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Journalisten

Radio, Online oder Print?

Journalisten haben einen abwechslungsreichen und spannenden Beruf. Aber die Konkurrenz ist groß und feste Stellen sind rar. Zwei Alternativen: die Freiberuflichkeit oder Jobs im PR-Bereich.

Auf dem Foto sind Journalisten mit Kamera, Mikrofon, Kopfhörern und Schreibblock zu sehen. Sie interviewen einen Mann mit grauen Haaren und schauen ihn gespannt an.

Journalisten bei der Arbeit: Die crossmediale Ausbildung ist heute sehr wichtig.

Foto: Ausserhofer

Themen überlegen, Artikel bei freien Autoren bestellen, das Layout der Medienseite besprechen, Bilder zu den Texten heraussuchen und selber Berichte schreiben: das alles gehört zu den Aufgaben von Angelika Luderschmidt. Die 29-Jährige ist Volontärin bei der Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“ in Bonn und dort unter anderem für die Medienseite zuständig. Doch von der jungen Journalistin wird noch einiges mehr verlangt: In den regelmäßigen Konferenzen zum Beispiel überlegt sie sich gemeinsam mit ihren Kollegen, was in der nächsten Ausgabe des „Rheinischen Merkur“ die Schwerpunkte sein sollen. Dabei muss sie auch ihre eigenen Themen vorstellen und begründen. Richtig stressig wird es aber meist erst dann, wenn am Anfang einer Woche die nächste Ausgabe fertig werden muss und die Chefredaktion noch Änderungswünsche an einigen Texten hat. Dann bleibt die Volontärin am Abend oft länger im Büro.

Themenvielfalt

An einem Tag viele verschiedene Themen bearbeiten – so oder so ähnlich geht es zahlreichen Journalisten. Das kann manchmal irre anstrengend sein, ist aber für viele auch genau das Tolle an dem Job: Langweilig wird es selten, stattdessen lernen Journalisten immer wieder neue Dinge und Menschen kennen.

Das könnte auch einer der Gründe sein, warum weiterhin tausende junge Männer und Frauen in den Journalismus drängen. Nach Angaben des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) in Berlin kommen jedes Jahr rund 2.000 Jungjournalisten neu dazu – obwohl es deutlich weniger freie Stellen als noch vor einigen Jahren gibt. Denn laut Bundesagentur für Arbeit sank im vergangenen Jahr durch die Wirtschaftskrise auch die Zahl der freien, gemeldeten Stellen überdurchschnittlich um 29 Prozent – im Gegenzug stieg die Zahl der arbeitslos gemeldeten Publizisten 2009 erstmals seit 2003 wieder an: um etwa 14 Prozent auf rund 4.800 arbeitslose Akademiker.

Die Balkengrafik zeigt die Arbeitslosigkeit unter Redakteuren/Innen und Journalisten/Innen in den Jahren 2003 bis 2009. Stichtag für die Erhebung war der 30.06. des jeweiligen Jahres. 2003 waren circa 7.200 der Befragten arbeitslos, 2004 circa 6.200, 2003 circa 5.500, 2006 circa 5000, 2007 circa 4.800, 2008 circa 4.000 und 2009 circa 4.900. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit.

Arbeitslosigkeit unter Redakteuren/Innen und Journalisten/Innen

 

 

Der Mangel an Jobs führt unter anderem auch dazu, dass von den 73.000 hauptberuflichen Journalisten etwa ein Drittel keine feste Stelle hat, sondern selbstständig ist. „Die Anzahl der Freien ist stark gestiegen, vor zehn Jahren waren es noch 15.000, mittlerweile gibt es rund 23.000“, sagt DJV-Sprecher Hendrik Zörner. Auch das Einkommen schwankt sehr. „Bei den Freien verdienen einige nur ein paar Hundert Euro im Monat und leben am Existenzminimum“, weiß Hendrik Zörner. Andere Selbstständige dagegen seien so gut vernetzt und im Geschäft, dass sie mit mehreren Tausend Euro Monatseinkommen sogar mehr als manch ein fest angestellter Redakteur verdienten. Sozialversicherungsrechtlich absichern können sich selbstständige Journalisten und Künstler zum Beispiel über die Künstlersozialkasse (KSK). Als Mitglied zahlen sie nur etwa die Hälfte der fälligen Beiträge zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung aus eigener Tasche. Den Rest stockt die KSK auf: aus einem Zuschuss des Bundes und aus Sozialabgaben von Unternehmen, die Kunst verwerten, also etwa Verlage, Fernsehanstalten oder Museen. Zum 1. Januar 2010 wies der Bereich „Wort“ der KSK rund 41.000 Versicherte auf, die im Schnitt 16.700 Euro im Jahr oder knapp 1.400 Euro im Monat verdienten.

