Eine Branche mit Zukunft
Die Elektrobranche wurde von der Wirtschaftskrise hart getroffen, ist aber bereits wieder auf dem Weg nach oben. Gute Chancen haben Ingenieure unterschiedlicher Fachrichtungen.
Vor allem in der Energieversorgung gab es ein Plus an Arbeitsplätzen.
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André Witt hatte keine Probleme, nach seinem Studienabschluss eine Stelle zu finden. „Ich habe einfach eine Anzeige geschaltet und geschaut, was passiert“, erzählt er. „Mehrere Firmen haben sich daraufhin bei mir gemeldet“, erinnert sich der Elektroingenieur, der an der Fachhochschule Göttingen studiert und 2006 seinen Abschluss gemacht hat. Er entschied sich schließlich für das Angebot von Ruhstrat, einem Mittelständler in der Nähe von Göttingen, der sich auf die Herstellung von Transformatoren spezialisiert hat. Dort ist André Witt inzwischen Projektleiter und kümmert sich um den gesamten Prozess von der Angebotserstellung über die Produktion bis zur Endabnahme des Produkts.
Der 31-Jährige hat einen für die Branche typischen Studienabschluss: Mehr als die Hälfte der in der Elektroindustrie tätigen Ingenieure sind Elektroingenieure. Aber auch Maschinenbauer, Informatiker und Wirtschaftsingenieure haben gute Chancen. „Bei Bosch suchen wir zu zirka 80 Prozent Absolventen mit MINT-Hintergrund – also aus den Bereichen Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - und die übrigen 20 Prozent aus anderen Fachrichtungen“, meint Dirk Haushalter, Sprecher Personalthemen bei der Bosch-Gruppe in Stuttgart. Insgesamt hat die Elektrobranche 810.000 Beschäftigte, rund 20 Prozent davon verfügen, laut Bundesagentur für Arbeit, über einen Hochschulabschluss – mit steigender Tendenz. 60 Prozent haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, beispielsweise als Mechatroniker, Elektroniker oder im kaufmännischen Bereich.
Zukunftstrends
Die nach dem Maschinen- und Anlagenbau zweitgrößte Industriebranche Deutschlands wurde von der Wirtschaftskrise allerdings stark getroffen – zwischen Januar und Dezember 2009 ist der Umsatz um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, die Zahl der Beschäftigten um 17.000 gesunken. „Ein Plus an Arbeitsplätzen gab es jedoch im Bereich der Energieversorgung“, sagt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. Die Elektroindustrie umfasst aber noch weitaus mehr Bereiche, wie beispielsweise die Herstellung von elektronischen Bauelementen, von Haushaltsgeräten oder Elektromotoren. Elektrotechnik braucht man für die Entwicklung umweltfreundlicher Fahrzeuge, innovativer Medizin und Regenerativer Energietechnik.
Und gerade diese Zukunftstrends lassen optimistisch in die Zukunft blicken: „Für künftige Absolventen bietet die Elektrobranche sehr gute Perspektiven. Hoher Bedarf an Ingenieuren der Elektrotechnik zeichnet sich nicht nur deswegen ab, weil in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich jeder siebte heute beschäftigte Elektroingenieur in den Ruhestand eintreten wird“, meint Ralf Beckmann. „Unter anderem lassen die Bewältigung der Herausforderungen beim Umwelt- und Klimaschutz, bei einer nachhaltigen Energieversorgung, bei der Weiterentwicklung von Brennstoffzellen und Elektromotoren als neue Antriebstechniken vorzügliche Chancen für gut qualifizierte Elektro-Spezialisten erwarten“, ist der Arbeitsmarktexperte überzeugt.
Das bestätigt auch Dr. Bernhard Diegner, Leiter der Abteilung Forschung, Berufsbildung, Fertigungstechnik des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI): „Die Elektroindustrie bedient die Trends der Zukunft“, sagt er. Bei dieser Innovationskraft ist es kein Wunder, dass die meisten in der Branche tätigen Ingenieure laut aktuellster Ingenieurumfrage des Branchenverbands ZVEI von 2008 im Bereich Forschung und Entwicklung arbeiten. Dort kommen, so Dr. Bernhard Diegner, auch Naturwissenschaftler unter.
Englischkenntnisse und Flexibilität
Das zweitwichtigste Arbeitsfeld für Ingenieure ist der Vertrieb. „In solchen kundennahen Bereichen werden hauptsächlich Bachelorabsolventen eingestellt“, erklärt der ZVEI-Vertreter. 47 Prozent ihres Umsatzes macht die Elektroindustrie mit ausländischen Kunden, Englischkenntnisse sind deshalb für die meisten Beschäftigten Pflicht. Aber auch die berühmten Soft Skills sind gefragt: „Bei Bosch gewinnen vor allem drei Kompetenzen an Bedeutung: Problemlösungsorientierung, Flexibilität und Bereitschaft zu ständiger Weiterbildung“, erklärt Dirk Haushalter. „Aufgrund der zunehmenden Komplexität von Fragestellungen verknüpfen unsere Mitarbeiter vorhandenes Wissen permanent für kreative Problemlösungen, etwa im Bereich der Elektromobilität. Zum anderen bringen unsere Mitarbeiter zeitliche und räumliche Flexibilität mit, beispielsweise für Projekte in internationalen Teams über Zeitzonen hinweg. Und schließlich: Ein von Innovationskraft geprägtes Unternehmen braucht Mitarbeiter mit der Bereitschaft zum lebenslangen Lernen. Eine gute Abschlussnote ist wichtig, reicht aber für ein ganzes Arbeitsleben nicht aus.“






