Doktor mit "Röntgenblick"
Dominique Hadler (34) arbeitet als angestellte Fachärztin für Radiologie im Klinikum Nürnberg Nord. Entzündungsherde und Knochenbrüche erkennt sie auf Röntgen- und Computertomographiebildern sofort.
"Bei uns gibt es die Computer- und die Kernspintomographie, den Ultraschall, das konventionelle Röntgen und die so genannte interventionelle Radiologie", sagt Dominique Hadler.
Foto: Siemens
Der Morgen in der Radiologieabteilung des Klinikums Nürnberg Nord beginnt um 8 Uhr mit einer gemeinsamen Besprechung. Rund acht Assistenzärzte, etwa fünf Oberärzte und natürlich der Chefarzt treffen sich, um nicht nur Organisatorisches, sondern auch die medizinischen Vorkommnisse der Nacht zu besprechen. „Wir reden aber auch über Fälle, die man nicht so häufig sieht oder die ein Jungarzt auf einer radiologischen Aufnahme unbedingt erkennen muss“. Kommt beispielsweise ein Patient mit plötzlich eingetretenen starken Kopfschmerzen auf die Radiologie, ist Fachwissen gefragt: „Der Grund dafür kann eine Hirnblutung sein oder eine Thrombose im Gehirn“, weiß Dominique Hadler.
Röntgen, Ultraschall, Computertomographie
Sind diese Dinge besprochen, wird der Dienstplan verlesen. „Man ist an jedem Tag für einen der Arbeitsplätze in der Radiologie verantwortlich“, erklärt die 34-Jährige. Das bedeutet, dass man das „Gesamtgebiet Radiologie“ sehr genau kennen muss. Und das ist ziemlich umfangreich. „Bei uns gibt es die Computer- und die Kernspintomographie, den Ultraschall, das konventionelle Röntgen und die so
genannte interventionelle Radiologie“, sagt die Ärztin. Bei der interventionellen Radiologie werden mithilfe von Bildsteuerung therapeutische Eingriffe vorgenommen, es wird also nicht nur eine Diagnose gestellt, sondern auch therapiert. Hierfür ist ein erfahrener Radiologe erforderlich. Der Grund: Wird zum Beispiel ein Drainagekatheter in den Bauch gelegt – damit Flüssigkeiten wie beispielsweise Eiter abfließen können – kann auch bei kleinsten Fehlern während der Prozedur ein großer Schaden für den Patienten entstehen, indem beispielsweise ein Blutgefäß verletzt wird. „Daher wird jeder einzelne Schritt mit Hilfe computertomographischer Aufnahmen verfolgt. Auf diese Weise überprüft man permanent die Lage der speziellen Punktionsnadel, die in den Körper geschoben wird“, erläutert die Fachärztin.
Dominique Hadlers Hauptaufgabe ist es jedoch, die radiologischen Aufnahmen, die bei Patienten des Klinikums Nord und bei Patienten in der Notaufnahme angefertigt werden, zu befunden: „Nach Sichtung und präzisem Studium der Aufnahmen schreibe ich die Befunde, so dass die Kollegen dann die richtigen therapeutischen Maßnahmen ergreifen können“, erklärt sie. „Im normalen Routinebetrieb diktiert man diese Berichte", sagt Dominique Hadler. „Nur am Wochenende oder während der Nachtschichten tippe ich sie am PC selbst.“
Eine Typfrage
Für die Anstellung in der Klink hat sich die Fachärztin bewusst entschieden: „Die Arbeit als angestellte Radiologin in der Klinik hat den Vorteil, dass man mehr Zeit für die Befunde hat, während in einer Radiologiepraxis der Durchsatz an Patienten viel höher ist.“ Ein weiterer Unterschied gegenüber einer Praxis: „In die Klinik kommen auch die schwereren Fälle, also etwa Patienten, die an einem Multiorganversagen leiden oder Verletzte nach einem schweren Verkehrsunfall. Mit Hilfe radiologischer Untersuchungsmethoden können dabei etwa Entzündungsherde oder Knochenbrüche und Blutungen entdeckt werden.“
Ob man die Anstellung bevorzuge oder die Selbstständigkeit, sei eine Typfrage, glaubt Dominique Hadler. „In einer Praxis arbeitet man hundertprozentig selbstverantwortlich. In einer Klinik ist man eher mitverantwortlich, denn letztendlich trägt in der Klinik immer ein Vorgesetzter die Verantwortung.“ Als angestellte Klinikärztin habe man immer einen Oberarzt in der Hinterhand, den man zu Rate ziehen kann.






