Schrittweise größere Aufgaben
Schon seit seiner Kindheit interessiert sich Benjamin Liebens (24) für die Luftfahrt. Kein Wunder also, dass er sich nach dem Abitur für den Ausbildungsberuf "Elektroniker für luftfahrttechnische Systeme" bei der Lufthansa Technik in Frankfurt entschieden hat.
Im zweiten Lehrjahr als Elektroniker gehts vielleicht ins Ausland. Dann natürlich per Flugzeug mit der Lufthansa.
Foto: Jens Görlich
Vor der Zusage für den Ausbildungsplatz musste Benjamin Liebens aber noch einige Herausforderungen bestehen. „Das Bewerbungsverfahren begann mit einem Online-Test, in dem vor allem technisches Verständnis, Englisch und Mathematik abgefragt wurden“, berichtet der Auszubildende. Kurze Zeit später bekam er Post. „Über die Einladung zum ersten persönlichen Test habe ich mich besonders gefreut. Dabei ging es um dieselben Themen, die aber nun unter Aufsicht bearbeitet werden mussten.“ Es folgten Gruppen-Tests, eine Prüfung, in der praktische Kompetenzen unter Beweis gestellt werden mussten sowie das abschließende Vorstellungsgespräch.
Handgriffe an der Bordelektronik
Das erste Lehrjahr hat Benjamin Liebens nun bald geschafft. Je vier Wochen verbringt er im Betrieb, je zwei weitere in der Berufsschule. Mit Flugzeugen hatte er anfangs gar nicht zu tun. „Zunächst mussten wir uns die Grundlagen der Metallbearbeitung und der Elektrotechnik aneignen. Deshalb haben wir zum Beispiel erst einmal Löten gelernt und dies an verschiedenen Schaltungen auf Platinen geübt.“ Erst vor kurzem kam der für ihn ganz besondere Tag: er arbeitete zum ersten Mal an der Bordelektronik. „Wir haben mit ganz kleinen Aufgaben begonnen, ein paar Glühlampen im Cockpit tauschen, zum Beispiel. Aber es ist immer eine große Sache, tatsächlich an einem Jumbojet arbeiten zu können.“
Noch überwacht der Ausbilder alle Schritte der angehenden Elektroniker für luftfahrttechnische Systeme. „Wir erhalten einen Auftrag, der dann in der Gruppe durchgeführt wird“, erklärt der Azubi. Sein Arbeitsplatz ist die 28.000 Quadratmeter große Wartungshalle. „Wir sind im Moment ausschließlich mit Wartungsarbeiten an der Boeing 747 beschäftigt. Für diesen Flugzeugtyp ist unser Ausbilder zertifiziert, der unsere Arbeiten überwacht.“ In diesem Beruf arbeitet man in der Regel mindestens zu zweit, wie in allen Positionen, die die Flugsicherheit betreffen. „Teamfähigkeit und Verlässlichkeit gegenüber den Kollegen sind ein klares Muss. Diese Soft Skills werden daher schon im Aufnahmeverfahren getestet“, erinnert sich Benjamin Liebens. Echtes Interesse und die Fähigkeit, Dinge konzentriert bis zum Ende durchführen zu können, hält er ebenfalls für sehr wichtig. „Man kann nicht den Schraubenschlüssel fallen lassen und sagen: Jetzt ist Pause, ich geh dann mal.“
Gute Übernahmechancen
Schritt für Schritt erweitert sich der Spielraum für Benjamin Liebens. „Ab dem zweiten Lehrjahr kann zum Beispiel der Schichtdienst hinzukommen und der Einsatz in Teams, wo anstelle des Ausbilders ein Wartungsmechaniker oder Elektroniker das Sagen hat, mit dem man dann eng zusammenarbeitet. Da geht es auch schon um größere Aufgaben, wie zum Beispiel das Wechseln von Cockpit-Instrumenten“.
Außerdem hofft er auf ein besonderes Bonbon: „Manche erhalten im zweiten Lehrjahr das Angebot, für einige Wochen ins Ausland zu gehen, um an einem anderen Standort der Lufthansa Technik zu arbeiten.“ Bei überdurchschnittlich guten Ergebnissen stünden auch die Übernahmechancen sehr gut. „Das ist eine tolle Perspektive, weil man dann relativ zügig weitere Qualifikationen erlangen kann.“





