Ist das Ist so klimafreundlich wie das Soll?
Ist es wirklich ein Weltrekord? Der Gebäudekomplex der juwi Gruppe in Wörrstadt soll das energieeffizienteste Bürogebäude der Welt sein. Falko Büsing überprüft das für seine Diplomarbeit im Studiengang Umwelttechnik und sucht zugleich nach Möglichkeiten, die Energiebilanz des Gebäudes weiter zu verbessern.
Juwi will so umweltfreundlich wie möglich wirtschaften. Falko Büsing soll dabei helfen.
Foto: juwi AG
„Ich evaluiere und verifiziere für das gesamte energietechnische Konzept des Gebäudes, ob die angestrebten Ziele tatsächlich erreicht werden", erklärt Falko Büsing. Für juwi sind seine Ergebnisse mehrfach interessant. Das Unternehmen will so umweltfreundlich wie möglich wirtschaften und in weiteren Bauten bewährte Anlagen einsetzen.
Im vergangenen Sommer hat die juwi-Gruppe ihre Firmenzentrale bezogen, die so ressourcen- und klimaschonend wie möglich geplant und ausgestattet wurde. Das Holzgebäude, in dem rund 300 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz haben, ist nach den Standards für Passivhäuser gedämmt und wird mit Energie aus regenerativen Quellen versorgt. Eigenes Erzeugen und sparsames Einsetzen von Energie sollen den Verbrauch von Strom, Wärme und Kühlung so gering halten, dass die jährlichen Kosten nur etwa zwei Euro pro Quadratmeter betragen.
Solarstrom und sensorengesteuertes Licht
„Das Spannende ist, dass hier so viele verschiedene und ganz neue Technologien im Gebäude sind. Sich da so richtig energisch und tief einzuarbeiten macht schon Spaß", sagt Falko Büsing und nennt einige Komponenten: Auf und an dem Gebäude erzeugen mehrere Anlagen Solarstrom, geheizt wird mit Hilfe von Bioenergie und alle organischen Abfälle werden zu Biogas vergoren. „Spannend sind auch die Managementsysteme, die das alles steuern und regeln. Zum Beispiel wird die Innenraumbeleuchtung durch Sensoren innerhalb und außerhalb des Gebäudes an den Lichtbedarf angepasst. So spart man Energie. Die Lüftungsanlage funktioniert nach dem gleichen Prinzip", erzählt der Umwelttechnik-Student, der am Rüsselsheimer Standort der Fachhochschule Wiesbaden eingeschrieben ist.
Seit Dezember protokolliert er für die einzelnen Anlagen, wie viel Energie sie pro Tag, Woche oder Monat liefern und verbrauchen. Diese Ist-Daten vergleicht er mit den Soll-Werten. Das sind die Werte, die vor dem Bau der juwi-Firmenzentrale für die einzelnen Anlagen berechnet wurden. „Im Studium haben wir zwar viele Projektarbeiten erledigt, aber mein Vorgehen bei der Diplomarbeit habe ich im Grunde völlig selbst konzipiert." berichtet Falko Büsing. Anfang Juni muss der 25-Jährige die Diplomarbeit abgeben.
Der Student ist schon länger mit juwi verbunden. Vor zwei Jahren hat er sein berufspraktisches Semester im Unternehmen absolviert. Damals arbeitete er bei der Planung und Realisierung von Wind- und Bioenergieanlagen mit. Und schon während des Praktikums wurde er gefragt, ob er nicht Interesse hätte, studentische Aushilfsjobs zu übernehmen und auch seine Diplomarbeit bei juwi zu schreiben. Für Falko Büsing war das schon geografisch naheliegend - er stammt aus der Nähe von Mainz und studiert in Rüsselsheim.
Naheliegend war die Arbeit bei juwi aber vor allem, weil sie genau die Interessen des Studenten trifft: „Für Umwelttechnik und gerade für regenerative Energien habe ich mich schon immer interessiert", berichtet er. Deshalb hat er sich auch für den Studiengang Umwelttechnik entschieden. Dieser verbindet unter anderem naturwissenschaftliche und technische Disziplinen mit Energieplanung, Umweltplanung, Arbeitsschutz und EDV und bereitet seine Studierenden mit dieser Mischung auf eine Vielzahl von Einsatzgebieten vor, so dass sich Falko Büsing genauso in planungsrechtliche Probleme einarbeiten kann wie in die Auswertung von Messwerten.
Ideale Voraussetzungen also für seine Diplomarbeit. „Ich habe mir hier in der Firma und an der FH jeweils einen Betreuer gesucht, mit denen ich mich zusammengesetzt und das Thema festgelegt habe. Und das hat wunderbar funktioniert." Ob es mit einem Einstieg als fester Mitarbeiter bei juwi nach dem Diplom auch so gut klappt? „Ich hoffe doch", meint der angehende Diplom-Ingenieur.

