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Rubrik Lehrer und Eltern


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Lehrer

Ein Beruf mit Klasse

Wer Lehrer werden möchte, sollte sich über zwei Dinge bewusst sein: Der Lehrerberuf ist eine Herausforderung. Und die Arbeitsmarktchancen hängen von der gewählten Schulart, dem Bundesland und der Fächerkombination ab.

Axel Brunner steht in einem Klassenzimmer vor einer Tafel. Darauf: Französische Vokabeln und Grammatik.

Unterrichten macht Axel Brunner Spaß. Und diesen versucht er seinen Schülern auch zu vermitteln.

Foto: Privat

22 Stunden pro Woche steht Axel Brunner vor seinen Schülern und lehrt ihnen Englisch und Geschichte. Viele weitere Stunden verbringt der Gymnasiallehrer zu Hause mit der Vorbereitung von Unterrichtsstunden oder dem Korrigieren von Klassenarbeiten. Dazu kommen die Arbeit an der Schülerzeitung und seine Aufgaben als Verbindungslehrer. Da können die Tage schon mal lang werden. „Da ich aus einer Lehrerfamilie komme, wusste ich, auf was ich mich einlasse“, sagt der 31-Jährige. Sein Tipp für angehende Lehramtsstudierende: „Man sollte sich klarmachen, dass man besonders in Fächerkombinationen mit Deutsch und einer Fremdsprache viel Zeit für Korrekturen aufwenden muss. In anderen Fächern ist das nicht ganz so viel.“

Nach Abschluss seines Englisch- und Geschichtsstudiums in Erlangen und seines Referendariats begann Axel Brunner seinen Lehreralltag am Maximilian-Montgelas-Gymnasium in Vilsbiburg bei Landshut. Er hat sich bewusst für das Lehramtsstudium für die Sekundarstufe II, also das Gymnasium, entschieden, „weil ich meinen Schülern die Freude an der Sprache und der Literatur vermitteln will. An anderen Schulformen kann man hier nicht so sehr in die Tiefe gehen.“ Das Unterrichten macht dem Lehrer Spaß, aber noch mehr freut es ihn, „dass ich so viele positive Rückmeldungen von den Schülern bekomme. Damit hatte ich nicht gerechnet.“

Angestellt oder verbeamtet

Axel Brunner

Axel Brunner

Foto: Privat

Axel Brunner ist nur einer von rund 800.000 aktiven Lehrern in Deutschland, die an Berufsschulen, allgemeinbildenden und privaten Schulen beschäftigt sind. Gut 190.000 Lehrer unterrichten laut dem Statistischen Bundesamt an Gymnasien, ebenso viele an Grundschulen. Die Übrigen sind etwa in Vorklassen, Schulkindergärten, Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen, Waldorfschulen, Förderschulen, Abendschulen, Kollegs und Berufsschulen beschäftigt. 69 Prozent der Lehrer sind Frauen. Rund ein Drittel der Lehrer arbeitet als Angestellte, etwa zwei Drittel sind verbeamtet.

Ob Lehrer verbeamtet werden, ist nicht einheitlich geregelt, der Notenschnitt und das Alter spielen hierbei eine wichtige Rolle. Tendenziell werden aber immer mehr Einsteiger ins Angestelltenverhältnis übernommen. Beamte erhalten eine Besoldung, Angestellte werden nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder vergütet. Beamte bekommen zwar eine geringere Bruttovergütung, müssen aber weniger Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Angestellte hingegen zahlen Sozialversicherungsbeiträge, so dass ihre Nettoeinkommen unter den Nettobezügen für Beamte liegen.

Der Philologenverband und der Deutsche Lehrerverband schätzen, dass an deutschen Schulen derzeit etwa 10.000 bis 20.000 Lehrer fehlen. Zudem werden in den nächsten zehn Jahren rund 300.000 weitere in den Ruhestand gehen. Gute Aussichten also für angehende Lehrkräfte?

