Mit dem Strom schwimmen
Ohne Energie kommt kein Strom aus der Steckdose, fährt kein Auto, liefert keine Heizung Wärme. Mit der Erforschung neuer Energiequellen befindet sich die Energiewirtschaft derzeit im Umbruch und sucht dafür qualifizierte und kreative Mitarbeiter.
Die Energiegewinnung: Heute mehr denn je im Gespräch.
Foto: WillmyCC
Wie kann man Kunden an sein Unternehmen binden: Durch eine professionelle Beratung zu Energiefragen? Oder durch Veranstaltungen zum Thema Energiesparen? Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich Leo Klimkiewicz. Der 28-Jährige arbeitet im Vertrieb beim Frankfurter Energielieferanten Mainova, der Kunden in der Rhein-Main-Region mit Strom, Erdgas, Wärme und Wasser beliefert. „Wir betreuen alle Geschäftskunden – vom Pizzabäcker über das Krankenhaus bis hin zum Frankfurter Flughafen“, erklärt er. Leo Klimkiewicz hat Energiewirtschaft an der Hochschule Darmstadt studiert und ist nun für strategische Aufgaben im Geschäftskundenvertrieb zuständig. Unter anderem ist das Thema Kundenbindung ganz aktuell: „Durch die Liberalisierung der Sparten Strom und Erdgas ist der Wettbewerb stärker geworden.“
Den ersten Kontakt zu seinem Arbeitgeber hat Leo Klimkiewicz auf einer Berufsmesse geknüpft. Er schrieb seine Bachelorthesis bei Mainova und stieg anschließend als Trainee ein. Die Inhalte aus dem Energiewirtschaftsstudium helfen ihm heute bei seiner Arbeit. „Ich habe genügend technisches Wissen, um Kundenfragen zu beantworten, und kenne mich gleichzeitig mit wirtschaftlichen Themen aus“, meint Leo Klimkiewicz, der vor seinem Studium zudem eine Ausbildung zum Assistenten für Informationstechnik gemacht hat.
Ingenieure und kaufmännische Experten gefragt
Der klassische Energieversorger Mainova bietet seinen Kunden auch Ökostrom an. Und liegt damit voll im Trend, denn der Energiemarkt in Deutschland ist im Umbruch: Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) haben sich die Anteile der Energieträger an der Stromerzeugung in den vergangenen zehn Jahren deutlich verändert. In Deutschland stieg die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien 2009 auf einen Anteil von 16 Prozent. Die höchsten Zuwächse verzeichneten Wind- und Biomassestrom. Der Anteil von Braunkohle, Steinkohle und Kernenergie ging entsprechend zurück. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist auch einer der Kernpunkte des aktuellen Energiekonzeptes der Bundesregierung. Zurzeit vorgesehen ist, dass bis 2050 der Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch auf 60 Prozent und an der Stromerzeugung sogar auf 80 Prozent gesteigert wird. Ob und wie dieses Konzept unter dem Eindruck der Atomkatastrophe in Japan geändert wird, bleibt noch abzuwarten.
Nichtsdestotrotz sind qualifizierte Kräfte in der Energiewirtschaft in Zukunft gefragt, wie auch Hildegard Müller vom BDEW bestätigt: „Die Chancen für einen Berufseinstieg in die Energie- und Wasserwirtschaft sind hervorragend, denn die Branche ist im Umbruch und auf neue qualifizierte Fachkräfte angewiesen.“ Vor allem für Hochschulabsolventen bieten sich hier gute Chancen. „Mit einem Anteil von 18 Prozent beschäftigt die Branche überproportional viele Arbeitnehmer mit Fachhochschul- und Hochschulabschluss“, sagt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit (BA). Zwischen 2007 und 2010 stieg laut BA die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Energiewirtschaft um rund 11.000 Arbeitnehmer auf 240.000. „In den vergangenen Jahren wurde in der Branche kräftig investiert, unter anderem in den Netzausbau und in erneuerbare Energien. Dies schlägt sich auch in den Beschäftigtenzahlen nieder“, erklärt Ralf Beckmann.
Und welche für Abiturienten interessanten Berufe sind besonders gefragt? Vor allem Ingenieure sind gesucht, mit Schwerpunkten wie Energietechnik, Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau, Elektrotechnik oder Verfahrenstechnik. Ebenso gefragt sind IT-Spezialisten, entweder mit Hochschulabschluss oder mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung zum Fachinformatiker oder IT-Systemelektroniker. Aber auch Betriebswirtschaftler und andere kaufmännische Experten, etwa Industrie- und Bürokaufleute, haben in der Branche gute Chancen. Sie alle können in den unterschiedlichen Teilbereichen der Energiewirtschaft einen Job finden: in der Energieerzeugung, der Energieverteilung, im Netzgeschäft und im Handel mit Energie.
Innovative Technologien auf dem Vormarsch
Auch Hans-Joachim Mayer, Gesamtausbildungsleiter der Mannheimer MVV Energie AG, sucht vor allem Ingenieure – zum Beispiel Elektro-, Maschinenbau- oder Projektingenieure sowie Verfahrenstechniker und Informatiker. „Bis 2020 wollen wir den Anteil an erneuerbaren Energien in unserem Unternehmen auf 30 Prozent ausbauen“, erklärt er. „Dieses Thema spricht auch viele junge Leute an.“ Das Unternehmen beschäftigt sich unter anderem mit der innovativen Technologie „Smart Grid“. Das sind intelligente Stromnetze, die Stromerzeugung, Speicherung, Netzmanagement und Verbrauch effizient koordinieren. MVV Energie erwartet für diese Aufgaben von seinen Bewerbern Kreativität, Innovationsfreude und nachhaltiges Denken. „Gut wäre es auch, wenn sich Ingenieure in ihrem Studium bereits mit Energiewirtschaft oder -technik beschäftigt haben.“
Die Chancen für einen Einstieg in die Energiebranche schätzt Hans-Joachim Mayer derzeit sehr gut ein, denn qualifizierte Nachwuchskräfte werden langsam sogar rar. Deswegen hat die MVV Energie in Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg am Standort Mannheim einen neuen technischen Studiengang Energiewirtschaft mit Schwerpunkt Erneuerbare Energien eingeführt. Weitere duale Studiengänge werden außerdem im Maschinenbau, Projekt Engineering und in Betriebswirtschaftslehre mit den Fachrichtungen „Immobilienwirtschaft“ sowie“ Accounting und Controlling“ angeboten. Ausbildungen gibt es bei der MVV Energie etwa für angehende Industriekaufleute sowie Elektroniker und Mechatroniker.






