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Interview

Flexibilität und Softskills

Wie sieht der Arbeitsmarkt der Zukunft aus? abi>> erkundigte sich bei einem Experten: dem Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx.

Matthias Horx legt seinen Kopf auf die verschrenkten Arme auf einen Tisch. Vor ihm stehen zwei kleine Spielzeug Roboter.

Matthias Horx, Trend und Zukunftsforscher

Foto: Klaus Vyhnalek (www.zukunftsinstitut.de)

abi>>: Welche Trends und Entwicklungen gibt es auf dem Arbeitsmarkt?

Matthias Horx: Ich denke, dass der Arbeitsmarkt, so wie er früher war, in Zukunft nicht mehr existieren wird. Die Menschen werden zukünftig sehr viel mehr Berufe im Laufe ihres Lebens haben, und sehr viel mehr Arbeitgeber. Die Planbarkeit wird dadurch immer schwieriger. Das heißt aber natürlich auch, dass die Freiheit immer größer wird. Im Grunde genommen gibt es dafür ein großes Wort: Flexibilität.

abi>>: Welche Qualifikationen brauche ich, um fit für diesen Arbeitsmarkt der Zukunft zu sein?

Matthias Horx: Jeder Mensch braucht ein, zwei Tätigkeiten, Leidenschaften, die er wirklich sehr gut kann und die er liebt, so eine Art zur Mission gewordenes Hobby. Darüber hinaus benötigt man Fähigkeiten, die man im Englischen als Softskills bezeichnet, also Eigenschaften wie Teamfähigkeit, Lernfähigkeit, Neugier.

abi>>: Welche Absolventengruppen haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Matthias Horx: Chancen haben Leute mit einer Vision. Leute, die eine gewisse Individualität ausstrahlen, die sich selbst kennen, die authentisch sind und die den Abschluss eben nicht als Abschluss, sondern als Anfang begreifen, weil sie ihr Leben lang weiterlernen wollen. Es sind also eher charakterliche Formungen, die auf dem Arbeitsmarkt große Chancen haben.

abi>>: Und wie sieht die Zukunft der Arbeit aus?

Matthias Horx: Arbeit wird in Zukunft generell in Teams und nicht mehr in klassischen Hierarchien verlaufen. Die Teams werden immer wieder neu zusammengesetzt. Man wird oft zuhause arbeiten, aber nicht immer. Die klassische Mischung könnte beispielsweise sein: zwei Tage zuhause, zwei Tage unterwegs und zwei Tage im Büro. Das macht zusammen sechs Tage, das heißt, wir werden in Zukunft auch mehr arbeiten, aber a-rhythmischer. Wir werden größere Probleme haben, Freizeit und Arbeit zu unterscheiden, und viele Menschen begrüßen das auch. Man merkt heute schon, dass wir über das Handy im Beruf auch privat erreichbar sind, und im Privatleben beruflich. Man kann sagen, Arbeit erhebt sich von den Plätzen, sie wird allgegenwärtig. Das erfordert neue Kulturtechniken der Lebensbalance.

abi>>: Was würden Sie sagen, wie geht man mit Prognosen in Bezug auf die Berufs-Nachfrage um?

Matthias Horx: Es hat keinen Zweck, sich auf Prognosen zu verlassen, wie viele Ingenieure oder Lehrer oder Kulturwissenschaftler irgendwann in zehn Jahren gebraucht werden – und in diesem Sinne zu studieren. Wir müssen herausfinden, wer wir sind, was uns Spaß macht, wo unsere Leidenschaften liegen – und dieses Talent dann auf den Arbeitsmarkt bringen. Das ist auf Dauer viel erfolgreicher als die Prognose-Hörigkeit. Viele Unternehmen stellen heutzutage auch Quereinsteiger ein, also zum Beispiel Sozialwissenschaftler in Beratungsfirmen oder auch in Banken. Gebraucht werden immer mehr gemischte Teams. Ich würde sagen, wir gehen letztendlich weg vom alten Begriff von Ausbildung im Sinne einer geraden Linie, die zu einem berechenbaren Ergebnis führt. Ganz viele Menschen, die etwas Bestimmtes gelernt haben, werden plötzlich in einem anderen Beruf arbeiten. Das Berufsleben der Zukunft birgt Überraschungen – und das macht es auch spannender.

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