Offen kommunizieren
Man arbeitet zum ersten Mal in einem Betrieb. Klar, dass es da zu Problemen kommen kann. Frank Markus Ziemer, stellvertretender Geschäftsführer der IHK Frankfurt am Main, gibt Tipps, wie man sie am besten bewältigt.
Rechtzeitig und offen kommunizieren hilft dabei ein gutes Arbeitsklima zu schaffen und erhalten. Foto: Getty Images
abi>>: Mit welchen typischen Problemen werden Jugendliche zu Beginn ihrer Ausbildung konfrontiert?
Frank Markus Ziemer: Der Übergang von der Schule in den Beruf bedeutet eine große Umstellung. Im Vergleich zur Schule herrschen im betrieblichen Alltag absolute Regeln. Man muss früher aufstehen und pünktlich am Ausbildungsplatz erscheinen. Es besteht Anwesenheitspflicht über einen ungewohnt langen Arbeitstag. Die geschützte Atmosphäre der Klassengemeinschaft wird abgelöst durch fremde und sehr unterschiedliche Mitarbeiter.
abi>>: Welche typischen Konflikte mit Kollegen beziehungsweise Vorgesetzten können auftreten?
Frank Markus Ziemer: Man fängt als „kleiner“ Azubi an und muss sich von anderen etwas sagen lassen – und dies auch ausführen. Die persönliche Freiheit wird erheblich eingeschränkt. Es kann Probleme mit der Anrede geben. Zum Beispiel, wenn man Arbeitsaufträge erhält, die man angeblich schon beherrscht und deren Sinn man in Frage stellt. Wichtig ist hier, offen und höflich mit dem direkten Ausbilder zu sprechen und sich gut zu informieren.
abi>>: Was kann man tun, wenn man sich überfordert fühlt?
Frank Markus Ziemer: Auch hier gilt: Rechtzeitige Kommunikation ist alles. Man sollte die Fakten notieren und dann das Gespräch mit Ausbildungsbeauftragten, dem Ausbilder, der Personalleitung oder dem Lehrer suchen. Wenn dies nicht hilft, ist der Berater der zuständigen Stelle, beispielsweise IHK oder Handwerkskammer ein neutraler Gesprächpartner, der vermittelnd tätig wird. Er ist zur Verschwiegenheit verpflichtet und kann ins Vertrauen gezogen werden.
abi>>: Welche Verhaltensweisen empfehlen Sie, um die ersten Monate im Betrieb optimal zu bewältigen?
Frank Markus Ziemer: Eine offene, angemessene Kommunikation ist der Grundstein für ein gutes Miteinander. Man sollte Interesse und Eigeninitiative zeigen. Vieles muss man sich auch selbst erarbeiten. Bei Problemen auch mal die Position des anderen einnehmen und versuchen, dessen Handlungsweise zu verstehen. Denke daran, dass es auch Pflichten gibt und nicht nur Rechte. Treten Probleme auf, nicht warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist, sondern gezielt und frei von Emotionen darüber sprechen. Dann müsste es klappen mit der Ausbildung, auch nach den ersten Monaten.





