Lars Groh arbeitet seit 2011 bei der AZZURRO Semiconductors AG in Dresden. Das junge Unternehmen stellt Halbleiter her und verkauft sie weltweit an Kunden, die diese beispielsweise für LED-Anwendungen benötigen. Bereits während seines Studiums an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg war Lars Groh als studentischer Mitarbeiter für das Unternehmen tätig. Mittlerweile steuert er die so genannte Epitaxie-Anlage. „Epitaxie ist eine Möglichkeit, Halbleiterkristalle zu züchten“, erklärt der Diplom-Physiker. In der Anlage, die etwa zwei Meter hoch und 1,50 Meter breit ist, werden Scheiben aus hochwertigem Silicium, sogenannte Wafer, verschiedenen Temperaturen und Gasen ausgesetzt, bis sich Kristalle auf den Scheiben ablagern. Der 25-Jährige untersucht die Qualität der Kristalle, die halbleitende Eigenschaften besitzen. Außerdem schreibt er Computerprogramme zur Auswertung von Messdaten und verarbeitet die gewonnenen Erkenntnisse in seiner Doktorarbeit.
Wer in Forschung und Wissenschaft arbeiten möchte, sollte promovieren. Das Forschungszentrum Jülich beispielsweise hat Richtlinien, auf die bei der Einstellung von Doktoranden besonders geachtet wird. „Dazu zählen Leistungskriterien wie eine Durchschnittsnote von mindestens Zwei beim Studienabschluss sowie eine Studiendauer, die sechs bis sechseinhalb Jahre nicht überschritten haben sollte“, sagt Markus Kröhnert vom Forschungszentrum Jülich. „Wer eine Promotionsstelle annimmt, verpflichtet sich, in einem Zeitrahmen von drei bis vier Jahren eine Doktorarbeit fertigzustellen. Das Forschungszentrum muss im Gegenzug dafür sorgen, dass die Bedingungen dazu gegeben sind.“
Vielfältige Einsatzmöglichkeiten
Etwa 21,7 Prozent der 2011 gemeldeten Stellen für Physiker kamen aus dem Bereich Forschung und Entwicklung. An zweiter Stelle lag das Produzierende Gewerbe. Vor allem die Bereiche Optik und Gerätebau haben hier laut Angaben der Deutschen physikalischen Gesellschaft (DPG) einen hohen Bedarf. Aber das Arbeitsfeld ist noch breiter: „Physiker sind auch in Unternehmensberatungen tätig, wo sie beispielsweise IT- oder Prozessberatungen durchführen“, erklärt Dr. Lutz Schröter, Vorstandsmitglied Industrie, Wirtschaft und Berufsfragen bei der DPG. „Auch bei Banken gibt es Beschäftigungsmöglichkeiten, und in der Industrie sind es oftmals Physiker, die in bestehende Technologien neue Prinzipien einbringen, die dann von Ingenieuren umgesetzt werden.“ Viele Physikerinnen und Physiker sind also nicht in ihrem erlernten Beruf tätig. „Jobchancen bestehen überall dort, wo komplexe Probleme strukturiert und Analysen angestellt werden müssen“, weiß Dr. Lutz Schröter.
Kathrin Kretschmer, Human Resources Managerin bei der AZZURRO Semiconductors AG, beschreibt die Aufgaben von Physikern im Unternehmen: „Sie reichen von der Betreuung der Epitaxie-Anlagen im Produktionsbereich bis hin zur Forschung und Entwicklung. Neben fachlichen Kenntnissen legen wir viel Wert auf Soft-Skills, insbesondere auf Teamfähigkeit.“
Aufgrund der Vielfalt der Beschäftigungsmöglichkeiten bereitet der Berufseinstieg Physikern derzeit kaum Probleme. „In Folge der guten wirtschaftlichen Situation hat sich der Arbeitsmarkt für Physiker 2011 positiv entwickelt“, weiß Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. Nach den Daten der Arbeitsmarktberichterstattung waren im September 2011 knapp 1.000 arbeitslose Physiker bei den Agenturen gemeldet. Das sind verglichen mit dem Vorjahreswert sechs Prozent weniger. „Dass der Berufseinstieg wieder leichter fällt, zeigt sich auch an einem im Vergleich zum Vorjahr deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit unter den 25- bis-34-Jährigen. In dieser Altersgruppe ist die Arbeitslosigkeit um acht Prozent gesunken“, sagt Ralf Beckmann. Bis September 2011 wurden den Arbeitsagenturen rund 640 Arbeitsstellen für Physiker gemeldet, rund ein Fünftel mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. „Insgesamt zeigen die Daten, dass die Beschäftigung von Physikern selbst in wirtschaftlich schlechteren Zeiten nur geringen Schwankungen unterliegt.“ Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf Basis des Mikrozensus gab es 2010 etwa 94.000 Erwerbstätige mit einem Studienabschluss in der Hauptfachrichtung Physik/Astronomie. Neben den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sind dabei auch Selbstständige, Beamte und geringfügig Beschäftigte erfasst.
Medizinische Physik: Mehr Bedarf
Gute Chancen haben auch spezialisierte Physiker. Neben den reinen Physikstudiengängen kann man beispielsweise auch Geophysik, Biophysik oder Physikingenieurwesen studieren. Ein kleines Segment sind die Medizinphysiker. Professor Dr. Markus Buchgeister von der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Physik beurteilt deren Berufschancen positiv. „Im vergangenen Jahr ist eine neue Strahlen- und Röntgenschutzverordnung in Kraft getreten. Erstmalig werden nun in der begleitenden Richtlinie Anhaltszahlen für die Personalausstattung mit Medizinphysikexperten angegeben“, meint er. Mit der wachsenden Zahl von Kliniken und Praxen, die ionisierende Strahlung einsetzen, werden daher also in Zukunft mehr solcher Experten benötigt. „Für Absolventen dieser Fachrichtung gibt es außerdem gute Beschäftigungsmöglichkeiten bei Herstellern medizinischer Geräte, etwa im Service, im Vertrieb oder der Produktberatung“, ist sich Professor Buchgeister sicher.






