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Ausbildung 4.0: Moderne neue Arbeitswelt

Die Veranstaltungstechnikerin im Licht-Regieraum, wo sie die Beleuchtung während einer Aufführung kontrollieren kann und für die jeweiligen Szenen wechselt.
Auszubildende zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik erlernen in den verschiedenen Abteilungen neben einigen rechtlichen Aspekten vor allem die verschiedenen technischen Komponente der Branche.
Foto: Frank Pieth

Digitalisierung in der Berufsbildung – Hintergrund

Ausbildung 4.0: Moderne neue Arbeitswelt

Selbstfahrende Autos, Drohnen und 3-D-Drucker: Die vierte industrielle Revolution ist in vollem Gange. Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt und wirkt sich auch auf Berufsbilder und die betriebliche Gestaltung der Ausbildungen aus.

Elisabeth Müller (20) setzte bereits bei ihrer Fachhochschulreife einen Schwerpunkt auf Technik. „Bei der Auswahl eines Berufes war es mir sehr wichtig, diesen technischen Hintergrund nicht zu verlieren.“ Mit der Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik bei der Messe München fand sie genau das Richtige. „Der Beruf umfasst das Veranstaltungsgeschäft, aber auch technische Aspekte“, erklärt sie. „Das macht es spannend, herausfordernd und abwechslungsreich zugleich.“

Umgang mit neuester Veranstaltungstechnik

Ein Porträt-Foto von Elisabeth Müller

Elisabeth Müller

Foto: Messe München

Während ihrer Ausbildung durchläuft Elisabeth Müller verschiedene Abteilungen. Im technischen Ausstellerservice lernt sie, wie Kunden in technischer Hinsicht bei ihrer Messeplanung unterstützt werden und welche rechtlichen Rahmenbedingungen dabei relevant sind. „Außerdem habe ich bereits Einblicke in die speziell auf die Messe München zugeschnittene Software MCAD erhalten“, berichtet sie. „Damit werden Hallenpläne gezeichnet und die Stände der Aussteller platziert.“ Mit der neuesten Technik setzt sie sich auch in anderen Abteilungen auseinander, seien es moderne Beschallungsanlagen, Flatscreens, Laptops und Beamer im Konferenzraum-Service oder die moderne Veranstaltungstechnik im Internationalen Congress Center. „Mit den neu angeschafften Licht- und Tonmischpulten, Lampen und tontechnischen Geräten zu experimentieren und kleine Veranstaltungen eigenständig aufzubauen, macht mir besonders viel Spaß“, sagt die junge Frau. In der Berufsschule lernt sie unter anderem, wie es im Inneren dieser Mischpulte, Lampen und Mikrofone aussieht. „Auch dort dürfen wir verschiedenste Veranstaltungstechnik ausprobieren, etwa das schuleigene Tonstudio und die Bühne in der Aula, auf der wir den Auf- und Abbau für imitierte Veranstaltungen selbst koordinieren und durchführen.“

Inzwischen ist Elisabeth Müller im zweiten Ausbildungsjahr und profitiert von einer Veränderung: Dieser Ausbildungsberuf wurde zum August 2016 neu geordnet, entsprechend dem Wandel in der Arbeitswelt. Mit der Netz- und Medientechnik sind neue technische Aspekte in den Rahmenplan eingezogen. Der Bereich Elektrotechnik wurde erweitert und ist nun auch eigenständiges Prüfungsfach. Hintergrund ist, dass Fachkräfte für Veranstaltungstechnik auch als Elektrofachkräfte eingesetzt werden können.

Digitalisierung als Thema in allen Berufen

„Die Digitalisierung ist bereits in allen Ausbildungsberufen ein Thema“, sagt Torben Padur, Leiter des Arbeitsbereichs „Gewerblich-technische Berufe“ beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). „Dabei sprechen wir zum einen von Veränderungen bei den Tätigkeiten selbst, bedingt durch die fortschreitende Automatisierung von Produktionsprozessen oder etwa den Einsatz digitaler Medien wie zum Beispiel Tablets oder virtuellen Datenbrillen. Zum anderen wandelt sich die betriebliche Ausbildungsgestaltung. Zunehmend werden in Ausbildungen auch digitale Lernmittel eingesetzt. Dies betrifft nahezu alle Ausbildungsberufe, ist aber je nach Beruf und Betrieb unterschiedlich ausgeprägt.“

