Schlüsselbranche dank Reiselust
Die Deutschen sind reisefreudig und in ihrer Freizeit aktive Menschen, was auch die stabilen Wachstumszahlen der Branche belegen. Gute Arbeitsmarktchancen gibt es für Absolventen praktisch aller Fachrichtungen.
Italien gehört zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen.
Foto: Möller
Zwei Tage war Katharina kleine Kalvelage mit dem Rad entlang der Ems zwischen Papenburg und Emden unterwegs. Die 28-jährige Projektassistentin hat im Auftrag von Kommunen an der Konzeption eines „Kreuzfahrtwegs“ mitgearbeitet, um auf das wachsende Interesse an den Überführungen der Kreuzfahrtschiffe, die auf der Meyer-Werft in Papenburg gebaut werden, zu reagieren. „Die Besucher können sich an insgesamt zehn Stationen über die Überführung der Kreuzfahrtschiffe sowie über die touristischen Angebote in der Umgebung informieren“, erzählt Katharina kleine Kalvelage.
Sie arbeitet beim Bremer Unternehmen Petri & Tiemann GmbH, das Städte, Kommunen und Unternehmen bei der Entwicklung von Besucherattraktionen berät. Wie man Machbarkeitsstudien erstellt, hat sie während ihres internationalen Diplomstudiums Freizeitwissenschaft an der Hochschule in Bremen gelernt. Im siebten Semester bewarb sie sich für ein praxisbegleitendes Projekt bei der Agentur, schrieb dort später ihre Diplomarbeit und stieg dann als Projektassistentin ein.
Stabile Branche
Die Publikation „Freizeitwirtschaft. Die Leitökonomie der Zukunft“ spricht von insgesamt sechs Millionen Beschäftigten, die in Tourismus, Medien, Kultur, Sport und Entertainment tätig sind. Der Tourismus ist das größte Teilgebiet davon. Laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) arbeiten rund 2,8 Millionen Beschäftigte in Deutschland in der Tourismusbranche, die mit ihren rund 11.000 Reisebüros und über 2.500 Reiseveranstaltern vorwiegend mittelständisch geprägt ist.
Die Deutschen reisen gerne – und Deutschland selbst ist das beliebteste Reiseziel. „Reiselust statt Krisenfrust“ titelt daher die Stiftung für Zukunftsfragen (SfZ) ihre aktuelle Tourismusanalyse. Die Tourismusbranche präsentiert seit Jahren stabile Wachstumszahlen und zählt nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) mit einem gesamtwirtschaftlichen Produktionswert von mehr als 185 Milliarden Euro zu den deutschen Schlüsselbranchen. Laut dem Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) fanden im Jahr 2009 über 300 Millionen Reisen statt, davon mehr als 75 Millionen ins Ausland. Dass Deutschland mit großem Abstand das beliebteste Urlaubsziel der Bundesbürger ist, belegen auch die Erhebungen der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), die 2009 in Deutschland knapp 370 Millionen Übernachtungen verzeichneten, davon 314 Millionen von deutschen Besuchern.
Der klassische Einstieg in die Freizeit- und Tourismusbranche läuft über eine Berufsausbildung, beispielsweise als Reiseverkehrskaufmann/-frau, Kaufmann/-frau für Tourismus und Freizeit oder Veranstaltungskaufmann/-frau. Aber „wenn man sich das Spektrum der Branche ansieht, gibt es noch viel mehr Möglichkeiten“, sagt Nicole von Stockert vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft, „vom Eventmanager im Hotel oder in Veranstaltungszentren über den Travel Manager im Geschäftsreisebereich, den Physiotherapeuten, der im boomenden Wellness- und Gesundheitstourismussektor gute Chancen hat, bis hin zu Einzelhandelskaufleuten im Duty Free Shop – um nur einige wenige zu nennen.“ Auch eher allgemein ausgerichtete Uni- oder FH-Absolventen wie Betriebswirte, Juristen und Ingenieure sowie Journalisten, PR-Fachkräfte, Werbefachleute und IT-ler sind in den Unternehmen der Branche – gerade in den großen Konzernen – gefragt. „Darüber hinaus bieten natürlich auch die zahlreichen touristischen Verbände in Deutschland spannende Jobs, die sich rund um das Thema Tourismus drehen“, meint Nicole von Stockert. Und auch im Hotel- und Gaststättengewerbe gibt es interessante Stellen, die beispielsweise Betriebswirten der Fachrichtung Hotelmanagement offen stehen.
Chancen für viele Fachrichtungen
Ungebrochen im Trend liegen Kreuzfahrten, was sich auch beim Einstellungsbedarf bemerkbar macht: „Die starke Expansion von AIDA Cruises führt zu einem hohen Bedarf an qualifizierten Fach- und Führungskräften. Wir stellen jährlich rund 1.000 Mitarbeiter für die Schiffe und rund 80 Mitarbeiter am Firmensitz in Rostock ein“, erklärt Nicole Lerrahn, Pressereferentin von AIDA Cruises. Während an Bord eher Ingenieure und Techniker gebraucht werden, sucht das Unternehmen in der Zentrale in Rostock Wirtschaftswissenschaftler, Wirtschaftsinformatiker, Ingenieure und Tourismus-Experten.
Dass viele Wege in die Freizeit- und Tourismusbranche führen, bestätigt auch Wolfgang Altenstraßer, Geschäftsleiter der Eventagentur VOK DAMS: „Unser Spektrum reicht von Auszubildenden bis hin zu Hochschulabsolventen, die mit einem Trainee-Programm einsteigen.“ Entscheidend in der Branche seien nicht so sehr die Vorkenntnisse im Eventgeschäft, sondern methodische und vor allem emotionale Kompetenz: „Methodische Kompetenz, weil es eine Ausbildung für einen Managementberuf ist, bei dem es um Projektsteuerung, Etatmanagement, Steuerung externer Leistung und Teamführung geht. Emotionale Kompetenz, weil wir unsere Kunden mit Leidenschaft überzeugen müssen.“







