben, Mitarbeiter führen, Projekte erfolgreich abwickeln: Die Auszubildenden der Datev eG in Nürnberg können sich neben ihrer Ausbildung in der Juniorfirma JUBIT beweisen, so auch Felix Bogdanski (21) und Emilia Birk (22).
Bei der Datev-Tochterfirma JUBIT haben Auszubildende die Zügel in der Hand.
Foto: WillmyCC
Vierzig erwartungsvolle Augenpaare sind auf Felix Bogdanski (21) gerichtet. Sie gehören Sekretärinnen der Datev eG, die mehr zum Thema PC-Anwendungen erfahren möchten. Flipchart und Beamer stehen bereit, der Vortragende hat an alles gedacht. Es wirkt, als hielte ein IT-Experte ein Seminar für Bürofachkräfte. Aber: Felix Bogdanski ist Auszubildender im ersten Lehrjahr. „Es war schon eine besondere Erfahrung, vor gestandenen Mitarbeiterinnen zu referieren“, sagt der heute 21-Jährige rückblickend. Unterstützt von einem Coach hatte der angehende Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung das Seminar selbstständig vorbereitet und durchgeführt.
IT-Projekte und kaufmännische Aufgaben
Für vier Monate schlüpfte Felix Bogdanski in die Rolle eines eigenverantwortlichen Mitarbeiters der JUBIT – einer internen Tochterfirma der Datev eG, in der
Auszubildende die Zügel in der Hand haben. Die fünf Buchstaben stehen für die Worte „Jung, Unabhängig, Beständig, Innovativ, Teamorientiert“, und damit auch für Eigenschaften, die die Nachwuchskräfte dort entwickeln sollen. Alle Auszubildenden und Studierende der Datev machen deshalb für einige Monate Station bei der JUBIT. „Anders als in der regulären Ausbildung waren wir bei diesen Einsätzen ganz auf uns selbst gestellt“, resümiert Felix Bogdanski. „Das hat mich auch in Sachen Krisenmanagement enorm weitergebracht.“ Eine Herausforderung sei es zum Beispiel gewesen, als er eine Website mit einer komplett neuen Programmiersprache entwickelte. „Ich musste mich einarbeiten und der Zeitrahmen war knapp.“ Umso größer war die Freude, als er das Projekt erfolgreich beendete.
Inzwischen hat Felix Bogdanski das erste Lehrjahr fast abgeschlossen und startet zum Wintersemester seine Campuszeit. Denn: Er durchläuft ein Verbundstudium, also eine Kombination aus Berufsausbildung und begleitendem Hochschulstudium an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg zum Wirtschaftsinformatiker. Neben den großen Projekten, berichtet er, sei er in der JUBIT noch an anderen Aufgaben beteiligt gewesen, etwa der Installation und Optimierung von interner Firmen-Software. Insgesamt sechs Auszubildende wickeln jeweils die Aufträge ab, die von den verschiedenen Datev-Fachabteilungen an die Juniorenfirma vergeben werden. Das letzte Wort haben dabei die beiden JUBIT-Geschäftsführer. Einer ist für den IT-Bereich zuständig, der andere für die kaufmännischen Aktivitäten – beide sind Auszubildende wie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Verantwortung und Teamwork
Sich in der Führungsrolle üben, aber auch Teamfähigkeit trainieren, auch das gehört zum Konzept der JUBIT. „Es war zunächst schon etwas ungewohnt, dass ich keinen echten Abteilungsleiter mehr hatte und somit sehr viel Verantwortung selbst tragen mussten“, erzählt Emilia Birk. Aber diese Erfahrung hat sie gut auf die Anforderungen an die Azubis im weiteren Verlauf ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Dialogmarketing vorbereitet. Die 22-Jährige steht inzwischen kurz vor der mündlichen Prüfung.
„In der JUBIT wurde ich gleich zu Beginn meiner Ausbildung für einen Monat eingesetzt und dann, im zweiten Lehrjahr, nochmal für zwei Monate.“ Passend zu ihrem fachlichen Hintergrund war sie in Projekte zum Thema „Telefonie“ involviert.
„Aber nun ging es nicht mehr darum, nach Anweisung des Ausbilders Kunden anzurufen, sondern selbst die Abläufe zu organisieren.“ Bei einem Auftrag habe die Vorgabe zum Beispiel gelautet: Verschiedene Steuerberater anrufen und einen Info-Newsletter anbieten. „Im Team haben wir uns dann erst einmal Deadlines gesetzt, also festgelegt, zu welchen Terminen wie viele Telefonate erledigt sein sollten. Dann haben wir besprochen, wer telefoniert und wer an den anderen Aufträgen weiterarbeitet.“ Die Entscheidungsfreiheit sei sehr groß gewesen.
Die Auszubildenden wirken bei der JUBIT an verschiedenen Aufträgen mit, so auch Emilia Birk. „Manches war Routine wie das Aktualisieren und Kontrollieren von Stellenangeboten in verschiedenen Internetportalen, das kannte ich schon aus der Ausbildung. Es gab aber auch ganz andere Projekte.“ Sie sei zum Beispiel an der Planung und Verteilung von Fahrkarten eines Firmen-Abos des regionalen Verkehrsverbundes an die DATEV-Mitarbeiter beteiligt gewesen. „Dabei stand das Thema Koordination und Organisation im Vordergrund. Bei der Menge der zu verteilenden Firmen-Abos und den vielen Ausgabestandorten war eine strukturierte logistische Planung wichtig, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten."
Trotz des besonderen Anspruchs, darin sind sich Emilia Birk und Felix Bogdanski einig, waren die JUBIT-Projekte immer gut zu bewältigen. „Man wächst mit den Anforderungen“, sagt die Kauffrau für Dialogmarketing, „außerdem hatten wir ja immer unsere Ausbilder als Ansprechpartner.“ Nach der Ausbildung möchte sie noch Wirtschaftswissenschaften studieren und möglichst als Werkstudentin weiterhin bei der Datev arbeiten. Auch Felix Bogdanski möchte im Unternehmen bleiben. Für ihn stehen nun noch das dritte Lehrjahr und vier weitere Semester bis zum Bachelor an. In der JUBIT hat es ihm gut gefallen. „Es war eine sehr interessante Erfahrung. Jeder Auszubildende, der die Möglichkeit dazu hat, sollte einmal in einer Juniorenfirma arbeiten.“






