Gesucht: Köpfe mit frischen Ideen
In der Konsumgüterindustrie kämpfen Unternehmen um Marktanteile. Gefragt sind Einsteiger, die trotz Preis- und Kostendruck mit neuen Ideen und Konzepten die Kauflust der Kunden wecken können.
Christian Bläser betreut im Außendienst Supermärkte.
Foto: Kokot
Zur Konsumgüterbranche gehören alle Unternehmen, die Güter für den privaten Konsum herstellen, angefangen bei Schmuck- und Kosmetikproduzenten, über die Textil- und Bekleidungsindustrie und Möbelhersteller sowie Produzenten von Elektrogeräten bis hin zu Lebensmittel- und Süßwarenunternehmen. Unterschieden wird zwischen Fast Moving Consumer Goods, also Produkten, von denen in kurzer Zeit große Mengen verkauft werden – dazu gehören Nahrungs- und Genussmittel und Non-Food Produkte wie Pharma- und Reinigungsmittel – und den Slow Moving Consumer Goods. Das sind Produkte wie Kleidung, Möbel oder Elektrogeräte, die nicht so häufig und meistens nicht so spontan gekauft werden.
Und so vielfältig wie die Produkte der Branche sind auch die Jobs. Gesucht werden laut einer abi>> Umfrage unter mehreren Unternehmen der Branche beispielsweise Wirtschaftswissenschaftler für Vertrieb und Marketing, für die Trend- und Marktforschung, die Logistik und das Supply Chain Management. Bei adidas und Puma gibt es einen großen Einstellungsbedarf im Design-Bereich, Coca-Cola sucht neben Wirtschaftswissenschaftlern auch Ingenieure der Fachrichtungen Verfahrens- oder Lebensmitteltechnik, des Maschinenbaus oder der Getränketechnologie, aber auch Wirtschaftsinformatiker und Psychologen. Chemiker und Biologen können bei Henkel einsteigen und Ikea ist auch offen für Geisteswissenschaftler, Juristen, Sozialpädagogen oder Architekten.
Aber egal ob adidas, Henkel oder Procter&Gamble – den größten Einstellungsbedarf gibt es laut abi>> Befragung im Bereich Marketing. Dahin will auch Christian Bläser. Der Wirtschaftswissenschaftler ist momentan Trainee im Vertrieb und Marketing bei Griesson - de Beukelaer. Im Außendienst betreut der 30-Jährige Supermärkte von Bonn über Zell an der Mosel bis tief in die Eifel und den Westerwald hinein. In den Märkten vor Ort spricht er gemeinsam mit dem jeweiligen Marktmanager Zweitplatzierungen ab – also ob und wenn ja, wo einzelne Artikel seines Arbeitgebers noch an einem zweiten Standort platziert werden –, er optimiert Süßgebäckregale, verteilt Neuprodukte und ist für die Entwicklung des Umsatzes verantwortlich.
Krisensicher
Die Branche ist relativ krisensicher, wie die Studie „2010 Global Powers of Consumer Products Industry“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte über die weltweit größten Konsumgüterunternehmen im Januar 2010 bestätigt: So sind die Umsätze trotz Krise insgesamt schwach gestiegen oder stagnierten, nur in einigen Segmenten fielen sie. Insgesamt konnten die europäischen Konsumgüterunternehmen laut der Deloitte-Studie im Jahr 2008 ein Umsatzwachstum von 5,7 Prozent verzeichnen. Am stabilsten zeigte sich die Lebensmittel-, Alkohol- und Tabakbranche. Aber auch der deutschen Süßwarenindustrie, die rund 50.000 Mitarbeiter beschäftigt, geht es gut: „Die Süßwarenbranche erweist sich auch in Krisenzeiten als relativ stabil und bietet daher weitgehend sichere Arbeitsplätze“, sagt Ernst Kammerinke, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie.
Aber trotz aller Krisenfestigkeit kämpft die Konsumgüterbranche seit Jahren mit sinkender Markentreue. Daher stehen im Wettbewerb um die Kauflust des Kunden Mitarbeiter im Marketing, im Vertrieb sowie in der Produktentwicklung an vorderster Front. Sie sollen mit trendigen Produktneuheiten und pfiffigen Marketingstrategien Kunden binden. Da sich die Käufer heute nicht nur zwischen Regalen und TV- und Zeitschriften-Werbung bewegen, sondern auch in der digitalen Welt, treten einige Unternehmen über Plattformen wie Facebook und Youtube mit ihren Kunden in Kontakt: „Es ist uns wichtig, dass Bewerber für den Bereich Marketing eine Affinität zu Web 2.0 Themen mitbringen. Sie sind es schließlich, die die strategischen und inhaltlichen Entscheidungen für diese Kommunikationskanäle treffen sollen – die technische Umsetzung solcher Projekte übernimmt die IT“, heißt es bei der adidas Group. Auch Lars Wagener, Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing bei Griesson – de Beukelaer, betont: „Anders als vielleicht in Großkonzernen erwarten wir, dass die Ärmel hochgekrempelt und eine große Nähe zu Kunden und Endverbrauchern gesucht wird.“
Aber egal, ob man im Marketing oder einem anderen Bereich einsteigen möchte: Die meisten Unternehmen der Branche sind international tätig. In der Folge legen fast alle, auch mittelständische, Wert auf gute Englisch-Kenntnisse. Für Jela Götting, Personalleiterin bei der adidas Gruppe, ist außerdem neben guten bis sehr guten Studienleistungen und einer Leidenschaft für den Sport auch die Motivation der Bewerber entscheidend: „Wir möchten sehen, wie ein Bewerber sich von den anderen unterscheidet und aus welchen Gründen er sich gerade für uns entschieden hat.“ Für alle Bewerber gilt: Bachelorabsolventen, die während ihres Studiums Praxiserfahrung gesammelt haben, kommen für den Direkteinstieg in Frage. Programme für den Führungsnachwuchs erfordern jedoch ein abgeschlossenes Masterstudium. Für Beate Mini, Personalerin bei IKEA, gilt aber Persönlichkeit vor Abschluss: „Wichtig ist uns, dass sich Bewerber mit vielen unserer Werte identifizieren können.“




