Teil 2
Plus für MINT
Trotz der negativen Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe zeigen die Ergebnisse einer Qualifikations- und Berufsfeldprojektion, die Mitarbeiter des IAB in Kooperation mit dem Bonner Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zurzeit erarbeiten und die Mitte des Jahres veröffentlicht wird, eine positive Entwicklung für MINT auf. Das Besondere: In dieser Projektion werden die allgemeinen Arbeitsmarktentwicklungen mit Aussagen über Berufsgruppen sowie das Ausbildungsniveau der Beschäftigten verbunden. Der IAB-Mitarbeiter Gerd Zika hat abi>> vorab einige Ergebnisse verraten. „Betrachtet man Berufsfelder, die für Akademiker interessant sind, haben die Forscher einen positiven Trend vor allem für die Berufshauptfelder Technische und naturwissenschaftliche Berufe sowie die Rechts-, Management- und wirtschaftswissenschaftliche Berufe ausgemacht.“ Erfasst sind hier etwa Ingenieure, Naturwissenschaftler, verschiedene IT-Berufe, BWLer und Juristen.
Die Arbeitsmarktchancen sind ein wichtiger, aber nicht der einzige Grund, der für ein Studium spricht: Ein wichtiger Punkt ist auch die Zufriedenheit im Job. Die meisten Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen arbeiten zehn Jahre nach ihrem Examen in für Akademiker angemessenen Berufen, mit denen sie zufrieden sind. Zu diesem positiven Ergebnis kommt die aktuelle Studie der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) „Aufgestiegen und erfolgreich“, die den Werdegang von über 5.400 Absolventen des Prüfungsjahrgangs 1997 bis ins Jahr 2007 untersucht hat und 2009 veröffentlicht wurde.
Gregor Fabian, HIS-Mitarbeiter und Betreuer der Umfrage, betont, dass nicht nur die berufliche Zufriedenheit, sondern auch die Erwerbsquote auf einem sehr hohen Niveau liege: 91 Prozent der Fachhochschul- und 89 Prozent der Universitätsabsolventen gehen einer regulären Beschäftigung nach, weitere rund acht Prozent sind entweder in Elternzeit oder kurzfristig beschäftigt. Die Arbeitslosenquote der Befragten liegt bei lediglich einem Prozent und kennzeichne nur ein Übergangsphänomen: „Arbeitslosigkeit ist meist beschränkt auf die Phase direkt nach dem Studium oder nach einer weiteren Ausbildungsphase, zum Beispiel nach dem Referendariat bei Lehrern“, erläutert Gregor Fabian. Zwar werden generell unbefristete Vollzeitstellen in Unternehmen seltener, die in der Studie befragten Akademiker jedoch haben im Vergleich zu anderen Beschäftigten stabile Arbeitsverhältnisse.
Keine Prognose-Hörigkeit
Ein guter Tipp zum Umgang mit Prognosen und mit sich selbst kommt von Trendforscher Matthias Horx: „Wir müssen herausfinden, wer wir sind, was uns Spaß macht, wo unsere Leidenschaften liegen – und dieses Talent dann auf den Arbeitsmarkt bringen. Das ist auf Dauer viel erfolgreicher als die Prognose-Hörigkeit.“ Viele Unternehmen stellten auch Quereinsteiger ein, also zum Beispiel Sozialwissenschaftler in Beratungsfirmen oder auch in Banken. „Gebraucht werden immer mehr gemischte Teams. Ich würde sagen, wir gehen letztendlich weg vom alten Begriff von Ausbildung im Sinne einer geraden Linie, die zu einem berechenbaren Ergebnis führt. Ganz viele Menschen, die etwas Bestimmtes gelernt haben, werden plötzlich in einem anderen Beruf arbeiten. Das Berufsleben der Zukunft birgt Überraschungen – und das macht es auch spannender.“