„Da muss man stark unterscheiden“, gibt Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, zu bedenken. „Den größten Personalbedarf gibt es derzeit an Hauptschulen und an beruflichen Schulen. An Grundschulen, Realschulen und Gymnasien ist die Personallage je nach Fach zum Teil weniger angespannt.“ Vor allem an den Grundschulen gibt es aber naturgemäß eine hohe Personalfluktuation, weil der Frauenanteil hier weit über 90 Prozent liegt. Aus familiären Gründen arbeiten viele Grundschullehrerinnen in Teilzeit oder setzen wegen eigener Kinder längere Zeit aus.

Ost oder West?

Einen Unterschied gibt es auch zwischen den einzelnen Bundesländern. „Hier muss man vor allem zwischen Ost und West unterscheiden“, erklärt Josef Kraus. „Seit der Wiedervereinigung ist die Schülerzahl im Osten Deutschlands wegen niedrigerer Geburtenzahlen und Abwanderungen in den Westen erheblich zurückgegangen.“ Für naturwissenschaftliche Fächer sowie für Latein bestehe trotzdem Bedarf, weiß Josef Kraus, „aber die Nachfrage ist nicht so groß wie in Westdeutschland“. Zwei Beispiele zeigen aber, wie unterschiedlich die Prognosen auch im Westen für die einzelnen Bundesländer sind: So rechnet Bayern bis 2020 noch mit einem hohen Lehrerbedarf an Grund- und Hauptschulen, während es für Realschulen und Gymnasien ein Überangebot geben wird. Nordrhein-Westfalen hingegen sieht die Situation an Grundschulen bis 2020 stabil, danach fürchtet man einen Lehrerüberhang, also zu viele Lehrer für zu wenig Stellen. Ein großer Mangel werde aber in der Sekundarstufe I, also in den Haupt-, Real- und Gesamtschulen, herrschen.

Balkengrafik mit den Zahlen der Absolventen: 1993: 16.235; 1994: 23734,1995: 26748; 1996: 28143; 1997: 27929:1998: 28256;1999: 27740; 2000: 26938; 2001: 24959; 2002: 23503; 2003: 22196; 2004: 22545; 2005: 24286; 2006: 26451; 2007: 28859

Absolventen eines Lehramtsstudiums

Quelle. Statistisches Bundesamt

Laut Kultusministerkonferenz wird sich die Schülerzahl bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent verringern. „Deshalb wird grundsätzlich ein geringerer Lehrerbedarf als zum aktuellen Zeitpunkt zu erwarten sein“, erklärt Arbeitsmarktexperte Ralf Beckmann von der Bundesagentur für Arbeit. Erfreulich ist hingegen die aktuelle Entwicklung der Arbeitslosenzahlen: „Seit 2005 gibt es immer weniger arbeitslose Lehrer“, weiß der Arbeitsmarktexperte. 2009 waren insgesamt 5.200 Lehrer arbeitslos gemeldet, darunter 1.000 Gymnasiallehrer, 2.500 Real-, Volks- und Sonderschullehrer und knapp 1.700 Lehrer für Fach- und Berufsschulen.

„Trotz aller Bedarfsdiskussionen sollte bei der Wahl des Berufes die Eignung im Vordergrund stehen“, betont Ralf Beckmann. Denn einer aktuellen Studie der Uni Frankfurt zufolge fühlen sich zehn Prozent der befragten Lehrer bereits in den ersten vier Berufsjahren stark überfordert. 25 Prozent der Befragten wollten eigentlich nie Lehrer werden. Davon stieg fast die Hälfte aus, sobald sich eine Alternative bot. „Ich empfehle deshalb, sich vor dem Studium gründlich mit dem Berufsziel auseinanderzusetzen“, so der Arbeitsmarktexperte. „Hierfür sollte man Praktika, Beratungsgespräche und Berufseignungstests zur Selbsterkundung nutzen.“ Diese werden kostenlos beispielsweise vom Deutschen Beamtenbund angeboten.

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