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Interview

Mathe und Naturwissenschaften gesucht

Wie sind die Einstellungschancen für angehende Lehrer? Welche Fächerkombinationen versprechen gute Arbeitsmarktaussichten? Darüber sprach abi>> mit Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands.

Das Treppenhaus einer Grundschule. Die architektur scheint etwas älter, an den großen, steinerenen Säulen hängen bunte Buchstaben und eine Schultüte.

Der Arbeitsplatz ist nicht nur das Klassenzimmer. Gerade soziale Angelegenheiten müssen außerhalb geklärt werden.

Foto: van Zeschau

abi>>: Wie stehen denn die Chancen für junge Lehrer?

Josef Kraus: Diese Frage muss man sehr differenziert betrachten. Ob es zu viele oder zu wenige Lehrer gibt, kann man nicht pauschal sagen. Das unterscheidet sich je nach Schulart, Unterrichtsfach und Bundesland.

abi>>: Für welche Fächerkombinationen sieht es denn am besten aus?

Josef Kraus: Die klassischen Fächer wie Deutsch, Geschichte oder Englisch sind derzeit ganz gut abgedeckt: Es gibt mehr Bewerber als offene Stellen. Was derzeit und auch auf längere Sicht allerdings fehlt, sind Lehrer für die Fächer Mathematik, Physik, Chemie und Biologie sowie  Latein. Die beruflichen Schulen suchen vor allem Lehrer für Metalltechnik, Elektrotechnik und Informationstechnik sowie für kaufmännische Fächer.

abi>>: An vielen Schulen sind die Lehrer schon recht alt. Wie viele Stellen werden denn in den nächsten Jahren aufgrund von Pensionierungen frei werden?

Josef Kraus

Josef Kraus

Foto: Privat

Josef Kraus: Von den rund 800.000 aktiven Lehrer gehen in den nächsten zehn Jahren rund 300.000 in der Ruhestand. Auf der anderen Seite haben wir aber auch leicht rückläufige Schülerzahlen, was wir bereits in den Grundschulen bemerken. In den nächsten Jahren wird sich die niedrigere Geburtenrate auch auf die weiterführenden Schulen auswirken. Wir hoffen, dass die Anzahl der Lehrer trotz geringerer Schülerzahl erhalten bleibt und sich damit das Betreuungsverhältnis verbessert. Aber wenn man sich die Staatsfinanzen anschaut, glaube ich nicht unbedingt daran. Ich befürchte, dass zehn bis 15 Prozent der freiwerdenden Stellen eingespart werden. Aber das ist sicherlich länderabhängig: Hessen, Hamburg, Baden-Württemberg und Bayern sind finanziell recht gut aufgestellt, während die Lage im Saarland, in Bremen und in den ostdeutschen Ländern angespannter ist.

abi>>: Welche Anforderungen müssen Abiturienten und Studierende erfüllen, die den Lehrerberuf ergreifen wollen?

Josef Kraus: Zwei große Leidenschaften braucht man: Man muss junge Leute mögen und seine Fächer lieben. Darüber hinaus muss man ein stabiles Nervenkostüm mitbringen und ein sehr kommunikativer Mensch sein.

abi>>: Wie hat sich der Lehrerberuf in den vergangenen Jahren verändert?

Josef Kraus: Es ist sicherlich anstrengender geworden, vor allem was die Disziplin, die Aufmerksamkeit und die Anstrengungsbereitschaft der Schüler angeht. Es gibt immer mehr schwierige Familiensituationen. Man muss neben der Vermittlung von Wissen oft auch viel soziale Arbeit leisten.

abi>>: Würden Sie heutzutage ein Lehramtsstudium empfehlen?

Josef Kraus: Wenn man sich genau überlegt, für welche Schulform und welches Fach man studieren und in welchem Bundesland man arbeiten will, spricht überhaupt nichts dagegen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Der Umgang mit jungen Leuten hält auch einen Lehrer jung. Die Stunden, die ich unterrichte, gehören für mich auch als Schulleiter zu den schönsten Stunden der Woche.

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