Forschen in Oslo
Eigentlich wollte Katharina Gohr (31) nur ein Jahr in Norwegen bleiben — daraus wurden dreieinhalb. Mittlerweile ist sie zurück bei ihrem Arbeitgeber ABB in Ladenburg bei Mannheim.
Katharina Gohr arbeitete fünf Jahre im Forschungszentrum ABB, bevor sie nach Norwegen ging.
Foto: Privat
Ausgerechnet Norwegen? Als Katharina Gohr von einem Kollegen des norwegischen ABB-Forschungszentrums in Oslo gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, eine Weile in der norwegischen Hauptstadt zu arbeiten, war sie sich zunächst unsicher. „Eigentlich hatte ich gar nicht geplant, ins Ausland zu gehen – aber je mehr ich darüber nachdachte, umso reizvoller erschien mir das Angebot“, erinnert sich die 31-Jährige. Als der norwegische Kollege dann erneut fragte und auch ihr deutscher Gruppenleiter ihr bei der Entscheidung zusprach, nahm sie die Herausforderung an. Fünf Jahre Erfahrung im deutschen Forschungszentrum hatte die Elektroingenieurin, die schon ihr duales Studium bei ABB absolviert hatte, bereits gesammelt, bevor sie als Expatriate nach Norwegen entsandt wurde.
Dort arbeitete Katharina Gohr in einem international gemischten Team: Norweger, Schweden, Dänen, Spanier, Iren und andere Nationalitäten waren vertreten, die gemeinsame Sprache war in der Regel Englisch. „Ich hatte bereits in Deutschland einen Sprachkurs Norwegisch belegt, und auch in Oslo hat uns ABB einen Sprachlehrer gestellt“, berichtet die Ingenieurin. „Aber die Norweger sprechen alle so gut Englisch, dass man auch ohne Norwegisch gut über die Runden kommt.“
Flache Hierarchien
Unterschiede bemerkte Katharina Gohr nicht nur bei der Sprache, sondern auch im sonstigen Arbeitsalltag. „Das Arbeiten in Norwegen ist entspannter als in Deutschland“, so ihr Eindruck. „Die Hierarchien sind flacher, und jeder wird an Entscheidungen beteiligt.“ Das führe oft auch dazu, dass sich Entscheidungsprozesse länger hinziehen, weil lange über Themen diskutiert würde, bis es zu einer Gruppenentscheidung kommt. „Der Grundgedanke, dass in Norwegen alle die gleichen Rechte haben, ist stark verwurzelt.“ Entsprechend viele Frauen habe es auch in ihrem technischen Team gegeben, so Katharina Gohr, und sogar eine Chefin auf hoher Führungsebene, was in Deutschland noch eher selten ist. Auch dass Väter statt Mütter eine längere Kinderpause einlegen, ist in Norwegen fast selbstverständlich.
Nach etwa dreieinhalb Jahren zog die gebürtige Mainzerin schließlich zurück nach Mannheim. „Es wurde langsam Zeit, denn je länger man mit der Rückkehr wartet, umso schwieriger wird es.“ Sie hatte Glück, dass ihre Stelle im deutschen Forschungszentrum noch frei war, sodass sie direkt auf ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren konnte. „Es hätte auch sein können, dass mich mein Arbeitgeber woanders im Unternehmen einsetzt – eine Garantie auf den alten Arbeitsplatz hat man als Expatriate nicht“, erklärt Katharina Gohr. Ausschlaggebend für den reibungslosen Übergang war sicherlich auch, dass sie während ihres Auslandsaufenthalts immer Kontakt zu ihren alten Kollegen und Vorgesetzten gehalten hat.
Katharina Gohr ist auf jeden Fall froh, dass sie sich für den Schritt ins Ausland entschieden hat. „Es war gut zu sehen, wie Projekte in anderen Ländern ablaufen. Man lernt viel dazu – sowohl fachlich als auch persönlich.“ Und nicht zuletzt hat die Wahlnorwegerin viele neue Freunde in Oslo gefunden, zu denen sie auch nach ihrer Rückkehr Mitte 2010 noch engen Kontakt hält.




