Rechnen und beraten
Einsame Tüftler, die stundenlang vor dem Bildschirm hängen, sind sie schon lange nicht mehr: Informatiker haben vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten, beispielsweise in der Beratung oder in der Forschung. Da sind Kommunikations- und Teamfähigkeit gefragt.
Als Medizin-Informatiker liegt Matthias Nohl im Trend: Informatik kann mit vielen Wissenschaftszweigen kombiniert werden.
Foto: Privat
Manchmal klingelt das Telefon bei Matthias Nohl auch nachts um drei. Dann muss der Medizininformatiker ein IT-Problem bei seinem Kunden 1-2-3.tv lösen. „Zwischen 2 und 6 Uhr morgens, wenn bei dem Teleshopping-Sender die Datenaufbereitung des Vortages läuft, gibt es am häufigsten Softwareprobleme", erklärt der 26-jährige, der bei syskoplan in München als Softwareentwickler und Berater arbeitet.
Problemloser Jobeinstieg
Als Schüler fand Matthias Nohl Medizin und IT spannend. „Also habe ich Medizin-Informatik an der Uni Heidelberg und der Hochschule Heilbronn studiert." Nach seinem Abschluss im Jahr 2008 konnte er bei zehn Bewerbungen unter fünf Jobangeboten auswählen. Er entschied sich für ein Jobangebot, bei dem er als Berater arbeiten kann, auch wenn er dafür nun nichts mehr mit Medizin zu tun hat: Bei syskoplan betreut er das Informationssystem des Teleshopping-Senders - vom Einkauf bis zur Kundenbetreuung. „Vor allem die methodischen und analytischen Fähigkeiten, die ich mir im Informatikstudium angeeignet habe, helfen mir bei den Lösungsansätzen", meint Matthias Nohl.
Mit seinem so genannten „Bindestrich-Studiengang" liegt er im Trend. Neben der reinen Informatik kann man sein Wissen nämlich auch mit weiteren Schwerpunkten kombinieren. Wer Informatik zum Beispiel mit Biologie, Geowissenschaften oder Medienwissenschaften mit verknüpfen will, kann Bio-Informatik, Geo-Informatik beziehungsweise Medien-Informatik studieren. Beliebt und von den Unternehmen gefragt ist vor allem der Wirtschafts-Informatiker, der sich auch gut mit betriebswirtschaftlichen Fragestellungen auskennt. Weitere sogenannte Bindestrich-Informatiker sind zum Beispiel die Chemie-Informatiker, die Rechts-Informatiker, die Bau-Informatiker, die Umwelt-Informatiker oder eben die Medizin-Informatiker wie Matthias Nohl.
Der Arbeitsmarkt sieht für Informatiker mit oder ohne Bindestrich gut aus. 2008 gab es insgesamt 176.543 sozialversicherungspflichtig beschäftigte IT-Fachkräfte, 2007 waren es noch rund 8.000 weniger. Parallel dazu sank die Zahl der arbeitslosen Informatiker seit dem Höchststand des Jahres 2004 mit 15.663 Arbeitslosen jährlich auf 6.845 im Jahr 2008. Und Experten sind auch für die Zukunft optimistisch: „Auch wenn die aktuelle Wirtschaftskrise am Arbeitsmarkt für IT-Fachleute nicht spurlos vorübergehen wird, lässt die hohe und weiter zunehmende Informatisierung aller Lebensbereiche für Informatiker mittelfristig gute Arbeitsmarktperspektiven erwarten", so die Einschätzung von Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte von der Bundesagentur für Arbeit. Dr. Stephan Pfisterer vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) ergänzt: „Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage hat sich der Fachkräftemangel, den wir in den vergangenen Jahren hatten, abgeschwächt. Die Unternehmen expandieren nicht mehr so stark wie bisher. Trotzdem haben Absolventen, die räumlich flexibel sind, nach wie vor gute Chancen, einen Job zu finden."
Mehr als Programmierung
Informatiker werden von vielen Unternehmen und für viele Tätigkeiten gesucht. Sie können beispielsweise als Netzwerk-, Web- und Systemadministratoren arbeiten, Software entwickeln und implementieren, Schulungen geben, Projekte leiten oder als Berater tätig sein. „Die meisten steigen bei uns als Junior Consultants ein", erklärt Personalleiterin Dr. Bettina Mann von GFT Technologies. „Dort lernen sie am schnellsten die unterschiedlichsten Kunden und Projekte kennen." Wer sich bereits gut mit Software auskennt, könne natürlich auch in der Programmierung arbeiten. Die Beherrschung von Programmiersprachen ist für einen erfolgreichen Berufseinstieg als Informatiker wichtig. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, sich bereits während des Studiums mit unterschiedlichen Programmiersprachen zu beschäftigen.
Neben fachlichen Kenntnissen sind auch Kreativität und lebenslanges Lernen gefragt, denn die Branche lebt von Innovationen. Laut Dr. Stephan Pfisterer von BITKOM ist ein Trend derzeit das „Cloud Computing" - zu deutsch „Rechnen in der Wolke". Dabei geht es darum, den immer größeren Datenmengen Herr zu werden. Kapazitäten werden auf internet-basierte Systeme verlagert, so dass Firmen für ihre Daten keinen eigenen, teuren Speicherplatz mehr vorhalten müssen. „Bei diesem und künftigen Trends erwarten die Unternehmen, dass sich die Absolventen nicht nur theoretisch mit diesen Themen auskennen, sondern auch schon praktisch mit entsprechenden Entwicklungstools gearbeitet haben", weiß Stephan Pfisterer. Praktika sind also eine gute Gelegenheit, schon während des Studiums berufsnahe Erfahrungen zu sammeln und unter Umständen sogar schon Kontakte zum künftigen Arbeitgeber zu knüpfen.