Das hängt nicht zuletzt von den Aufgaben ab. So haben etwa Mechatroniker per se mehr mit digitalen Prozessen zu tun als beispielsweise Köche oder Friseure. „Doch auch in den traditionell eher weniger digitalen Berufen hat sich schon einiges verändert“, ergänzt der Experte, der beim BIBB auch das Thema „Berufsbildung 4.0“ verantwortet. „So werden in einigen Betrieben unter anderem Tablets bei Kundenberatungen eingesetzt, um zum Beispiel beim Optiker zu zeigen, wie jemandem eine bestimmte Brille steht. Maler und Lackierer machen heute teils ihre Raumgestaltung mit digitalen Mitteln, indem sie beispielsweise in Simulationen Wandbeläge und Farben an die Wände projizieren.“

Mit dem digitalen Wandel mithalten

Der Einsatz digitaler Medien bringt Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich. (mehr dazu auch im Interview "Ein Thema in schriftlichen Berufen") „Um mithalten zu können, sind neben einer großen Affinität zur Technik ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten erforderlich“, benennt Torben Padur die Anforderungen für Auszubildende. „Auch das Tempo der digitalen Veränderungen setzt Maßstäbe. Es gilt, sich in einer immer schneller wandelnden Arbeitswelt handlungsfähig bewegen zu können.“

Auf der zweiten Ebene macht sich die Digitalisierung durch innovative Lernmittel und -methoden bemerkbar. „Vor allem größere Unternehmen entwickeln eigene Web Based Trainings oder Lernvideos für ihre Auszubildenden, setzen gezielt Tablets und Smartphones mit Lern-Apps ein, um Inhalte zu vermitteln. Auch in den Berufsschulen ändert sich einiges in Sachen Ausstattung und digitales Lernen.“ Grundsätzlich sind angehende Auszubildende gut darauf vorbereitet. „Die meisten jungen Menschen sind mit digitalen Medien bestens vertraut.“ Zur Vorbereitung auf das Berufsleben hat Torben Padur einen Tipp: „Smartphones und Co. lassen sich hervorragend als Lernmittel nutzen, etwa indem man Erklärvideos auf YouTube schaut. Früher fragte man Bekannte, heute sucht man im Internet gezielt nach Lösungen. Dabei gilt es, diesen Effekt in einen beruflichen Zusammenhang zu bringen.“

Jungen Menschen, die bereits eine Ausbildung begonnen haben und sich parallel dazu weiterbilden möchten, empfiehlt der BIBB-Experte zudem, frühzeitig auch von bestehenden Weiterbildungsmöglichkeiten im eigenen Berufsbereich Gebrauch zu machen. „Lebenslanges Lernen ist gerade in Zeiten des digitalen Wandels wichtiger denn je. Doch bereits eine duale Berufsausbildung mit der Verbindung von Praxis und Theorie bringt einen weiter“, betont er. „Oft sind auch Betriebe, bei denen man es nicht unbedingt erwarten würde, gut digitalisiert und probieren früh neue Technologien aus. Hier eröffnen sich oft tolle Karrierewege.“

Hightech im Handwerk

Entsprechend optimistisch äußert man sich beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH): „Früher ging es mit Zollstock und Aufmaß auf die Baustelle – heute kommen Laser und Laptop zum Einsatz, dazu noch eine passende App. Die Digitalisierung ist im Handwerk angekommen, sei es bei der Steuerung von Präzisionsmaschinen, in den Geschäftsmodellen oder in den Arbeitsprozessen.“ Mehr als die Hälfte aller Betriebe setzt demnach Software-Lösungen ein, um betriebliche Abläufe zu steuern. Jeder vierte Handwerksbetrieb nutzt digitale Technologien wie beispielsweise 3-D-Drucker zur Herstellung von Produkten.

Der Umgang mit digitalen Technologien will jedoch gelernt sein. „Er muss bereits in den Schulen vermittelt werden und sich in der Aus- und Weiterbildung in den Betrieben fortsetzen, um beispielsweise an plattformgesteuerten Bauvorhaben teilnehmen oder das „Smart Home“ installieren und fernwarten zu können“, äußert sich der ZDH.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen.
https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Die Berufsbildung der Facharbeiter, Fachangestellten, Gesellen und Meister steht im Mittelpunkt der Forschungs- und Dienstleistungsarbeit des BIBB.
www.bibb.de

AusbildungPlus

Bundesweiter Überblick über Ausbildungsangebote mit Zusatzqualifikation und duale Studiengänge
www.ausbildungplus.de

abi>> 05.02.2018

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