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„Ein Thema in sämtlichen Berufen“

Das 3D-Modell eines Hauses ist auf dem Bildschirm eines Tablets zu sehen.
Der Einsatz von digitalen Elementen gewinnt in den verschiedensten Berufsfeldern immer mehr an Bedeutung.
Foto: Martin Rehm

Digitalisierung in der Berufsbildung – Interview

„Ein Thema in sämtlichen Berufen“

Wie wird die berufliche Bildung in Zukunft aussehen? Was hat sich durch die Digitalisierung bereits verändert und wo besteht noch Nachholbedarf? Diese und weitere Fragen beantwortet Torben Padur, Leiter des Arbeitsbereichs „Gewerblich-technische Berufe“ beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

abi>> Herr Padur, wie ist der aktuelle Stand der Digitalisierung bei den Ausbildungsberufen?

Torben Padur: Alle Ausbildungsberufe sind vom digitalen Wandel betroffen. Es gibt allerdings Berufe mit einer größeren Nähe zur Industrie 4.0 – etwa den Mechatroniker oder Fachinformatiker – und solche, die etwas weiter weg sind, weil die Digitalisierung bei den Aufgaben eine weniger große Rolle spielt. Einige Berufe wiederum sind schon weitaus stärker digitalisiert, als manche vermuten würden.

abi>> Welche Berufe meinen Sie zum Beispiel?

Ein Porträt-Foto von Torben Padur

Torben Padur

Foto: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Torben Padur: Etwa den Landwirt. Das Cockpit einer modernen Erntemaschine erinnert heute eher an einen Airbus als an einen nostalgischen Traktor. Noch mehr damit zu tun haben die Land- und Baumaschinenmechatroniker, die solche Maschinen warten und instand setzen und dabei mit komplexen Steuerungs- oder Diagnosesystemen umgehen müssen. Ein weiteres Beispiel wären Berufe im Gesundheitswesen wie der Orthopädietechnik-Mechaniker. Hier wandeln sich die Inhalte stark. So werden zum Beispiel 3-D-Scans angefertigt, um Prothesen oder Orthesen kundengerecht herstellen zu können. Bei Anlagenmechanikern für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, die entsprechende Installationen im Einfamilienhaus machen, ist das Thema „Smart Home“ zunehmend von Bedeutung. Auch im Handwerk haben wir bereits hochdigitalisierte Berufe.

abi>> Inwieweit unterscheiden sich die Ausbildungsbetriebe bei der Digitalisierung?

Torben Padur: Bei der betrieblichen Entwicklung verzeichnen wir eine große „Ungleichzeitigkeit“. Einige Unternehmen sind regelrechte Vorreiter in Sachen Industrie 4.0, andere bewegen sich eher noch an der 3.0-Schwelle. Beides lassen Ausbildungsordnungen durch technikoffene Formulierungen zu. So sind Betriebe zum Beispiel nicht in der Breite der Berufe dazu verpflichtet, Arbeitsmittel wie Tablets einzusetzen.

abi>> Hier sehen Sie also noch Nachholbedarf?

Torben Padur: Ein Teil der Betriebe hat die Chancen durch Digitalisierung bereits erkannt und entsprechende Maßnahmen im Bereich der Wertschöpfung und Arbeitsorganisation getroffen. Dennoch gibt es eine Vielzahl von Betrieben, die sich noch auf dem Weg zu einem vernetzten Unternehmen befinden. Unser Ziel ist es daher, auch kleinere Betriebe in abgelegenen Regionen zu erreichen.

abi>> Vermutlich sieht es auch bei den Ausbildungsverantwortlichen unterschiedlich aus?

Torben Padur: Das ist richtig. Dies gilt für das Bildungspersonal an allen Lernorten, also im Betrieb, in der Berufsschule und an anderen überbetrieblichen Lernorten. Auch hier sind einige weit voraus mit der Umsetzung der Digitalisierung – genauso gibt es diejenigen, die an bewährten Ausbildungsmodellen festhalten möchten. Hier sehen wir eine zentrale Aufgabe für unser Institut. In einer breiten Qualifizierung des Bildungspersonals möchten wir für das Thema sensibilisieren und entsprechende Angebote zur Qualifizierung, wie eine Zusatzqualifikation für Ausbilder, entwickeln. Einige Berufsschulen sind schon bestens aufgestellt, und in vielen Bundesländern gibt es Förderinitiativen für die Berufsschule 4.0. So wurden etwa in Baden-Württemberg ausgewählte Bildungseinrichtungen zu „Lernfabriken 4.0“ umgestellt.

abi>> Wie wird die berufliche Bildung in Zukunft aussehen?

Torben Padur: Genau lässt sich das natürlich nicht vorhersagen, aber wir wissen, dass die digitale Entwicklung unheimlich schnell voranschreitet. Es kommt dabei zu Verschiebungen bei einigen Ausbildungsberufen, so benötigen etwa Mechatroniker immer mehr IT-Kompetenzen, um eine Maschine instand setzen zu können. Es stellt sich die Frage nach neuen Berufsbildern. Bisher sind wir aber noch gut aufgestellt und es gilt, die vorhandenen Berufe für die Digitalisierung fit zu machen. Doch es gibt auch bereits komplett neue duale Ausbildungsberufe. So wurde 2008 der Beruf des Produktionstechnologen neu geschaffen, um den immer komplexeren und digitalisierten Produktionsabläufen gerecht zu werden. (Hier wird auf die Reportage verlinkt.) Speziell für den Online-Handel gibt es ab 2018 den neuen Beruf „Kaufmann/-frau für E-Commerce“. Man darf also auf die weiteren Entwicklungen gespannt sein.

abi>> 05.02.2018

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