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Schweiz

Grüezi im Alpenstaat

Du möchtest gern im Ausland arbeiten, aber Übersee ist dir zu weit und Englisch oder eine andere Fremdsprache traust du dir als Arbeitssprache (noch) nicht zu? Wie wäre es denn mit der Schweiz? Unser südliches Nachbarland hat für deutsche Akademiker einiges zu bieten.

Auf einem Tisch liegt Toblerone und eine Schweiz Flagge.

In der Schweiz gibt es nicht nur leckere Schokolade, sondern auch gute Arbeitsmarktchancen.

Foto: mochitos

Einer von denen, die sich für die Schweiz als neue Heimat entschieden haben, ist Sebastian Hagen. Der gebürtige Westfale hat in Konstanz Wirtschaftsinformatik studiert. Nach zwei Jahren als Softwarearchitekt bei einer Firma in Konstanz wechselte er zu einer Unternehmensberatung in der Schweiz. Kurz darauf zog er ins schweizerische Kreuzlingen, eine Nachbarstadt von Konstanz – und gehörte damit nicht mehr zu den knapp 46.000 Grenzgängern, die täglich von Deutschland aus zum Arbeiten in die Schweiz pendeln. Nach einem weiteren Wechsel zu Capgemini sd&m, der IT-Beratung innerhalb der Capgemini-Gruppe, zog er 2008 nach Zürich.

Wenn man im grenznahen Konstanz wohnt, liegt die Idee, in der Schweiz zu arbeiten, nahe. „Der Arbeitsmarkt für Informatiker ist sehr gut, und auch finanziell lohnt sich der Auslandseinsatz“, erklärt der 32-Jährige. Schweizer Gehälter sind um einiges höher als die deutschen – aber dafür sind auch die Lebenshaltungskosten um rund ein Drittel teurer, vor allem im kostspieligen Zürich. Wer dort eine Wohnung sucht, muss rechzeitig anfangen und sich auf hohe Mieten einstellen. Die Zentralstelle für Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) stellte fest: „Die Löhne und Gehälter, die in der Schweiz gezahlt werden, zählen zu den höchsten weltweit.“

Zuzug dank Freizügigkeitsabkommen

Hohe Gehälter und (fast) keine Sprachprobleme – die Schweiz ist das beliebteste Auswanderungsland der Deutschen. Rund 209.000 Deutsche lebten und arbeiteten im Jahr 2009 laut dem schweizerischen Bundesamt für Statistik in dem Alpenland. Rund die Hälfte von ihnen hat einen Universitäts- oder Hochschulabschluss oder eine höhere Berufsausbildung. Die Zahl der Zugezogenen hat sich seit dem Jahr 2003 fast verdoppelt. Das liegt unter anderem an dem Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und den EU-Ländern, das seit 2002 Stück für Stück für die einzelnen Länder in Kraft getreten ist. Dieses Abkommen macht es für Deutsche und andere EU-Angehörige leichter, in der Schweiz zu leben und zu arbeiten, da ihnen die gleichen Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen gewährt werden wie den Schweizern.

Laut der Zentralstelle für Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) sind die Beschäftigungsaussichten für IT-Fachleute, Webdesigner, Techniker, Berufe des Verkehrsgewerbes sowie der Textil- und Bekleidungsindustrie sehr gut. Unter den akademischen Berufen hätten Ingenieure der Fachrichtungen Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Elektrotechnik die besten Chancen, so die ZAV.

Zwar wurde auch die Schweiz von der weltweiten Wirtschaftskrise getroffen – die Arbeitslosenquote ist zwischen Februar 2009 und Februar 2010 von 3,4 auf 4,4 Prozent gestiegen – für 2010 rechnen Schweizer Experten nach Angaben des Staatssekretariats für Wirtschaft aber mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,7 Prozent. Für 2011 prognostizieren sie gar ein Wachstum von zwei Prozent und damit einhergehend auch eine Erholung des Arbeitsmarkts. Zum Vergleich: In Deutschland lag die Arbeitslosenquote im Februar 2010 bei 8,7 Prozent.

Jobmessen und Agenturen

Seine erste Stelle in der Schweiz fand Sebastian Hagen über Jobmessen an Schweizer Hochschulen. „Ich habe geschaut, wer an den Messen teilnimmt und Informatiker sucht“, erzählt er. „Dort habe ich mich dann beworben.“ Die Stelle bei dem Software- und Beratungsunternehmen Capgemini sd&m bekam er über eine Jobagentur. Diese privaten Stellenvermittler sind in der Schweiz weit verbreitet. „Allerdings vermitteln die Agenturen vor allem Beschäftigte mit Berufserfahrung“, weiß Sebastian Hagen, Hochschulabsolventen hätten dort weniger gute Chancen.

Porträt Sebastian Hagen

Sebastian Hagen

Foto: Privat

Die Unterschiede zwischen dem Arbeitsalltag in Deutschland und in der Schweiz empfindet der Informatiker als gering. „In Deutschland ist man vielleicht etwas direkter, während in der Schweiz Höflichkeit einen sehr großen Stellenwert hat“, erklärt er. Mit der Sprache hat sich der Münsterländer erst einmal etwas schwer getan. „Ein Süddeutscher hat es da sicherlich einfacher.“ Ob er auf Dauer in der Schweiz bleiben wird, wird sich zeigen – Sebastian Hagen möchte sich noch nicht festlegen. Derzeit genießt er auf jeden Fall seinen Aufenthalt: „Tolle Freizeitmöglichkeiten, ein guter Arbeitsmarkt und ein hohes Wohlstandsniveau – das Gesamtpaket ist gut.“

Auch laut Ralf J. Bopp, Direktor der Handelskammer Deutschland-Schweiz, fühlen sich die Deutschen im Alpenland prinzipiell sehr wohl – auch wenn einige Medien derzeit berichten, dass die Schweizer Stimmung gegen Deutsche in ihrem Land machten. „Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern sind sehr eng“, betont Ralf J. Bopp. „Deutschland ist der wichtigste Absatz- und Beschaffungsmarkt für die Schweizer Wirtschaft. Dabei sind große Unternehmen ebenso auf der Suche nach hochqualifizierten Kräften wie der Mittelstand.“ Auch Beat Britt, EURES-Berater beim Amt für Wirtschaft und Arbeit in Basel-Stadt, weiß, dass die deutschen Nachbarn in der Schweiz gern gesehen sind: „Wir schätzen den Fleiß und die Zuverlässigkeit der Deutschen: Sie sind gut ausgebildet, zeigen viel Einsatzbereitschaft und den Willen zu arbeiten. Darin sind sie uns sehr ähnlich.“ Beat Britt empfiehlt, sich auch mit der Sprache auseinanderzusetzen: „Im beruflichen Umfeld wird größtenteils Hochdeutsch, in internationalen Unternehmen sogar Englisch gesprochen. Aber im täglichen Leben wird man natürlich auch viel Schweizerdeutsch hören.“ Verstehen sollte man die Sprache deshalb schon. Aber Schweizerdeutsch zu sprechen, das sollten Deutsche lieber nicht versuchen, so der EURES-Berater: „Das tönt einfach nicht gut.“


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