Und wie sieht es bei fest angestellten Publizisten aus? Ihr Gehalt variiert je nach Qualifikation, Berufserfahrung, beruflicher Position und auch Mediengattung. Der Gehaltstarifvertrag für Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen (gültig ab 1. August 2008), den der DJV und ver.di mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger vereinbart haben, sieht zum Beispiel vor, dass Redakteure im ersten bis dritten Berufsjahr seit 1. Oktober 2009 knapp 3.000 Euro monatlich erhalten, Redakteure ab dem elften Berufsjahr rund 4.400 Euro.

Boombereich Internet

In welchen Bereichen arbeiten Journalisten aber genau? Da sind zum einen die privaten und öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender. Bundesweit gibt es davon hunderte, wobei einige bundesweite Programme haben und andere vor allem regionale Sendungen anbieten. Ein weiterer wichtiger Arbeitsbereich für Journalisten ist das Internet. So unterhalten inzwischen sehr viele Fernseh- und Radiosender sowie Printredaktionen Onlineangebote. „Das Angebot hat sich dort in den vergangenen Jahren extrem vergrößert“, sagt Hendrik Zörner. „Das wird sich weiter fortsetzen, wenn auch nicht ganz so stürmisch.“

Daneben gibt es den sogenannten Printbereich, also die gedruckten Produkte. Das sind deutschlandweit rund 350 Tageszeitungen, etwa 30 Wochen- und Sonntagszeitungen sowie gut 800 Zeitschriften. In den vergangenen Jahren hatten besonders Zeitungen und Zeitschriften mit Rückgängen am Anzeigen- und Werbemarkt zu kämpfen. Unkenrufe wurden laut, dass die gedruckte Zeitung ein Auslaufmodell sei.

Dennoch haben Tageszeitungen eine Zukunft, ist sich Anja Pasquay vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger in Berlin sicher. „Bei uns kaufen 20 Millionen Menschen jeden Tag eine Zeitung, damit ist der deutsche Zeitungsmarkt der größte Europas.“ Dass es den in Zukunft gar nicht mehr geben soll, glaubt sie nicht. Im Gegenteil: Junge Journalisten hätten möglicherweise gerade dort gute Startchancen: „Lokalredaktionen auf dem Land haben es heute gar nicht mehr so leicht, gute Nachwuchsjournalisten zu finden“, sagt Anja Pasquay. „Das könnte daher ein gutes Sprungbrett sein. Die typische Zeitung in Deutschland ist lokal oder regional. Und viele Journalisten, die heute bei der ‚Zeit’ oder ‚Süddeutschen Zeitung’ schreiben, haben bei kleineren Blättern angefangen.“

Nicht immer unabhängig

Gute Einstiegsmöglichkeiten kann es außerdem bei Firmen-, Kunden- und Mitgliederzeitschriften geben. „Dieser Markt wird derzeit immer größer“, sagt Susanne Stracke-Neumann, ehrenamtliche Leiterin des Nachwuchsprojektes der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) in Berlin. Dazu gehören etwa Magazine von Unternehmen und Betrieben, die ihre Arbeit bei ihren Kunden vorstellen möchten, aber auch von politischen, Verbraucher- oder Umweltorganisationen. Journalisten können dort beispielsweise über innovative Entwicklungen eines Forschungsunternehmens berichten oder ein Umwelthilfeprojekt vorstellen. Ganz unabhängig können sie dabei allerdings häufig nicht schreiben, immerhin soll der Auftraggeber möglichst positiv dargestellt werden.

Das ist auch so in der Branche der eigentlichen Öffentlichkeitsarbeit, etwa den Pressestellen oder Kommunikationsagenturen, wo ebenfalls viele Journalisten arbeiten. Sie verfassen beispielsweise Pressetexte oder ganze Broschüren und wechseln dafür ganz auf die Seite der Public Relations oder verdienen sich zumindest einen Teil ihres Geldes damit, den Rest im Journalismus.

Überhaupt arbeiten zahlreiche Journalisten in mehreren Bereichen. Nicht nur zwischen PR und Journalismus, auch innerhalb des Journalismus: Vor allem Freie können davon profitieren, wenn sie beispielsweise eine Geschichte an eine Zeitung und eine Radiostation verkaufen – eine Recherche also doppelt verwerten. „Die crossmediale Ausbildung, also die Ausbildung im Bereich unterschiedlicher Medien, ist heute sehr wichtig“, betont auch Susanne Stracke-Neumann von der DJU. „Ein Reporter muss oft mit einer Fotokamera umgehen können, ein Printjournalist wissen, wie er seinen Text online stellt und ein Internetredakteur sollte auch Bewegtbilder bearbeiten können.“

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